Kulinarische Veranstaltungen im Buchhandel

Fünf Genuss-Aktionen, die auf der Zunge zergehen

20. August 2026
Christina Busse

Kleine Köstlichkeiten erhalten die Kundschaft: Hier kommen fünf kulinarische Aktionen, die ganz wunderbar in den Buchhandel passen - zur Weinlese im Spätsommer, zum Weihnachtsgeschäft, zum "Dry January" oder einfach so.

Mocktail-Tasting: Buchhandlung Petra Esser in Kaarst

Buchhändlerin und VHS-Dozentin stehen hinter dem Tisch mit Mocktails

Garantiert alkoholfrei: Buchhändlerin Camilla Altvater (l.) und Dozentin Nicola Meyer beim "Mocktail-Nachmittag" in Kaarst

Der Mocktail-Nachmittag war relativ aufwändig, hat uns aber viel Spaß gemacht.

Camilla Altvater, Buchhandlung Petra Esser

Null Promille liegt im Trend: Vor den Augen von 20 erwartungsvollen Gästen wurde im Juni 2025 in der Buchhandlung Petra Esser in Kaarst geschüttelt und gerührt, was das Zeug hielt. Vier verschiedene Mocktails, die alkoholfreie Alternative zum klassischen Cocktail, sind an einem sommerlichen Samstagnachmittag gemixt und verkostet worden.

Die "Eis-Logistik" war dabei eine besondere Herausforderung: "Wir haben die Eiswürfel schließlich in einer großen Styroporkiste zuhause in der Tiefkühltruhe gelagert. Mein Mann hat sie dann pünktlich zur Veranstaltung geliefert", berichtet Buchhändlerin Camilla Altvater lachend.

Zweimal im Jahr bringt die Buchhandlung, die im Düsseldorfer Umland liegt, ein Veranstaltungsprogramm heraus. Dabei wird auch die Vernetzung vor Ort gepflegt. Beim Mocktail-Event stand der Buchhandlung die örtliche Volkshochschule zur Seite. Zusammen mit Nicola Meyer, Dozentin und Spezialistin für Kulinarik an der VHS, wurde die Veranstaltung geplant. Meyer arbeitete das Konzept mit Zutaten und Zubehör aus (verschiedene Gläser, Shaker, Messbecher, Servietten, Servierplatten und mehr), der Einkauf wurde aufgeteilt.

Am Mittag vor der Veranstaltung traf man sich in der VHS-Küche zum gemeinsamen Obstschnippeln, Pürieren und Anrichten. In der Buchhandlung wurden alle Zutaten und Gläser auf einem Tisch einladend dekoriert. Zur Begrüßung gab es einen Hugo, es folgten ein "Karibik-Urlaub im Glas", ein Blue Lagoon- und ein Cranberry-Mocktail. Während sich die Gäste die Drinks und zwei selbstgebackene Snacks auf der Zunge zergehen ließen, stellte Camilla Altvater passende Lektüre vor: "Warum ich keinen Alkohol mehr trinke" von Bas Kast (C. Bertelsmann) und "Unabhängig. Vom Trinken und Loslassen" von Eva Biringer (HarperCollins).

Zur Ansicht wurden die drei Titel "Ein Mann, ein Jahr, kein Alkohol" von Felix Hutt, "Mocktails" (Heel) sowie "Mocktail Party" (Südwest) präsentiert. Eine Liste der servierten Mix-Rezepte konnten die Besucher:innen mit nach Hause nehmen. Der Eintritt von 15 Euro deckte die Kosten der Veranstaltung. Die VHS-Dozentin erhielt eine kleine Aufwandsentschädigung.

"Es war eine sehr nette gemischte Gruppe", erzählt Altvater, die gerne neue Dinge ausprobiert, um unterschiedliche Zielgruppen anzusprechen. Auch für das "Trinken ohne" hätten bislang unbekannte Gesichter den Weg in die Buchhandlung gefunden: "Die Veranstaltung war relativ aufwändig, hat uns aber viel Spaß gemacht“, sagt die Buchhändlerin rückblickend.

Literarische Weinprobe: Cardabela Buchladen, Mainz

Plakat der Veranstaltung

Plakat zur Literarischen Weinprobe, die abwechselnd in der Buch- und in der Weinhandlung stattfindet

Die Literarische Weinprobe ist eine unserer erfolgreichsten Veranstaltungen, auch in finanzieller Hinsicht.

Thomas Schröder, Cardabela

Lese lieber antizyklisch: Mitten im Hochsommer hatte im Mainzer Cardabela Buchladen die "Literarische Weinprobe" Premiere – ein ungewöhnlicher Zeitpunkt für einen Veranstaltungsauftakt. "Wir haben es extra so platziert, weil das sonstige kulturelle Leben dann brach liegt und wir dadurch stärker wahrgenommen werden. Denn bis in den Juni hinein kann man sich in Mainz vor Veranstaltungen kaum retten“, erklärt Inhaber Thomas Schröder.

Das Konzept geht auf: Bei allen drei Terminen, die bislang stattgefunden haben, waren die 40 Plätze ausverkauft. Inzwischen ist das Format fest im Veranstaltungskalender verankert. Zwei Mal im Jahr lädt Cardabela zur Kombination von Rebe und Roman ein, der zweite Termin findet rund um den ersten Advent statt.

Hinter der Reihe stand auch das Ziel, die Zusammenarbeit mit Partnern aus der Nachbarschaft auszubauen. "Die Mainzer Neustadt ist ein Kiez, ein Lebensort", erläutert Schröder. Unter dem Motto "Cardabela trifft Laurenz" präsentiert die Weinhandlung Laurenz sechs Weine, während ein dreiköpfiges Team aus der Buchhandlung sechs Romane vorstellt.

Neben Schröder und Helena Bose, die Cardabela im Jahr 2019 zusammen übernommen haben, ist auch die junge Kollegin Lola Eithne Heitwig mit am Start. "Sie ist selbst in den Zwanzigern und stellt Titel vor, die nahe an der jungen Generation dran sind und über unsere klassische Zielgruppe hinausgehen", so Schröder. Jeder Veranstaltung gehe ein intensives Vorbereitungsgespräch mit der Weinhandlung voraus: "Ich bin immer wieder begeistert, was ihnen dort zu den Büchern einfällt", erzählt der Buchhändler.

Beispiel gefällig? Zum Titel "Ghost Stories", in dem Siri Hustvedt den Tod ihres Mannes Paul Auster verarbeitet, werden Tropfen von zwei Weingütern präsentiert, die beide mit ihrer Arbeit sehr erfolgreich sind – so wie auch das Schriftstellerpaar Hustvedt / Auster.

Die zweistündigen Abende finden abwechselnd zwischen Wein und Büchern statt. Der Kartenvorverkauf startet mit rund dreiwöchigem Vorlauf. Der Eintritt ist frei. "Zum Hauptvertriebsweg ist Instagram geworden. Die Anmeldungen laufen in Wahnsinnsgeschwindigkeit ein", stellt Schröder fest. Am Abend wird um eine Spende für Wein und Wasser gebeten. "Die Sache ist den Kunden etwas wert", meint Schröder: "Die literarische Weinprobe ist eine unserer erfolgreichsten Veranstaltungen, auch finanziell." 

Running Dinner: Buchhandlung LesArt, Telgte

Illustration mit Menschen an einem Tisch

Viele melden sich nach unserem Running Dinner im März direkt wieder fürs nächste Jahr an. Der Abend ist außerdem ein beliebtes Weihnachtsgeschenk.

Walburga Westbrock, LesArt

"Hören! Sausen! Weiterschmausen!" So lautet die Devise, wenn die Buchhandlung LesArt in Telgte zum "Running Dinner" einlädt. Der kulinarisch-literarische Abendspaziergang findet bereits im zehnten Jahr statt und die Passanten in dem gut 20.000 Einwohner-Städtchen bei Münster wissen schon Bescheid, wenn Walburga Westbrock und ihr Team mit den Gästegruppen durch die Stadt ziehen.

Das Prinzip: Drei Vorleser, drei Geschichten, drei Menü-Gänge an drei Orten. Die Teilnehmer:innen wandeln von Genuss zu Genuss und werden im Alten Gasthaus Seiling, im Telgter Hof und in Steves Bistro von den dort stationierten Vorlesern erst literarisch und von der jeweiligen Küche dann auch kulinarisch verwöhnt. 75 Personen können dabei sein, aufgeteilt auf drei Gruppen, die jeweils eine Buchhändlerin durch den Abend begleitet.

Um 19 Uhr begrüßt Westbrock alle gemeinsam vor der Buchhandlung, stellt die Vorleser und die Begleitungen vor. Danach geht es weiter nach einem "akribisch ausgearbeiteten Ablaufplan, der über die Jahre verfeinert wurde“, wie Westbrock berichtet. Die Reihenfolge der Orte, die Wege dorthin, das Essen, die Geschichten – alles variiert. Die Gäste sind offen für neue Eindrücke und lassen sich überraschen. Auch für regelmäßige Gäste soll es spannend bleiben.

Im Ticketpreis von 60 Euro ist das Menü enthalten, Getränke gehen extra. Das Trio, das jeweils etwa 20-minütige selbstgewählte und zum Teil auch selbstverfasste Texte präsentiert, besteht aus dem Hamburger Schauspieler Thomas Schultz, dem regional verankerten Autor Christian Nachtigäller und dem lokal bekannten Norbert Woestmeyer. "Sie haben selbst Vergnügen an der Reihe und machen es zum Freundschaftspreis", freut sich Westbrock: "Wichtig sind Leute, auf die man sich verlassen kann, die gut miteinander können, das gilt auch für die Gastro." Außerdem müsse man selbst ein "ausgeprägtes Kümmer-Gen" mitbringen und viel Zeit in die Vorbereitung investieren - etwa wenn es um Unverträglichkeiten beim Essen geht.

Für den krönenden Abschluss führt ein Digestif alle wieder zusammen, manche melden sich gleich schon fürs kommende Jahr an. Jeweils zwei Termine an einem Mittwoch und Donnerstag im März werden angeboten. Walburga Westbrock: "Das ist auch ein beliebtes Weihnachtsgeschenk."

Kulinarischer Samstag: Buchhandlung Merkel, Rheinfelden

Blick aufs Plätzchen-Buffet

Blick aufs Plätzchen-Buffet der Buchhandlung Merkel

Unser Plätzchen-Buffet im Dezember ist einfach umzusetzen und verschönert den vorweihnachtlichen Einkauf. Beim Naschen kommen die Kund:innen miteinander ins Gespräch.

Patricia Merkel, Buchhandlung Merkel

Im badischen Städtchen Rheinfelden wird den Kund:innen der Buchhandlung Merkel der samstägliche Einkauf vier Mal im Jahr besonders schmackhaft gemacht. Ob mit Antipasti zum Apéro, einer erfrischenden Gazpacho, herbstlicher Kürbissuppe oder knackigen Bowls – seit rund acht Jahren tischen die Schwestern Antonia und Patricia Merkel beim "Kulinarischen Samstag" immer neue saisonale Gaumenfreuden auf.

Bowl-Buffet

Regt den Kochbuchappetit an: ein Tisch voller Bowls

Einen besonderen Stellenwert hat der erste Samstag im Dezember. Denn dann dürfen die Kund:innen bei Kaffee oder Tee frisch gebackene Weihnachtsplätzchen knuspern, während sie nach Geschenken stöbern: "Manch einer entdeckt dabei vertraute Plätzchen-Rezepte wieder und fühlt sich an seine Kindheit erinnert", so Patricia Merkel, die gerne kocht und backt und die kleinen Genüsse für den "Kulinarischen Samstag" in der Regel selbst zubereitet.

Bei der Weihnachtsbäckerei allerdings ist das ganze Team gefragt. Jede Mitarbeiterin setzt ein Rezept aus einem aktuellen Backbuch um. So bringt es das Plätzchen-Buffet auf sieben verschiedene Sorten. Die gut gefüllten Keksdosen werden dann zusammen mit den jeweiligen Bänden in der Kochbuchecke appetitlich arrangiert. "Eine Aktion, die einfach umzusetzen ist und den vorweihnachtlichen Einkauf verschönert", so das Fazit von Patricia Merkel. Und: "Beim Naschen kommen die Kund:innen miteinander ins Gespräch.“

Kakao-Zeremonie: "Der Goldene Schnitt", Frankenthal

Tasse mit Kakaopulver

Kakao gilt es Getränk der Götter

Porträtfoto Christina Berndt

Christina Berndt

Das Kakao-Ritual ist in der Coaching-Szene gerade sehr populär und erreicht zunehmend das breite Publikum.

Christina Berndt, "Der Goldene Schnitt"

Weit mehr als kulinarischen Genuss bietet eine Kakao-Zeremonie: Bei Christina Berndt, Inhaberin der Buchhandlung Der Goldene Schnitt im pfälzischen Frankenthal, können Interessierte mit dem "Getränk der Götter" auf eine spirituelle Reise gehen.

Im Zusammenspiel von meditativer und ritueller Praxis rund um den Kakao können sie in Momente der Ruhe und Besinnung eintauchen. Die jeweiligen Referentinnen laden dazu selbstständig in den Seminarraum ein, der an die Buchhandlung angeschlossen ist - und setzen ihre eigenen Schwerpunkte. Die Teilnehmer:innen sitzen auf Yogamatten, die im Kreis angeordnet sind. Eine Yoga-Lehrerin integriert das Singen von Mantras und Harmonium-Musik, eine Schamanin verbindet die positive Wirkung des Kakaos mit Trommelrhythmen, Räucherwerk und Journaling.

Kakao-Taler auf einem Tablett

Genussvolles Ritual: Taler von Cacao-Mischa

Schamanin Monika Haag mit Rassel

Schamanin Monika Haag mit Rassel

Für Christina Berndt sind die Veranstaltungen, die von ihrer Zielgruppe gerne angenommen werden, eine ideale Ergänzung zum Sortiment. "Das Kakao-Ritual ist in der Coaching-Szene gerade sehr populär und erreicht zunehmend das breite Publikum. Besonders das Gruppenerlebnis wird von den Teilnehmerinnen sehr geschätzt", beobachtet die Buchhändlerin. Neben Literatur zum Thema, etwa "Das Cacao Ritual" von Leni Glapa und Felix Eidner (Unum / GU) und dem Karten-Set "Heiliger Kakao" von Christiane Krieg (Schirner), führt sie auch ausgewählten Bio-Kakao.

"Kakao wirkt herzöffnend, entkrampfend und entspannend. Wenn die Düfte einen einhüllen, ist das einfach schön", schwärmt sie. Und: "Man kann Kakao auch genießen, ohne zu räuchern oder spirituell zu sein."