Meinung

Geht's noch?

17. August 2022
von Börsenblatt

Inmitten der allgemeinen Teuerungsraten sieht der Regensburger Buchhändler Ulrich Dombrowsky gerechtere Rabattsysteme und die Anhebung der Backlistpreise als ein Gebot der Stunde. Ein Meinungsbeitrag.

Ulrich Dombrowsky

"In der Wochenendausgabe der Süddeutschen Zeitung las ich im Buch 2 eine eindrucksvolle Graphik mit einer Zusammenfassung der Produkte oder Dienstleistungen, die in der vergangenen Zeit teurer geworden sind. Über die Teuerung von Heizöl (+102,6%), Sonnenblumenöl (+82,0 %), Erdgas (+75,1%), Brennholz (+56%), Diesel (+40,7%) erschrecken wir ja kaum noch - diese ist längst angekündigt und nachvollziehbar. Wenn es jedoch um Tischlerarbeiten (+19,3%), Fahrradinspektion (+ 9,7%) oder Kinobesuch (+5,4%) geht, komme ich ins Grübeln: allmählich werden mir Zusammenhänge klar, aber ich bin - wie die meisten anderen - ja kein Volkswirtschaftler.

Auf der Suche nach der Preisentwicklung der Bücher werde ich nicht fündig. Stimmt: Bücher sind in der jüngeren Vergangenheit im Preis nicht angehoben worden - jedenfalls nicht mehr, als vor dem Februar 2022. Nur eine Reihe von Neuerscheinungen haben endlich spürbar höhere Verkaufspreise.

Aber da, in der untersten Zeile, so kleingedruckt, dass ich es kaum entziffern kann, werde ich doch noch fündig: Kinder- und Jugendbücher sind um 0,8 % billiger geworden.

Alles wird teuerer und das Produkt, mit dem wir handeln wird günstiger? Das kann doch nicht sein.

Wie sollen wir - Kolleginnen und Kollegen im Buchhandel - denn bitteschön diese Teuerung stemmen (privat und geschäftlich), wenn die Preise unserer Ware nicht entsprechend angepasst werden?

In den letzten Wochen wurde immer wieder angemahnt, dass die Verlage hier in der Bringschuld sind, haben sie doch als einzige die Möglichkeit, die Preisstrukturen zu verändern. Und sie müssen es auch tun. Denn viele der Teuerungen betreffen auch ihren eigenen Bereich (Papier etc.).

Die Abhängigkeit des stationären Buchhandels von der Preispolitik der Verlage wird hier überdeutlich. Wir BuchhändlerInnen müssen mit dem auskommen, was uns die Verlage an Rabatten "gewähren". Ich warte immer noch auf deutliche Zeichen, dass wir den Verlagen wichtig sind, haben sie doch in der Pandemiezeit deutlich gespürt, welche Bedeutung dem kleinen und mittleren Buchhandel zukommt. Gerechtere Rabattsysteme und die Anhebung der Backlistpreise wären jetzt ein Gebot der Stunde. Wir schaffen es nur gemeinsam."

Ulrich Dombrowsky