Lesetipp

Buch Otter in Ebersberg: Björn Hartung kämpft ums Weitermachen

22. Januar 2026
Redaktion Börsenblatt

Nach einem schwachen Weihnachtsgeschäft droht der letzten Buchhandlung in Ebersberg das Aus. Inhaber Björn Hartung appelliert öffentlich an Kundschaft und Politik – und beschreibt gegenüber der "Süddeutschen Zeitung" die schwierigen Bedingungen in seinem Geschäft.

Ausdruck des Hilferufs der Buchhandlung Buch Otter in Ebersberg vor schwarzem Hintergrund

Hilferuf aus Ebersberg

Björn Hartung, Betreiber von "Buch Otter", macht seine finanzielle Lage im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung transparent: "Ich melde mich vom Abgrund", erklärt er in einem Aushang und Post, um auf die drohende Schließung seines Geschäfts hinzuweisen und Unterstützung einzufordern. "Zusammen anpacken und den Buchladen retten…", lautet sein öffentlicher Appell (den er auch auf Instagram geteilt hat), unterstützt durch deutliche Kritik am fehlenden politischen Rückhalt: "Lassen Sie uns im Kleinen schaffen, worin die große Politik kläglich versagt: Unterstützung, Solidarität und ein gutes Miteinander."

Ursachen und Belastungen

Der gebürtige Leipziger führt das Geschäft seit fünf Jahren. Doch trotz aller Bemühungen steht der Betrieb in der Kreisstadt nun nach einem katastrophalen Weihnachtsgeschäft vor existenziellen Problemen. "Eigentlich renne ich seit fünf Jahren der Null hinterher", so Hartung selbstkritisch zur SZ. Er räumt ein, nicht frei von Fehlern zu sein, betont aber die strukturellen Herausforderungen: kein Personal, keine Mittagspause und immer größere finanzielle und bürokratische Lasten – etwa durch Nachzahlungsforderungen der Krankenkasse.

Zudem sorge auch der demografische Wandel für eine schrumpfende Kundschaft: "Unsere Kundinnen und Kunden sind vorwiegend sehr lebenserfahren. Und es kommt nichts nach, bei den Jungen fehlt wahrscheinlich das Bewusstsein." Dass Maßnahmen wie der inzwischen abgeschaffte Kulturpass und mangelnde Unterstützung für Kleinunternehmen die Situation verschärfen, kritisiert Hartung scharf: "Obwohl ich Verantwortung übernehme, Arbeitsplätze und eine kulturelle Einrichtung biete, werde ich nicht vertreten, sondern getreten."

Appell für Solidarität

Sollte sich an Umsatz und Unterstützung nichts ändern, sieht Hartung keinerlei Perspektive: "Wenn sich nicht bald etwas ändert, wird es den einzigen Buchladen in Ebersberg bald nicht mehr geben. Und das ist keine Übertreibung oder Drohung – sondern ein Fakt", betont er gegenüber der "Süddeutschen Zeitung". Sollte es soweit kommen, wäre Ebersberg vermutlich die erste westdeutsche Kreisstadt ohne Buchladen.