Börsenverein - Landesverband Bayern

Klaus Füreder steht künftig an der Spitze

23. Juli 2021
von Andreas Trojan

Der Landesverband Bayern im Börsenverein hat einen neuen Vorstand, den Vorsitz übernimmt der Münchner Buchhändler und Verleger Klaus Füreder - als Nachfolger für Michael Then. Alles über die Personalien und Themen der ersten digitalen Hauptversammlung lesen Sie hier.

Klaus Füreder

Die Mitglieder des bayerischen Landesverbands im Börsenverein haben am 22. Juli bei ihrer ersten digitalen Hauptversammlung einen neuen Vorstand gewählt. Neuer Vorsitzender ist Klaus Füreder. Er ist seit 2016 Inhaber der Arabella Buchhandlung in München und geschäftsführender Gesellschafter des Verlags Eder & Bach. Zuvor war er unter anderem für Ullstein und die Süddeutsche Zeitung tätig. Er tritt die Nachfolge von Michael Then (Weltbild, Augsburg) an, der nach sechs Jahren Amtszeit satzungsgemäß nicht mehr kandidierte.

In seiner Antrittsrede sagte Klaus Füreder: „Gerade der Buchhandel hat aus meiner Sicht das Zeug dazu, in den Zeiten der umfassenden Digitalisierung und des boomenden Online-Handels einen Kontrapunkt zu setzen. Buy local ist viel mehr als nur eine Floskel oder ein flotter Werbespruch.“

Was wir aber meines Erachtens jetzt am dringendsten brauchen, ist eine große und breite Bewegung für die Attraktivität des Buches und den attraktiven Buchhandel.

Klaus Füreder, neuer Vorsitzender des Landesverbands Bayern im Börsenverein

Er hielt ein Plädoyer für einen modernen, kundenorientierten und qualitativ hochwertigen Handel sowie für Rahmenbedingungen, die den Verlagen ein auskömmliches Arbeiten ermöglichen. Er schloss mit dem Appell: „Was wir aber meines Erachtens jetzt am dringendsten brauchen, ist eine große und breite Bewegung für die Attraktivität des Buches und den attraktiven Buchhandel mit einer Vielzahl von neuen Ideen und konkreten Aktivitäten. Und dafür werde ich mich insbesondere einsetzen und meine Beiträge leisten.“

In ihren Vorstandsämtern bestätigt wurden

  • Tilo Eckardt (Penguin Random House Verlagsgruppe, München, Vorstandsmitglied seit 2020),
  • Lutz Nagler (Buchhandlung Kempter, Ottobrunn, Vorstandsmitglied seit 2018) und
  • Rosemarie Reif-Ruppert (Gostenhofer Buchhandlung, Nürnberg, Vorstandsmitglied seit 2018).

Erstmals in den Vorstand, der insgesamt mit jeweils drei Vertreterinnen und Vertretern aus dem Bereich Verlag und Sortiment besetzt wird, wurden gewählt:

  • Julia Eisele vom gleichnamigen Münchner Verlag sowie
  • Katja Meinecke-Meurer vom Nürnberger Tessloff Verlag.

Bianca E. Kölbl von der Buchhandlung Biazza, München, wurde als Rechnungsprüferin in ihrem Amt bestätigt. Neu gewählt als Rechnungsprüferin wurde Barbara Bucher (Druck + Verlag Ernst Vögel, Stamsried). Im Wahlausschuss engagieren sich weiterhin Guntram Gattner (Buchhandlung Gattner, Murnau), Nicolas Greno (Buchhaus Greno, Donauwörth) und Margit Ketterle (Droemer Knaur, München). Neues Mitglied im Wahlausschuss ist Michael Then (Weltbild, Augsburg).

Nicht mehr zur Wahl angetreten sind die beiden Vorstandsmitglieder Thomas Nitz (Hugendubel) und Sebastian Zembol (mixtvision), die ebenfalls satzungsgemäß nach sechs Jahren nicht mehr kandidieren konnten, Marcella Prior-Callwey (Callwey Verlag), die zuletzt im Wahlausschuss tätig war, sowie Ernst Vögel (Druck + Verlag Ernst Vögel) als Rechnungsprüfer. Der Verein bedankt sich sehr herzlich für ihr ehrenamtliches Engagement, ihre Ideen und ihre Zeit, die sie für die Branche investiert haben.

Die Mitgliederversammlung nahm außerdem die Satzungsneufassung an, die im Wesentlichen notwendig geworden war, um auch in Zukunft rechtssicher alle digitalen Möglichkeiten der Verbandsarbeit ausschöpfen zu können.

Alle Kolleg*innen in den Ehrenämtern des Landesverbands stellen sich hier noch einmal ausführlich vor.

Von Abschied und Anfang

Es war in mehrfachen Sinn eine besondere Mitgliederversammlung für den Landesverband: Sie fand erstmals digital statt (auch wenn man sich daran in Corona-Zeiten fast schon gewöhnt hat). Nach sechs Jahren als Vorsitzender des Landesverbands nahm Michael Then seinen Abschied – mit ihm geht eine Ära zu Ende, in welcher der Landesverband auch in stürmischen Zeiten einen sicheren Kurs einschlug. Und noch einer verlässt das bayerische Buchschiff: Thomas Nitz (Hugendubel), langjähriger Schatzmeister und insgesamt 30 Jahre im Verband tätig. Da mögen wohl einige Teilnehmer*innen etwas wehmütig geworden sein ob der Veränderungen, doch in der digitalen Welt werden solche Emotionen selten sichtbar.

Michael Then zog Bilanz. Zwei Dinge werden wohl auch in Zukunft wichtig bleiben: Lobbyarbeit gegenüber der Politik und der feste Zusammenhalt von Verlagen und Buchhandlungen – großen wie kleinen. Sorge bereitet Then der kontinuierliche Verlust von Buchkäufer*innen. Die Pandemie hat diesen Trend zwar gebremst (mehr dazu hier), doch eine Frage bleibt für Then virulent: „Wie erreichen wir Aufmerksamkeit für das Buch?“

Wir müssen das Buch als Projekt der Entschleunigung begreifen.

Michael Then, scheidender Vorsitzender des Landesverbands Bayern

In Bayern gibt es dafür durchaus Erfolgsgeschichten, wie sie zum Beispiel 60 Jahre Münchner Bücherschau und 40 Jahre Geschwister-Scholl-Preis erzählen. In der Pandemie fehlt ihnen der Live-Effekt, aber manchmal ist es auch umgekehrt: Die Veranstaltung „Book meets Film“ war digital so ein Erfolg, dass das virtuelle Format so beibehalten werden soll (mehr dazu hier). Das Schlussplädoyer von Michael Then lautete: „Wir müssen das Buch als Projekt der Entschleunigung begreifen.“ Wobei alle Akteure, die das Buch an die Leserschaft bringen möchten, beschleunigen müssten.

Aufgaben gibt es mehr als genug: Thomas Nitz wies statistisch nach, dass der Landesverband in den Jahren 2008 bis 2021 mehr als 28 Prozent seiner Mitglieder verloren hat. Das kann man nur mit moderaten Beitragserhöhungen wett machen. Und Christian Sprang, Justiziar des Börsenvereins, zeigte in seinem Impulsvortrag zwei Problemfelder auf, die von der Branche aufmerksam beobachtet werden müssen: Das Dauerthema Buchpreisbindung und die digitale Ausleihe in Bibliotheken, auch „E-Lending“ genannt.

Dass der Landesverband Bayern für die Herausforderungen der nächsten Zeit gut aufgestellt ist, zeigt die Wahl für den Vorstand: Tilo Eckardt ist Verleger bei Pinguin Random House, hat eine Buchhandelslehre absolviert und arbeitete auch als Literaturagent. Julia Eisele ist Verlegerin, arbeitete als Lektorin und Übersetzerin. Katja Meinecke-Meurer ist ebenfalls Verlegerin (Tessloff Verlag), studierte Buchwissenschaft und ist ausgebildete Buchhändlerin. Lutz Nagler betreibt als studierter Kommunikationswissenschaftler die Buchhandlung Kempter. Die Industriekauffrau und Sozialpädagogin Rosemarie Reif-Ruppert führt seit vielen Jahren die Gostenhofer Buchhandlung. Anders formuliert: Je breiter das Spektrum an Knowhow, umso besser lässt sich für das Buch kämpfen.

Auch der neue Vorsitzende des Landesverbands ist ein Multitalent: Er war unter anderem Business Manager bei Microsoft, Geschäftsführer der Bavaria Media GmbH, dann entwickelte und vermarktete er die SZ-Bibliothek, war Marketing- & Vertriebsgeschäftsführer der Ullstein Buchverlage. Das Motto für seine kommenden Zeit als Vorsitzender ist eine Kurzversion seiner Erfahrung: „Die Stärken stärken.“

Das heißt zum Beispiel, dass sich der stationäre Buchhandel bewusst als Gegenpol zur digitalen Welt präsentieren sollte. Denn in einem Punkt hätten Online-Shops einen klaren Nachteil: Kundennähe lässt sich hier nur schwer herstellen. Deshalb gelte für den Buchhandel wie für Verlage: „Kundenbindung ist eine Überlebensstrategie.“ Der neue Vorsitzende will sich stark machen für neue Ideen und Aktivitäten, damit eines klar wird: „Das Buch ist ein Leitmedium“.