White-Label-Shops von Libri und Könemann

Hoheit über Online-Sortiment: Einzelne Titel können gesperrt werden

30. Juli 2020
von Sabine van Endert

Attila Hildmann, Spezialist für vegane Kochbücher, hat mit seinen Verschwörungstheorien auch den Buchhandel gegen sich aufgebracht: Hugendubel hat seine Bücher aus den Regalen und dem Online-Shop entfernt, auch viele andere Buchhandlungen halten seine Titel nicht mehr vorrätig. Buchhändler, die die White-Label-Shops der Barsortimente nutzen, haben diese Möglichkeit nicht. Noch nicht.

 

Attila Hildmann, Autor von Kochbuch-Bestsellern, bei einer seiner Kundgebungen, bei denen er die Corona-Strategie der Bundesregierung scharf kritisiert. Daraufhin hatten viele Buchhändler den Wunsch, seine Kochbücher aus ihren Online-Shops zu entfernen.

Buchhändler, die in Sachen Online-Shop Partner von Könemann und Libri sind, sollen künftig einzelne Artikel aus ihrem Online-Sortiment auslisten können. „Es wird eine Artikelnummer-Sperrliste geben, in die der Buchhändler die EAN des Titels eintragen kann, den er seinen Kunden nicht verkaufen möchte“, sagte Könemann-Geschäftsführer Stefan Könemann dem Börsenblatt. „Der Buchhandel soll individuell entscheiden können, welche Titel er auch online in seinem Sortiment führt“, ergänzt Libri-Unternehmenssprecher Thorsten Simon. Die Ausschlussfunktion einzelner Titel wird für die 700 Web-Shops unter Libri.Shopline zur Verfügung stehen. 

Procedere

In der Suchliste taucht der gesperrte Titel zwar auf, beim Kaufvorgang erhalte der Kunde dann aber einen Hinweis in der Art: "Diesen Artikel führen wir nicht. Bitte wenden Sie sich bei Fragen an die Buchhandlung." Im nächsten Schritt soll der Kunde möglicherweise direkt einen Alternativ-Titel bei den vom Buchhandel ausgelisteten Büchern vorgeschlagen bekommen. Das Textfeld soll individuell ausgefüllt werden können, bei den Smart-Lösungen werde es eine einheitliche Formulierung geben, erklärt Simon.

Zweite Filiale Online-Shop

Ganze Verlagsprogramme in die Liste einzutragen, ist nicht möglich – und ist von den Barsortimenten Könemann und Libri auch nicht erwünscht. Stefan Könemann: "Online-Handel lebt von einem großen Angebot und das soll auch so bleiben." Der Wunsch, Verantwortung für ihre Shops zu übernehmen und in Ausnahmefällen auch handeln zu können, sei im Buchhandel allerdings stark gewachsen, so Könemann. „Der Online-Shop ist zur zweiten Filiale geworden, deshalb bieten wir die Sperrliste an“, sagt er.

Sperrmöglichkeiten bei KNV Zeitfracht

In KNV Zeitfracht können Buchhändler, die einen Online-Shop auf Basis von KNV Zeitfrachts E-Commerce-Solutions betreiben, ganze Verlage aus ihrem Shop herausnehmen. Die Funktion, einzelne Titel auszulisten, sei für das kommende Jahr geplant, sagte Joachim Schöttes, Leiter der Konzernkommunikation von KNV Zeitfracht, auf Anfrage. Mit E-Commerce-Solutions arbeiten nach Angabe des Unternehmens etwa 1.300 Buchhandlungen.