Ingo Kretzschmar: Print-on-Demand ist nicht neu – viele andere im Markt nutzen die Technologie, und künftig eben auch wir. Mit Elanders haben wir nun einen starken Partner an unserer Seite, um ein leistungsfähiges Print-on-Demand-Modell zu etablieren, das den Markt nachhaltig prägen wird und neue Standards in Effizienz, Flexibilität und Prozessoptimierung setzt. Der nächste Schritt besteht darin, über weitere Effizienzen entlang der Supply Chain nachzudenken. Wir haben in der Branche an vielen Stellen Ineffizienzen– das reicht von der Produktion über den Versand von Ware bis hin zu den Remissionen. Mit Frank Sambeth haben wir einen Experten an Bord, der sich genau dieses Potenzial aus Sicht von Thalia anschauen und mit den Verlagen gemeinsam an Lösungen arbeiten wird. Er kümmert sich um alle Themen, die aus unserer Sicht für die gesamte Branche relevant sein können. Seine Aufgabe ist es, die Sichtweise der Verlage stärker in unser Unternehmen einzubringen und Verbesserungsmöglichkeiten zu identifizieren, von denen beide Seiten profitieren.
Nachdenklich macht aber ebenfalls die Antwort auf die Frage „Werden Sie auch andere Buchhandlungen mit bei Ihnen gedruckten PoD-Titeln beliefern?“
Die lautet: „Wir werden unser Print-on-Demand-¬Buch-Druckzentrum in Verbindung mit unserem neuen Zentrallager in Marl betreiben, von dort beliefern wir unsere Kunden, unsere Buchhandlungen und unsere Partner. Ein Großhändler wollen wir nicht werden, wir wollen niemanden etwas wegnehmen“.
Das heißt nix anderes, als dass man niemandem auch etwas geben möchte und der restliche Buchhandel diese Titel somit NICHT bekommt! Angesichts dieser zwei Aussagen sollten gerade bei den Verlagen eigentlich einige Alarmglocken lautstark läuten!
Jens Bartsch – Buchhandlung Goltsteinstraße in Köln
Die Optimierung der Wertschöpfungskette, wie sie hier angepriesen wird, findet natürlich auf Seiten Thalias statt. "Ich schaue mir unsere Kostenstruktur an und versuche, unsere Kosten so gering wie möglich zu halten." Die POD-Lösung ist zu vage besprochen. Welche Titel sind dafür geeignet bzw. vorgesehen? Bestseller? Die müssen für den gesamten Handel sowieso gedruckt werden. Bei "normalen" Titeln wird es schon spannend. Um den gesamten Handel zu bedienen, muss der Verlag zweigleisig fahren. Zum einen wie gehabt eine Auflage drucken, zum anderen die "normale" Menge für Thalia weglassen, da ja von denen selbst gedruckt wird. Unter Umständen wirkt sich das negativ auf die Herstellungskosten aus. Jedenfalls für die gedruckte Erstauflage und ggfs. Nachauflagen. Bei Titeln des "special interest" könnte POD die bessere Lösung sein. Nur, wie Sie ja schreiben: der Buchhandel neben Thalia ginge dann leer aus. Und der Verlag verkauft weniger Exemplare. Alternativ stellt man diese Titel aber bereits bei den Barsortimenten per POD her, warum gibt man dann aber Thalia die Lizenz zum Eigendruck? Das wird die Barsortimente treffen, fehlt ihnen doch der vermutlich größte Abnehmer. Generell könnte diese Eigenherstellung den Barsortimenten richtig "weh tun". Dazu muss man nicht deren Verteilgeschäft und Logistik übernehmen (viel zu teuer), sondern schlicht seine eigenen Bezüge bei den Barsortimenten reduzieren. Die Verlage dürfen dann die kompletten Herstellungsdaten an Thalia/Partner weitergeben... Ob "Alarmglocken" bei den Verlagen läuten, wage ich zu bezweifeln. Wenn man ein derartiges Investment tätigt, hat man sich sicher vorher schon abgestimmt, ob diese Lösung akzeptiert wird. Sehr schön finde ich die Headline: "Ich möchte, dass das Buch nicht aus den Innenstädten verschwindet".
Grüße aus Südbaden, VG