Indie-Verlage und -Sortimente

Fragen zur Zusammenarbeit

19. März 2026
Thea Wittmann

Ihre Bücher sorgen für das Salz in der Suppe – im Handel sind die Programme der Indie-Verlage trotzdem nicht so präsent. Wo hakt es und wie lässt sich der Kontakt zum Sortiment verbessern?

Ein Foto von Friederike Brundiers in der Buchhandlung Der Esel mit einem Stapel Bücher auf dem Arm

Jenseits vom Mainstream: Friederike Brundiers von der Buchhandlung Der Esel auf dem Dach in Wittenberg

Die Seenland Buchhandlung in Senftenberg ist ein Vollsortiment, in dem Independents vertreten sind – allerdings in Maßen. Ihre Bestellungen direkt bei den unabhängigen Verlagen seien marginal, sagt Inhaberin Mar­tina Gurk, die die Buchhandlung 2022 übernommen hat. "Bei unseren 60 Quadratmetern müssen wir auf Aktuelles, auf Bestseller, auf bekannte Autorinnen und Autoren setzen", Bücher aus Indie-Verlagen seien ein eher unsicheres Geschäft. Verzichten will sie auf die Titel der Unabhängigen jedoch auf keinen Fall. Anregungen für den Einkauf holt sie sich auf Social Media, im Börsenblatt, in Facebook-Gruppen und Literaturpodcasts. "Was mich interessiert, notiere ich mir."

Ihre Kollegin Friederike Brundiers, Inhaberin der Buchhandlung Der Esel auf dem Dach in Wittenberg, schaut ebenfalls in den sozialen Medien, aber auch ganz klassisch in Vorschauen, Mailings und Hotlists nach Büchern, die sich lohnen: "Wir haben viele Comics und Graphic Novels. Diese Rubriken bedienen kleine und spezialisierte Verlage sehr gut." Auch bei Veranstaltungen stellt Brundiers gern die Titel der Independents in den Mittelpunkt.
 

Von der Masse abheben

Im Sortiment sind ihr die Stimmen wichtig, die im Mainstream nicht zu Wort kommen, andere Perspektiven bieten, abseitige Themen ansprechen. "Die Unabhängigen sind experimenteller, mutiger, um sich von der Masse abzuheben." Daher seien einige ihrer Titel bei Ketten gar nicht vertreten. "Das ist mein Vorteil, mein Alleinstellungsmerkmal – auch wenn der Verlag seine Titel viel lieber bei den Ketten unterbringen würde als nur in inhabergeführten Läden", meint Brundiers. Die Remission wiederum fällt bei Konzernverlagen deutlich leichter als bei Indies. "Da denke ich mir oft: Das Buch kann ruhig noch ein bisschen hier bleiben", gesteht sie.

Dass Indies im Buchhandel unterrepräsentiert sind und sich mehr Sichtbarkeit wünschen – das ist ein wiederkehrendes Thema bei den Tagungen der IG Unabhängiges Sortiment im Börsenverein. Für eine gelingende Zusammenarbeit ist laut IG-Sprecherin Iris Hunscheid weniger die Verlagsgröße entscheidend: "Maßgeblich sind Professionalität, Werbung und Vertrieb", sagt die Sortimenterin (Buchhandlung Hoffmann in Achim). "Ob gedruckt oder elektronisch – Vorschauen werden in fast allen Buchhandlungen durchgesehen." Auch die Präsentation beim Vertreter­besuch macht Buchhändler:innen neugierig. "Schließen Sie sich einer Vertretertasche an", lautet Hunscheids Rat an unabhängige Verlage.

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