Nach Skandal um Streichung von Nominierten

Buchhandlungspreis: BKM bläst Preisverleihung ab

10. März 2026
Kai-Uwe Vogt

Staatsminister Wolfram Weimer hat die Feierstunde beim Deutschen Buchhandlungspreis kurzerhand abgesagt. Eine "angemessene Würdigung" der Preisträger:innen hält er in der aufgeheizten Debatte nicht für möglich.

Über einem leeren Veranstaltungsraum mit vielen Stühlen hängt das Schild "abgesagt"

Von klein zu gar nicht

Die Verleihung des Deutschen Buchhandlungspreises 2025 sollte am 19. März 2026 nach langer Wartepause erstmals im Rahmen der Leipziger Buchmesse stattfinden, "in einem konzentrierten, würdevollen Festakt", wie das Bundesministerium für Kultur und Medien (BKM) mitteilt. Konzentriert bedeutet, dass statt wie in den Vorjahren kein großer Festabend geplant war, sondern 115 Buchhandlungen in einer Stunde kurz vor Messeschluss ihre Urkunden erhalten sollten – inklusive Sektempfang. Doch auch dazu wird es nicht kommen.

"Nun droht (…) die Debatte um die Nicht-Berücksichtigung von drei Juryvorschlägen den eigentlichen Sinn der Veranstaltung – nämlich die Auszeichnung und Ehrung unabhängiger Buchhandlungen – zunehmend zu überlagern. Eine angemessene Würdigung der Preisträgerinnen und Preisträger scheint in einem solchen Kontext kaum noch möglich. Daher sagen wir die diesjährige Veranstaltung zum Buchhandlungspreis am 19. März 2026 ab", teilt das BKM mit.

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer lächelnd vor heller Wand

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer 

Die ausgewählten Buchhandlungen sollen "Preisgeld und Urkunde auf direktem Wege erhalten". Die Bekanntgabe der Hauptpreise wird laut BKM in gesonderter Form erfolgen.
Damit entzieht sich Weimer einer höchst blamablen Situation: Kurz zuvor alle nominierten Buchhandlungen sich mit den von der Liste der Preisträger gestrichenen linken Buchläden solidarisch erklärt – in Leipzig war geplant, ein Zeichen zu setzen. Sieht so aus, als wolle Weimer sich diesem Gegendruck nicht aussetzen.

Stattdessen kündigt das BKM an: "zu einem späteren Zeitpunkt zu einer Diskussion im Rahmen einer öffentlichen Dialogveranstaltung über Kunst- und Meinungsfreiheit und die Bedeutung staatlich finanzierter Kunstpreise einladen" zu wollen.