Börsenverein: Lothar Wekel über ein neues HRS-Förderprogramm

"Es gibt viele kreative Aktionen, aber finanziell bleibt wenig hängen"

24. September 2026
Sabine Cronau

Indie-Buchhandlungen und Verlage, die in Hessen, Rheinland-Pfalz oder dem Saarland zuhause sind, können sich auf eine Finanzspritze ihres Landesverbands freuen – für gemeinsame Veranstaltungen. Woher kommt das Geld? Und warum werden nur Kooperationen gefördert? Antworten von Lothar Wekel, im Börsenverein Vorsitzender des Dreiländerverbands.

Lothar Wekel wird zum Geschäftsführer

Lothar Wekel (Verlagshaus Römerweg), Vorsitzender und Geschäftsführer des Landesverbands, beim Mitgliedertreffen 2026 in Wiesbaden

Börsenblatt: Für das neue Förderprogramm stellt der Landesverband 54.000 Euro pro Jahr zur Verfügung. Das ist eine stolze Summe. Woher kommt das Geld?

Lothar Wekel: Es handelt sich dabei um einen Teil des Verbandsvermögens, das über viele Jahre aus Mitgliedsbeiträgen, Erlösen aus Depots und Steuerrückerstattungen entstanden ist. Dadurch, dass wir in den vergangenen Jahren sehr konservativ gewirtschaftet haben, können wir nun darauf zugreifen - natürlich hat die Mitgliederversammlung dies im Juni 2026 ausdrücklich genehmigt.

Das Förderprogramm des Landesverbands HRS

  • Um die Kooperation zwischen unabhängigen Buchhandlungen und Verlagen zu stärken, legt der Landesverband Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland des Börsenvereins ein neues Förderprogramm auf: Pro Jahr stehen 54.000 Euro stehen bereit, um gemeinsame Veranstaltungen im Verbandsgebiet mit einer Summe von 500 bis 750 Euro zu fördern.
  • Antragsberechtigt sind unabhängige Buchhandlungen und Verlage im Verbandsgebiet, die im Jahr weniger als eine Million Euro umsetzen, mindestens 3 Jahre am Markt sind und dem Landesverband seit mindestens 2 Jahren als Mitglied angehören. Alle Details zum Förderprogramm gibt es hier.

Börsenblatt: Gibt es "Leuchtturmprojekte", die anderen Buchhandlungen und Verlagen als Beispiel dienen können?

Lothar Wekel: Durch die Arbeit an der Auszeichnung "Hessens beste Dorfbuchhandlung" haben wir gerade in den letzten Wochen wieder so viele Möglichkeiten für Veranstaltungen kennengelernt, dass wir sicher sein können: Die Fantasie der Buchhändlerinnen und Buchhändler ist so reichhaltig und variantenreich, dass es einen "Leuchtturm" gar nicht braucht.

Das Problem liegt woanders: Unsere Mitglieder bieten so viele kreative Aktionen an, aber finanziell bleibt wenig hängen – obwohl die Inhaberinnen und Inhaber ihre eigene Arbeitszeit oft gar nicht erst einrechnen. Das wollen wir mit dem Förderprogramm etwas abfedern. Denn mittel- und langfristig sind Veranstaltungsangebote natürlich Gold wert, etwa für Kundenbindung und Sichtbarkeit.

Börsenblatt: Warum haben Sie sich dafür entschieden, dezidiert nur gemeinsame Projekte von Verlagen und Buchhandlungen zu bezuschussen?

Lothar Wekel: "Gemeinsame Projekte von Verlagen und Buchhandlungen im Verbandsgebiet" muss es vollständig heißen, und ja, auch dies war ausdrücklich Wunsch der Mitgliederversammlung. Denn in den Regionen leben und arbeiten Autoren, Verleger und Buchhändler, die wir nachhaltig unterstützen wollen, auch weil der ein oder andere erst entdeckt werden muss. Die Bestsellerautoren hat jeder eher auf dem Schirm.

Bei Reihen oder Festivals sollen neue Formate gefördert werden, bereits bestehende sind hier nicht im Fokus.

Lothar Wekel, Vorsitzender des Landesverbands Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland

Börsenblatt: Reihen oder Festivals werden mit bis zu 5.000 Euro gefördert. Gilt das nur für neue Initiativen – oder auch für bestehende Festivals?

Lothar Wekel: Gefördert werden sollen neue Formate, bereits bestehende sind hier nicht im Fokus. Ein Festival zu entwickeln, verlangt Konzeptionsarbeit und Beständigkeit, die wiederum wir auch in der Folge unterstützen wollen. Überhaupt haben die Mitglieder bei der Jahreshauptversammlung entschieden, bei ihrem nächsten Treffen 2027 die Entwicklung des Förderprogramms zu überprüfen – es kann also sogar angepasst werden.

Börsenblatt: Haben Sie eine interne „Zielmarke“, wie viele Veranstaltungen pro Jahr gefördert werden sollen? Anders formuliert: Sind Sie zuversichtlich, dass der Fördertopf ausgeschöpft wird?

Lothar Wekel: Wir wissen, dass neue Ansätze besonders gut kommuniziert werden müssen, um in der Breite wahrgenommen zu werden. Aktuell haben wir noch Luft nach oben, daher bieten wir auf der Frankfurter Buchmesse am Mittwoch um 13 Uhr ein Matchmeeting am Börsenvereinsstand an, bei dem wir Fragen beantworten und sich zukünftige Partner auch persönlich kennenlernen können.

Matchmeeting zum Förderprogramm

  • Wann: Messemittwoch, 7. Oktober, 13 Uhr
  • Wo: Börsenverein, Halle 4.1, Stand G 15

Alle Details zum Förderprogramm gibt es hier,
mit Antragsformular und einem ausführlichen FAQ