SoA und IGUS zum Runden Tisch

"Über Mindestrabatte reden"

27. Mai 2021
von Börsenblatt

Thema Rabattspreizungen: Wie zufrieden (unabhängige) Sortimente mit den Ergebnissen des Runden Tisches sind, erläutern Christiane Schulz-Rother, Vorsitzende des Sortimenter-Ausschusses (SoA), und Iris Hunscheid, Vorsitzende der IG Unabhängiges Sortiment (IGUS) im Interview mit dem Börsenblatt.

Christiane Schulz-Rother, Vorsitzende des Sortimenter-Ausschusses

Ist das unabhängige Sortiment aus Ihrer Sicht ausreichend in die Verbandsüberlegungen zum Thema Rabattspreizung involviert?
Iris Hunscheid: Das unabhängige Sortiment beschäftigt die Frage der Rabattspreizungen sehr. Ich finde es sehr wichtig und gut, dass das Thema jetzt breit diskutiert wird. Als IGUS haben wir von Anfang an unsere Positionen in die Diskussion im Verband eingebracht. Es gab in den letzten Monaten keine Gremienagenda, auf der das Thema nicht stand. Auch an den beiden Runden Tischen haben fünf Vertreter*innen der unabhängigen Sortimente sowie auch der buchhändlerischen Verbünde teilgenommen und ihre Überlegungen eingebracht.

Sind Sie zufrieden mit den Ergebnissen des Runden Tisches?
Christiane Schulz-Rother: Ich finde es gut, dass wir bei einem Thema mit so unterschiedlichen Interessen am Ende tatsächlich Lösungsansätze gefunden haben, auf die sich alle verständigen konnten. Ich war selbst beide Male dabei und empfand die Auseinandersetzung als konstruktiv und zielführend. Die eine einfache Lösung gibt es für ein so komplexes Thema nicht. Aber meiner Meinung nach wurden Schritte festgelegt, die auch aus Sicht der kleineren, unabhängigen Buchhändler absolut in die richtige Richtung gehen. Nun gilt es für die Branchenmitglieder, die jeweiligen Vorschläge und wirtschaftlichen Anpassungen im Sinne des Paragraf 6.3 auch umzusetzen und den Worten Taten folgen zu lassen.

Ein Thema, über das beim Thema Rabatte auch immer wieder gesprochen wird, sind Mindestrabatte. War das auch Thema?
Iris Hunscheid: Mindestrabatte beschäftigen die IGUS wie auch den SoA schon lange, denn sie sind ein großes Ärgernis. Wir sprechen darüber seit vielen Jahren in unterschiedlichen Gremien. Auch hier haben sich aber einfach klingende Lösungen als nicht umsetzbar herausgestellt. Schnell stoßen wir an kartellrechtliche Grenzen, denn es darf unter keinen Umständen zu Preisabsprachen kommen – diese werden von Kartellbehörden mit hohen Geldstrafen geahndet. Und letztlich möchte niemand, dass der Verband, der sich ja überwiegend aus Mitgliedsbeiträgen finanziert, mehrere Hunderttausend Euro an Geldstrafe bezahlen muss. Da sehen wir uns als Verband in der Verantwortung für unsere Mitglieder. Nichtsdestotrotz sind die Mindestrabatte ein Thema, über das die Marktteilnehmer*innen einzeln und bilateral mit ihren Vertragspartnern sprechen können. Ich gehe davon aus, dass ein auskömmliches Arbeiten in den nächsten Jahren sonst nicht mehr möglich ist.

Die aktuelle Diskussion zeigt: Die Interessen von kleinen und großen Marktteilnehmern, von Sortiment und Verlagen sind oft sehr verschieden. Wäre es da von Vorteil, Sie könnten als reiner Buchhändler*innenverband auftreten?
Christiane Schulz-Rother: Das klingt vielleicht erstmal gut: Wir könnten uns nur auf unsere Interessen fokussieren und würden schneller zu abgestimmten Meinungen kommen. Aber als reiner Buchhändler*innenverband – oder sogar noch weiter zersplittert in Große und Kleine – hätten wir niemals die politische Schlagkraft, die der Börsenverein als Vertreter aller drei Handelsstufen hat. Die bevorzugte Öffnung der Buchhandlungen trotz Pandemie in den meisten Bundesländern als „Einzelhandel des täglichen Bedarfs“, die Förderung durch Neustart Kultur, der große politische Rückhalt für die Buchpreisbindung oder den reduzierten Mehrwertsteuersatz – das hätten wir als Einzelkämpfer*innen nie erreichen können. Ich bin davon überzeugt, dass wir als Branche zusammen unterm Strich deutlich mehr erreichen. Da lohnt es sich auch, bei manchen Punkten stärker um gemeinsame Positionen zu ringen.

 

Iris Hunscheid