Auswertung: Umfrage zum "Winterschlaf" im Buchhandel

"Dafür machen wir an Karneval eine kleine Pause"

21. Januar 2026
Redaktion Börsenblatt

"Hält Ihre Buchhandlung Winterschlaf?", sprich macht die Buchhandlung nach Weihnachten einige Tage Pause – das wollten wir in einer Börsenblatt-Umfrage wissen. Unter den Teilnehmenden gehen die Meinungen auseinander, mit einer Tendenz. 

"Wir halten Winterschlaf": Instagram-Post der Buchhandlung Henne

Instagram-Post der Buchhandlung Henne

Abgegeben wurden 131 Stimmen in der Börsenblatt-Umfrage: Für 62,6 % der Antwortenden ist ein kurzer "Winterschlaf" nach Weihnachten "ein Muss" (34,4 %) oder "grundsätzlich denkbar" (28,2 %). "Ein Unding" wäre es für 37,4 %. Die von einigen Buchhandlungen in einem gesonderten Textfeld angeführten Erläuterungen zeigen die Bandbreite der Gründe für die Entscheidungen. Wenn eine Pause gemacht wird, gibt es unterschiedliche Längen – von wenigen Tagen bis zu knapp zwei Wochen. 

Ergebnis-Grafik der Börsenblatt-Umfrage zur kleinen Winterpause nach Weihnachten im Buchhandel

Ergebnis der Börsenblatt-Umfrage zur kleinen Winterpause nach Weihnachten im Buchhandel

Kommunikation ist alles!

Warum ein "Winterschlaf"? "Nach dem Weihnachtsgeschäft brauche ich auf jeden Fall ein bisschen Zeit zum Ausruhen", lautet eine Antwort. Als längste Pause nennt eine Buchhandlung den Zeitraum vom 24. Dezember (Mittags) bis in die zweite Januarwoche. Aber man sei spätestens im Januar wieder "im Laden für Inventur, Weihnachtsdekoration abbauen und neu dekorieren, Remissionen vorbereiten und wir versuchen so viele Vertretergespräche wie möglich in diesen Zeitraum zu legen (...)". Während die Kunden also denken würden "wir hätten einen schönen langen Urlaub, arbeiten wir also – nur eben ohne Kundenbetrieb im Laden".

"Ich glaube, dass es viele Kundinnen und Kunden tatsächlich schätzen, dass nicht immer alles erreichbar oder geöffnet ist. Viele empfinden es als heilsam in unserer Überflussgesellschaft. Aber die Auszeit sollte durchaus gut angekündigt und für alle verständlich kommuniziert werden", weist eine Stimme – wie etliche andere auch – auf einen besonders wichtigen Aspekt bei einem "Winterschlaf" hin. Eine andere Buchhandlung schreibt: "Wir informieren unsere Kund:innen ab Dezember darüber, dass die Buchhandlung vom 24.12. – 6.1. geschlossen bleibt. Unsere Stammkundschaft hat dafür Verständnis".

Eine weitere Buchhandlung bestätigt das: "In den fast zwanzig Jahren des Bestehens unserer Stadtteilbuchhandlung machen wir stets nach Weihnachten Betriebsferien und öffnen – je nachdem wie die Arbeitstage liegen – rund um den 6. Januar wieder. Unsere Kund:innen können das ganz überwiegend nachvollziehen und haben sich längst daran gewöhnt. Ich bin der festen Überzeugung, dass der Erholungseffekt für mich und das gesamte Team weitaus höher einzuschätzen ist als die entgangenen Umsätze."

Aber auch wirtschaftliche Gründe spielen eine Rolle: "Da wir aus Kostengründen mit immer weniger Personal auskommen müssen ist es schlicht notwendig, Betriebsferien zu machen, um die Urlaubszeiten zu realisieren."

"Schließtage können wir uns nicht leisten"

"Wir versuchen unsere Kunden dazu zu erziehen, dass sie bei uns im Laden einkaufen. Da können wir nicht einfach geschlossen haben. Geburtstagsgeschenke, Geschenke und auch Gutscheine einlösen ist in diesen Tagen genauso wichtig! Wir haben keinerlei Schließtage, das können wir uns nicht leisten!", betont eine Buchhandlung, für die ein "Winterschlaf" ein Unding ist. Eine andere fügt an: "Als einzige Buchhandlung in unserer Stadt können wir das nicht machen, da wir schon am 2.1. und 3.1. wegen Inventurarbeiten geschlossen hatten." Auch Bäcker und Metzger sowie die Supermärkte mit ihrem inzwischen großen Buchangebot (Thalia-Befüllung) hätten nicht geschlossen.

In den ersten Tagen des Jahres hätten viele Menschen Urlaub bzw. Schulferien, argumentiert eine Buchhandlung: "Deshalb ist bei uns in der Zeit immer viel los." Man möchten für die Kunden da sein. "Und nach dem mittelprächtigen Weihnachtsgeschäft tun uns die guten Umsätze dieser Tage gut." Verlässliche Öffnungszeiten und zuverlässiger Service seien ein Muss, so eine andere Stimme. "Es gibt nicht viele Kunden, die zur Zeit kommen, aber diese Kunden möchten wir nicht auch noch an Amazon verlieren", lautet ein weiterer Eintrag.

Im Einzelhandel einer Großstadt werde eine "Werktage"-Woche erwartet, betont eine Buchhandlung, und die gehe von Montag bis Samstag. "Überstundenausgleich und Urlaub wird hier so organisiert, dass es immer eine ausreichende Besetzung im Laden gibt, da gibt es zwischen Haupt-, Neben- oder keiner Saison keinen Unterschied."

Schließlich wird noch folgender Grund für den Verzicht auf einen "Winterschlaf" angeführt: "Außerdem bringt es wirklich Spaß mit den Kunden zu sprechen und zu lachen nach Weihnachten." Mit einem Augenzwinkern wartet diese Stimme auf: "Wir ziehen durch ;) dafür machen wir an Karneval eine kleine Pause."

So lautete die Börsenblatt-Umfrage:

Ein Winterschlaf ist für meine Buchhandlung ...

... ein Muss, um Kraft für meine Kund:innen und die Herausforderungen des neuen Jahres zu tanken. Nach Neujahr ist ohnehin wenig los – und die Inventur muss auch noch gemacht werden.

... grundsätzlich denkbar, wenn sich die Auszeit auf wenige Tage beschränkt und das Risiko, dass Kund:innen vor geschlossener Ladentür stehen, auch wetterbedingt entsprechend klein ist. Irgendwann muss ich ja mal die neuen Bücher lesen!

 ... ein Unding, weil Amazon ein Konkurrent ist, der niemals schläft. Wir müssen präsent sein, zu verlässlichen Öffnungszeiten. Auch die Inventur stemmen wir bei laufendem Betrieb.