Nach dem Urteil

Tsitsi Dangarembga und Julie Barnes geben Erklärung ab

4. Oktober 2022
von Börsenblatt

Nachdem Tsitsi Dangarembga am 29. September zu einer Geldstrafe von 70.000 Zimbabwe-Dollar (rund 200 Euro) und sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden war, hat sie nun gemeinsam mit ihrer Mitstreiterin Julie Barnes eine Erklärung abgegeben. Lesen Sie sie hier im Wortlaut.

Tsitsi Dangarembga, 2021 mit dem Friedenspreis ausgezeichnet, steht zurzeit in Zimbabwe vor Gericht

"Liebe Freunde in Simbabwe und überall auf der Welt, liebe Familie und Verwandte, schweren Herzens überbringen wir Euch die Nachricht von unserer Verurteilung wegen "Teilnahme an einer Versammlung mit der Absicht, zu öffentlicher Gewalt, Landfriedensbruch oder Bigotterie aufzurufen", weil wir unsere verfassungsmäßigen Rechte als Bürger Simbabwes auf freie Meinungsäußerung und auf friedliche Demonstrationen, Proteste oder Petitionen an die Regierung wahrgenommen haben, was wir am 31. Juli 2020 taten, indem wir mit Plakaten die Borrowdale Road entlanggingen. Das erste Plakat forderte ein besseres Leben für die Menschen in Simbabwe und institutionelle Reformen in unserem Land. Das zweite Plakat forderte die Freilassung derjenigen, die in den Medien die Korruption in der Regierung aufgedeckt hatten, und anderer, die die Bürger zum Protest ermutigt hatten, die ohne Kaution und ohne Gerichtsverfahren inhaftiert worden waren. Tsitsi Dangarembga trug diese beiden Plakate. Das dritte Plakat, das von Julie, forderte ebenfalls Freiheit für Journalisten, die verhaftet und ohne Kaution oder Prozess inhaftiert worden waren, und forderte ein besseres Simbabwe für alle. 

Wir sind sehr traurig über dieses Ergebnis, denn diese Verurteilung könnte ein Präzedenzfall dafür sein, dass es einem Simbabwer - ja einem Menschen in Simbabwe - nicht freisteht, mit einem anderen Bürger eine Straße entlangzugehen und friedliche Botschaften zu verbreiten, die ihre Meinung zu Themen zum Ausdruck bringen, die sie als Menschen, die in diesem Land leben, betreffen. Wir dürfen uns nicht länger darüber lustig machen, dass es in Simbabwe zwar Meinungsfreiheit, aber keine Freiheit nach der Meinungsäußerung gibt. Wir müssen diese Verurteilung als Warnsignal dafür nehmen, dass uns die Freiheit genommen wird, friedlich zu äußern, was wir als Simbabwer im öffentlichen Diskurs wollen. Wir werden zum Schweigen und zur Untätigkeit gedrängt, während Unterdrückung und Korruption zunehmen und die Qualität unseres Lebens, unsere Hoffnungen für das Leben unserer Kinder und das Vertrauen unserer Kinder in ihre Zukunft schwinden. Freiheit, Gerechtigkeit und ein Leben in Würde sind unser Recht als simbabwische Bewohner unseres Planeten. Wir fordern Sie alle auf, jederzeit friedlich für Freiheit, Gerechtigkeit und ein Leben in Würde in unserem Land einzutreten. Wir versprechen Ihnen, dass wir das auch immer tun werden.

Wir beabsichtigen, in Berufung zu gehen.

Gott segne Simbabwe, und Gott segne uns alle."