Das Buchbranchen-Update

Bookstore Crawl in Mainz ++ Zu wenig Frauen in Chefetagen ++ Portoerhöhungen

26. Oktober 2026
Redaktion Börsenblatt

Es gibt in Deutschland zu wenig Frauen in Führungspositionen, die Buchbranche muss sich auf zweistellige Portoerhöhungen der Deutschen Post einstellen, und der erste Bookstore Crawl in Mainz steht in den Startlöchern. 

Die Nachlese - Cover mit Jule und Kai

Frauen in Führungspositionen in Deutschland

Anlässlich des Europäischen Statistiktags hat das Statistische Bundesamt Eurostat-Daten zu Frauen in Führungspositionen ausgewertet. Das Ergebnis: Frauen sind in Deutschland fast genauso oft erwerbstätig wie Männer. In Führungspositionen spiegelt sich das aber deutlich weniger wider. 2025 waren nur 30,3 Prozent der Führungspositionen mit Frauen besetzt. Im EU-Schnitt lag der Anteil bei 35,9 Prozent. Gleichzeitig machten Frauen hierzulande 47,1 Prozent aller Erwerbstätigen aus, leicht das ist sogar höher als der EU-Durchschnitt. 

Auch über zehn Jahre hinweg hat sich die Lücke nur wenig verändert: Der Anteil weiblicher Führungskräfte stieg in Deutschland um gerade mal einen Prozentpunkt, EU-weit um vier. Zum Vergleich: Schweden erreichte 44,4 Prozent. Österreich kam auf 37,2 Prozent, obwohl der Anteil erwerbstätiger Frauen dort mit 47,5 Prozent ähnlich hoch war wie in Deutschland.  

Zumindest in der Bundesregierung sind Frauen stärker vertreten als in Führungsetagen. Im dritten Quartal stellten sie 42,6 Prozent der Mitglieder. Das lag über dem EU-Schnitt von 33,5 Prozent. Immerhin. Wenig Mut hingegen machen die Negativschlagzeilen über frauenfeindliche Äußerungen in Parlamenten und im Deutschen Bundestag. 

Höhere Portopreise ab 2027 erwartet

Wir machen weiter mit leider ebenfalls wenig erfreulichen News: Die Deutsche Post könnte ab Januar 2027 mehr für Briefe und Pakete verlangen. Deutlich mehr. Die Bundesnetzagentur hat dazu einen Entwurf veröffentlicht. Der mögliche Spielraum liegt im Schnitt bei 10,7 Prozent für Privatkunden-Pakete und jeweils 20,4 Prozent für Privatkunden-Briefe und Geschäftspost. Das sind noch keine konkreten Preiserhöhungen, sondern erst einmal die Rahmenbedingungen. Die Post kann den Spielraum auf einzelne Produkte verteilen; einzelne Tarife könnten also stärker steigen. Die Behörde begründet den größeren Spielraum vor allem mit sinkenden Briefmengen. Bis Ende Oktober können die Post und andere Beteiligte Stellung nehmen; die endgültige Entscheidung wird im November erwartet. 

Für Buchhandlungen und Verlage ist wichtig: Gewerbliche Versandverträge mit individuellen Konditionen sind nicht automatisch betroffen. Ob die Logistikkosten dennoch steigen, hängt laut Händlerbund vom Vertrag, dem Versandvolumen und dem Versandprodukt ab. Ab Januar ändern sich außerdem die Großbriefformate: Sie dürfen dann bis zu drei Zentimeter hoch sein und ein Kilogramm wiegen – dann darf als Großbrief alles verschickt werden, was durch den Briefkastenschlitz passt. 

News aus dem Buchhandel in KW 43

Dreizehn unabhängige Buchhandlungen in Mainz und Umgebung laden im November erstmals zum Bookstore Crawl ein. Mit einem Stöberpass sammeln Besucher:innen Stempel. Wer mindestens sieben Läden besucht, kann an der Verlosung im Dezember teilnehmen. Der Besuch ist kostenlos; für einzelne Veranstaltungen kann Eintritt anfallen. Unter den teilnehmenden Buchhandlungen sind unter anderem Bukafski, Nimmerland, Shakespeare und So sowie Erlesenes & Büchergilde. Der Bookstore Crawl läutet die Woche unabhängiger Buchhandlungen ein. Dieses Jahr gibt's außerdem Bookstore Crawls in Hannover, Frankfurt und im Bergischen Land

205 Buchhandlungen in Bayern sind für ihr Engagement in der Leseförderung mit dem Gütesiegel "Partner der Schulen für Leseförderung" ausgezeichnet worden. Stellvertretend nahm die Buchhandlung im Teutschhaus in Gerolzhofen die Ehrung entgegen. Sie fördert junge Leser:innen unter anderem mit Erst-Lese-Tüten und dem Kinderleseclub „Teutschhaus-Leseeulen“. 

Die Weimarer Buchhandlung „Die Eule“ hat nach 25 Jahren geschlossen. Laut Inhaber Steffen Knabe ließ sich der Laden wirtschaftlich nicht mehr halten. Mit Büchern allein seien die Kosten nicht zu decken gewesen; am besten liefen Kühlschrankmagnete. Der Inhaber befürchtet, dass auch der angegliederte Knabe-Verlag unter der Schließung leiden könnte: Die Buchhandlung sei das Schaufenster seiner Bücher gewesen. 

News aus Verlagen in KW 43

Der Molino Verlag hat die Veröffentlichung von „Wer ich bin, wenn du mich siehst“ auf Wunsch der Autorin gestoppt. Vorausgegangen waren laut Verlag massive Kritik und Drohungen. Der Roman handelt von der Liebe zwischen einer Ukrainerin und einem russischen Soldaten. Der Verlag begründet den Schritt mit dem Schutz der Beteiligten. 

Der kanadische Verlag Les Éditions du Boréal beendet die Zusammenarbeit mit Thélyson Orélien und druckt seinen Roman nicht nach. Laut Verlag fand eine externe Analyse KI-Marker in Metadaten von Arbeitsfassungen. Der Verlag könne nicht klären, in welchem Umfang KI verwendet wurde. Orélien hatte den Einsatz zuvor bestritten. Sein französischer Verlag hat sich noch nicht positioniert.

Und sonst?

Nach 50 Jahren und 398 Ausgaben stellt die feministische Zeitschrift "Emma" ihren Betrieb ein. Wirtschaftliche Gründe seien es nicht, erklärt Gründerin Alice Schwarzer. Vielmehr sei das Team ermattet; Die Redaktion habe über drei Generationen von Feministinnen die Stellung gehalten. Schwarzer sagt: "Wir haben gezeigt, wozu ein professioneller, engagierter, feministischer Journalismus fähig ist." Die letzte Ausgabe soll im Dezember erscheinen; das Redaktionsarchiv soll 2027 ans Deutsche Literaturarchiv Marbach gehen. 

Der Verein  Spieleverlage  hat für seinen zweiten Board Games Index die Stimmung unter den Mitgliedsverlagen erhoben. Das Ergebnis: Keines der Unternehmen rechnet mit sinkenden Umsätzen, im Gegenteil: 86 Prozent erwarten ein stabiles oder gar besseres Weihnachtsgeschäft. Spiele und Puzzles wuchsen in den ersten drei Quartalen des Jahres um acht Prozent, der Spielwarenmarkt insgesamt um drei. Besonders stark legten Erwachsenenspiele zu: um mehr als 20 Prozent. 26 Prozent der Befragten sehen Teamspiele, die den Austausch fördern, als wichtigen Trend. 

Barack Obama hat bei Audible den sechsteiligen Podcast "A Great Book with Barack Obama" gestartet. In jeder Folge spricht er mit prominenten Gästen über ein Buch, das ihn geprägt hat. Produziert wurde die Reihe gemeinsam mit Obamas Medienfirma Higher Ground.

Kurz notiert

Die Wiener Kinder- und Jugendbuchpreise gehen an Werke von Lena Raubaum und Leonie Schlager, Edith Schreiber-Wicke und Raffaela Schöbitz sowie Agi Ofner. Der Illustrationspreis geht an Michael Roher. 

Die BuchBasel steht im November unter dem Motto "halten". Rund 100 Veranstaltungen sind geplant; erstmals gibt es auch eine New-Adult-Reihe für Romance- und Fantasy-Fans. 

Bei der BuchBerlin am 31. Oktober und 1. November erhalten Buchhändler:innen und Bibliothekar:innen sonntags nach Anmeldung freien Eintritt. 

Der Weiterbildungstag der Jungen Verlags- und Medienmenschen bietet am 21. November online Workshops zu Marketing, Selbstfürsorge und Lektorat. Anmeldeschluss ist der 31. Oktober. 

Die Buch Wien bringt vom 25. bis 29. November Literaturnobelpreisträger László Krasznahorkai und zahlreiche Stimmen aus der Ukraine nach Wien. Geplant sind rund 450 Gespräche und Debatten.