Ausblick Fokustage: Philip Aanderud über die "Wannenstudie"

"Auch wirtschaftlich ist die Mehrwegwanne ein Vorteil"

20. Mai 2026
Redaktion Börsenblatt

Im Juni lädt der Börsenverein zu den Fokustagen nach Frankfurt ein. Ein Programmpunkt: Eine Studie, die den Einsatz von Kunststoffwannen in der Logistik untersucht. Was bedeuten die Ergebnisse für die Branche? Antworten von Nachhaltigkeitsmanager Philip Aanderud (Libri).

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Philip Aanderud

Wir sparen Ressourcen, Emissionen und Geld – ohne ein einziges Buch weniger zu verkaufen.

Philip Aanderud, Nachhaltigkeitsmanager bei Libri

"Wanne oder Karton?" Kaum jemand in der Branche ohne klare Haltung zur Frage, welche Versandart vorteilhafter ist – für das Geschäft und das Klima. In der Buchlogistik sehen wir seit Jahren das gleiche Bild: unzählige Einwegkartons, die schon morgen im Altpapier landen, und parallel dazu robuste Bücherwannen aus Kunststoff, oft über zehn Jahre im Umlauf.

Mit dem Wechsel aus der Beratung in die Buchbranche wurde mir als Nachhaltigkeitsmanager schnell klar, dass Verpackung ein Hebel ist. Wie groß dieser Hebel im B2B-Versand tatsächlich ist, zeigt jetzt erstmals eine wissenschaftliche Studie der Universität Kassel, die wir als IG Nachhaltigkeit gemeinsam beauftragt haben (mehr dazu hier).

Was sind die Fokustage?

  • Am 11. und 12. Juni lädt der Börsenverein in Frankfurt am Main zu den Fokustagen ein.
  • An den beiden Tagen treffen sich die IG Digital, die IG Nachhaltigkeit und die IG Ratgeber & Reise zu ihren Jahrestagungen.
  • Zum Programm und zur Anmeldung geht es hier. Gäste sind willkommen!
  • Podiumsrunde mit Philip Aanderud: Donnerstag, 11. Juni, 16.45 Uhr. Außerdem: Christoph Schaupp, Müller - Die lila Logistik Fulfillment Solutions
  • Thema: "Mehrweg und E-Mobilität im Praxischeck: Wie Klimaschutz in der Buchlogistik zum Gewinn wird."
  • Veranstaltung der IG Nachhaltigkeit

Der Befund ist eindeutig: Kunststoff‑Mehrwegwannen schneiden in allen untersuchten Szenarien besser ab als Einwegkartonagen. Hauptgrund ist die Kartonherstellung. Je Buch ist Karton deutlich ressourcen- und kostenintensiver als die auf viele Umläufe verteilte Wannenproduktion.

Eine Wanne befördert im Basismodell rund 3.300 Bücher, im ungünstigen Fall 900 – selbst dann werden gegenüber Einwegkarton bis zu 95 Prozent der Umweltbelastungen bei der Herstellung eingespart. Die Umstellung auf ein reines Mehrwegsystem ermöglicht so Einsparungen bei Ressourcen und Emissionen von rund sechs Prozent entlang der Wertschöpfungskette. Das sind sehr relevante Effekte, hochgerechnet auf die Anzahl jährlich verkaufter Exemplare.

Die Studie gibt uns einen klaren Auftrag: Karton überall dort vermeiden, wo dies ohne erhöhte Beschädigungsrate möglich ist

Philip Aanderud

Rauf mit dem Mehrweganteil!

Auch wirtschaftlich ist Mehrweg im Vorteil. So ergibt sich ausgehend von 35 Gramm Karton pro Buch und 3,65 Euro pro Kilogramm Kartonage durch Wechsel auf Mehrweg – trotz zusätzlicher Kosten für die Wannen – eine lebenszyklusweite Kostensenkung von rund 0,11 bis 0,14 Euro je Buch. Auch bei abweichenden Kartonpreisen bleibt der Kostenvorteil erhalten.

Die Studie gibt uns einen klaren Auftrag: Karton überall dort vermeiden, wo dies ohne erhöhte Beschädigungsrate möglich ist – durch noch weniger Leerräume und kleinere, wiederverwendete Kartons. Und vor allem branchenweit den Mehrweganteil erhöhen – besonders bei Verlagsauslieferungen, Besorgungen, Verlegerbeischlüssen und Remittenden.

Die Studie enthüllt: Wir verschenken als Branche noch viel Potenzial. Die volle Wirkung von Mehrweg im B2B-Versand können wir nur gemeinsam heben. Es braucht Kooperationen von Verlagen, Zwischen- und Sortimentsbuchhandel. Mehrwegwannen von Barsortimenten wie Libri und deren bislang noch zaghafter Einsatz im Warenfluss mit Verlagsauslieferungen zeigen, was möglich ist.

Wenn wir Karton einsparen und konsequent auf Mehrweg setzen, sparen wir Ressourcen, Emissionen und Geld – ohne ein einziges Buch weniger zu verkaufen.

Ein Artikel des Börsenvereins