Vorstandswahl im Börsenverein
Zwei Wege, ein Ziel
13. Juni 2022
Bei der Vorstandswahl des Börsenvereins konkurrieren Annerose Beurich und Manfred Keiper um den freien Sitz fürs Sortiment. Was treibt die beiden unabhängigen Buchhändler:innen an? Und was wollen sie für die Indies der Branche bewegen?
Dieser Satz stimmt dann so nicht mehr. Auch ist mir nicht klar, wie man erklären soll, wenn das gleiche Buch im eigenen Webshop billiger angeboten wird wie auf dem Ladentisch, besonders prickelnd bei Bestellung in den Laden. Etc. etc.
Ich finde, dieser Vorschlag sollte besser durchdacht sein oder ganz schnell zurück in den Giftschrank. Zumal "Buchreport" heute diesbzgl. schon eine Umfrage gestartet hat.. da "dies im Börsenverein diskutiert" werde. Es kann schnell passieren, dass man ein Debatte nicht mehr eingefangen bekommt.
Benjamin Wagner
BuchKaffee Vividus e.K.
Amazon wird die ganze Diskussion ziemlich wumpe sein, da man dort eh nicht wirklich Gewinne erwirtschaften muss und der Buchbereich nur Peanuts ausmacht. Thalia etc. können sich relativ entspannt zurücklehnen, da die Verlage über kurz oder lang sowieso die Preise raufschrauben werden und man dadurch in Hagen aufgrund der Rabattspreizung den Laden so irgendwie noch am Laufen halten kann. Ausbaden wird es in Deutschland der sortimenterische Unter- und Mittelbau, der aufgrund der Rabattspreizung die Filialketten eh schon mitsubventioniert. Und die Probleme in Sachen der für uns Unabhängige wichtigen Barsortimente habe ich noch nicht einmal angesprochen.
Das Signal an die Verlage mit diesem Modell ist klar: Ihr erhöht die Ladenpreise nur soweit, dass Thalia etc. damit gut leben können, der unabhängige Buchhandel kann sich dann seine Auskömmlichkeit vermittels Preisanpassung nach oben zusammenklauben.
Diese Idee ist eine Idee für große Verlagshäuser und große Buchhandlungen und lädt einen wesentlichen Teil der Preisbildung auf den Schultern kleinerer Buchhandlungen und kleinerer Verlage ab. Und dieser faule Kompromiss konnte wohl nur zu Idee werden, weil Thalia einer ganzen Branche die Pistole auf die Brust setzt und keine und keiner von uns die Traute hat, sich dagegen zu stellen.
CONCLUSIO: In Zeiten der sofortigen Preisvergleichbarkeit machen wir an dieser Stelle mit dieser Idee unnötig ein Fass auf, welches gar nicht geöffnet werden müsste, wenn sich alle am Markt beteiligten Unternehmen einfach an bestehende Gesetze und Vereinbarungen halten würden und im Sinne des Buchpreisbindungsgesetzes eben nicht permanent „foul“ spielten. Wir sollten also besser drüber nachdenken, wie wir eine Buchpreisbindung für alle erhalten und durchsetzen – und wir sollten ganz besonders drüber nachdenken, wie der in Deutschland extrem zahnlose Tiger der Wächter über die Buchpreisbindung endlich Zähne bekommen könnte…
Jens Bartsch – Buchhandlung Goltsteinstraße in Köln
Wie würde sich die Buchhandelslandschaft in Deutschland wohl entwickeln wenn nicht nur die Verkaufspreise sondern auch die Einkaufspreise für alle Buchhändler/Onlinehändler identisch (preisgebunden) wären und es keinerlei Rabattspreizung mehr geben würde - eine faszinierende Vorstellung ;-<>
die ganze aktuelle Diskussion erinnert mich irgendwie an Kindergarten. Da haut der starke Radaubruder Kevin der Chantal mal wieder mit seiner Blechschippe auf die Birne, um seinen Willen zu bekommen. Und anstatt gemeinsam dem Kevin kräftig auf die Finger zu klopfen, ihm beherzt die Schippe aus der Hand zu nehmen und zu sagen „So etwas tut man nicht, weil es fest vereinbarte gemeinsame Regeln gibt!“, da diskutieren die Mamis und Papis lieber untereinander drüber, ob es als Kompromiss nicht Schippen aus Plastik oder gar Gummi gibt, damit es allen nicht ganz so weh tut, was der Kevin da permanent macht. Und, ach ja, die Kindergartenleitung schaut übrigens durchgängig zu, weil Kevins Eltern im Kindergarten die höchsten Beiträge zahlen. Die anderen Eltern zahlen übrigens auch.
Sie erkennen in dieser Kürzest-Form Ähnlichkeiten zu Rollenverteilungen in unserer Branche? – Uuuups, das war jetzt komplett beabsichtigt!
Ein herzlicher Gruß
Jens Bartsch – Buchhandlung Goltsteinstraße in Köln