Herbstsitzung der Fachausschüsse

Remissionen – Einheitliche Kennzeichen sollen mehr Effizienz schaffen

5. November 2026
Thomas Koch, Börsenverein

Großer Durchbruch bei den Fachausschuss-Sitzungen vergangene Woche: Die Gremien haben grünes Licht für die Ausarbeitung eines Branchenstandards bei Remissionen gegeben. Feste Kennzeichnungen sollen die Prozesse stark vereinfachen und Einsparungen mit sich bringen. Was genau geplant ist.

Drei Bücherstapel so fotografiert, dass man nur den Schnitt der Bücher sieht

Remissionen sind ein erheblicher Kostenfaktor für die gesamte Wertschöpfungskette Buch. Rücksendungen binden Arbeitszeit, Logistik und Kapital bei Buchhandlungen, Auslieferungen und Verlagen. Wie die Branche das Remissionswesen optimieren und die Abwicklung für alle Akteure einfacher und günstiger machen kann, damit befassten sich die Spartenvertretungen des Verbands bei den Fachausschuss-Sitzungen am 28. Oktober. Konkret: mit einer einheitlichen Kennzeichnung, die für alle Beteiligten eindeutig zeigt, wie mit einem Titel im Remissionsfall zu verfahren ist.

Grundlage waren die Empfehlungen der Peer Group Remissionen (PG REMIs) in der Task Force Wirtschaftlichkeit. Ihre Mitglieder kommen aus dem Buchhandel und Verlagen. Christian Liesegang, Inhaber der Buchhandlung Liesegang und Mitglied des Vorstandes des Ausschusses für den Sortimentsbuchhandel, ist federführend an dem Projekt beteiligt: "Remissionen sind ein notwendiger Teil unseres Geschäfts, verursachen aber gleichzeitig einen hohen Aufwand in allen Handelsstufen. Die mit der Remission verbundenen Kosten entstehen zu einem guten Teil im Sortiment. Insbesondere gestiegene Transport- und Lohnkosten haben diesen Aufwand in den letzten Jahren spürbar anwachsen lassen."

Bereits im Frühjahr hatte die PG den Fachausschüssen erste Vorschläge präsentiert und die Ideen in den vergangenen sechs Monaten auf Machbarkeit und Nutzen für die ganze Branche geprüft. Eng eingebunden waren die Interessengruppe Produktmetadaten, die Interessengruppe Vertrieb sowie die Interessengruppe Unabhängiges Sortiment (IGUS). 

Porträtfoto von Christian Liesegang

Christian Liesegang, Inhaber der Buchhandlung Liesegang und Mitglied der PG REMIs sowie der Task Force Wirtschaftlichkeit

Drei neue Codes für Remissionen

Kernstück der Lösung sind drei Remissionskennzeichen, die im ONIX-Standard hinterlegt werden: 

  • Code 01: Makulierung (mit voller Gutschrift)
  • Code 02: Remission an Auslieferung (mit voller Gutschrift bei Rücksendung wiederverkaufsfähiger Exemplare)
  • Code 03: keine Remission möglich (Verlag kontaktieren)

Code 02 entspricht dem heutigen Standard und soll die voreingestellte Kennzeichnung sein, wenn ein Verlag keine Angabe macht. Die Kennzeichen werden in einer eigenen deutschen Liste innerhalb der ONIX-Codeliste 53 geführt, die national abgestimmt und bei Bedarf erweitert werden kann. Die Kennzeichen begründen dabei keine eigenständigen Remissionsrechte. Die Liste und ihre Bedeutung sollen zudem auf der VLB-Website erläutert werden.

Wie wird die neue Remissionskennzeichnung Buchhandlungen konkret entlasten? 
Christian Liesegang: "Der Remissionsprozess für das Sortiment wird spürbar einfacher und damit schneller. Der Buchhändler oder die Buchhändlerin kann zukünftig sofort erkennen, welche Titel körperlos remittiert werden und welche überhaupt zurückzusenden sind. Nur ein Teil der Remissionen wird also noch versandfertig gemacht. Die Titelliste wird dem Verlag elektronisch übermittelt, so dass zeitnah eine Gutschrift erfolgt. Außerdem senkt eine körperlose Remission Transportgebühren für das Sortiment, weil unnötige Transporte vermieden werden."

Eine solche Branchenlösung ist nur möglich, weil in Deutschland schon seit langer Zeit internationale Metadatenstandards wie ONIX oder THEMA genutzt werden. Daher war die Verzahnung mit der IG Produktmetadaten von großer Bedeutung. Dorette Peters von der Penguin Random House Verlagsgruppe und Detlef Bauer von Libri gestalten das Projekt aus der IG mit. Dorette Peters: "Die Metadatenstandards erlauben es uns, produktrelevante Informationen kurzfristig und effizient durch die gesamte Kette des Buchhandels zu transportieren. Durch den internationalen Austausch stellen wir immer wieder fest, dass manche Märkte sich bereits gute Lösungen geschaffen haben, um Prozesse zu verschlanken und Kostenvorteile zu heben, die wir auch für den deutschen Markt in Erwägung ziehen sollten." Konkret dienten für das Thema Remissionen die Abläufe in Großbritannien als Orientierung. 

Porträtfoto von Dorette Peters

Dorette Peters, Penguin Random House Verlagsgruppe und IG Produkmetadaten

Um das Potential der Neuregelung zu nutzen, müssen sich alle Branchenteilnehmer und deren Dienstleister um einen reibungslosen Datenaustausch kümmern.

Dorette Peters, IG Produktmetadaten

Wie geht es weiter?

Die IG Produktmetadaten wird die neuen Codes so zeitnah wie möglich bei EDItEUR, dem Herausgeber des ONIX-Standards, beantragen. Parallel wird eine Best Practice für den Remissionsprozess erarbeitet. Noch im laufenden, dem vierten Quartal 2026, sollen Anbieter von Verlagssoftware und Warenwirtschaftssystemen informiert und eingebunden werden, damit Remissionen künftig einfacher abgewickelt werden können. Der Remissionsstatus der Titel könnte bereits ab dem zweiten Quartal 2027 in den VLB-Daten ausgespielt werden. 

Verlage und Buchhandlungen können den Prozess unterstützen, so Dorette Peters: "Um das Potential der Neuregelung zu nutzen, müssen sich alle Branchenteilnehmer und deren Dienstleister um einen reibungslosen Datenaustausch beim Geschäftsvorfall Rücksendung kümmern: Die Verlage und Auslieferungen bei ihren Anbietern von Verlags- und Auslieferungssoftware, der Zwischenbuchhandel und der VLB bei ihren Produktdatenbaken, und die Buchhändler:innen müssen ebenfalls ihre Softwareanbieter auf eine zügige Lösung verpflichten."

Das Projekt ist ein Paradebeispiel für die Bedeutung sparten- und gremienübergreifender Zusammenarbeit. "Die Remission ist ein komplexer Prozess, der alle Sparten der Branche direkt involviert", so Christian Liesegang. "Damit zukünftig digital Informationen ausgetauscht werden können, sind die Systeme der Buchhandlungen und Verlage entsprechend anzupassen und zu pflegen. Um dies zu erzielen, ist der Schulterschluss der verschiedenen Arbeitsgruppen und Sparten im Verband von großer Bedeutung. So schaffen wir es, Aufwand für alle zu reduzieren und damit die gewünschten Kosteneinsparungen zu erreichen."

Der Schulterschluss der Arbeitsgruppen und Sparten im Verband ist von großer Bedeutung. So schaffen wir es, Aufwand für alle zu reduzieren und Kosteneinsparungen zu erreichen.

Christian Liesegang, PG REMIs und Task Force Wirtschaftlichkeit

Task Force Wirtschaftlichkeit: Gemeinsam Lösungen gegen den Kostendruck erarbeiten

Die Task Force Wirtschaftlichkeit arbeitet seit dem Frühjahr 2024 an Lösungsansätzen, wie der Kostendruck an verschiedenen Punkten der Wertschöpfungskette reduziert und Prozesse optimiert werden können. Aus 14 Fokusthemen, die die Gruppe, bestehend aus Vertreter:innen der drei Sparten, identifiziert hat, werden seit Gründung der Task Force drei Themenkomplexe gleichzeitig bearbeitet: Nachauflagen-Planung, Preisprüfung und Remission. Bisherige Ergebnisse sind u.a. die Backlist-Analysen, die Vorschläge und Debatte zu Etikettierung und Preisaufdruck und ein Druckauflagen-Rechner, der von Mitgliedern des Börsenvereins über die Website aufgerufen und genutzt werden kann.

Die Mitglieder der PG REMIs sind: Christian Liesegang (Buchhandlung Liesegang), Daniel Hagemann (Bücherstuben Hamburg Nord), Susanne Starnes, Julia Habersack (beide Penguin Radom House Verlagsgruppe), Bettina Schubert (Hanser Verlag), Beate Textor (S. Fischer Verlage). 

Die Mitglieder der Task Force Wirtschaftlichkeit sind aktuell: Frank Sambeth (Carlsen Verlag), Susanne Starnes (Penguin Radom House Verlagsgruppe); Stephan Schierke (arvato VVA) + N.N. (Zwischenbuchhandel), Christian Liesegang und Martin Riethmüller (Osiander), Koordiniert und verzahnt werden die Aktivitäten der Task Force Wirtschaftlichkeit und PG REMIs von Kyra Dreher, Börsenverein.