Am 23. Juni wurden in Hongkong zwei Buchhändler festgenommen. Ihnen wird vorgeworfen, "aufrührerische Publikationen verkauft und Gelder von ausländischen politischen Organisationen erhalten" zu haben, so die European and International Booksellers Federation (EIBF) in einem Statement. Medienberichten zufolge handele es sich bei den Festgenommenen um Leticia Wong, die Inhaberin der Buchhandlung "Hunter Bookstore", und einen Mitarbeiter. Wong sei eine bekannte Verfechterin der Meinungsfreiheit.
Hinzu komme, dass in der Buchhandlung Vorträge und Diskussionsrunden abgehalten wurden, deren Inhalte laut Polizeimitteilung "Hass gegen die Regierung, die Justiz und die Strafverfolgungsbehörden der Sonderverwaltungszone Hongkong" geschürt hätten, berichtet die FAZ. Damit stünden die beiden Festgenommenen im Verdacht, gegen die 2024 in der Stadt erlassene Verordnung zur Wahrung der nationalen Sicherheit ("Artikel 23"), verstoßen zu haben. Im Falle einer Anklage drohen den Buchhändlern wegen Aufruhrs bis zu sieben Jahre Haft und wegen Geldwäsche bis zu 14 Jahre.
Die EIBF schreibt weiter: "Als EIBF verurteilen wir diese Festnahmen aufs Schärfste: Sie stellen einen direkten Angriff auf das universelle Recht auf Zugang zu Informationen und Ideen dar und fügen sich in ein alarmierendes Muster zunehmender Repression gegen unabhängige Stimmen und die geistige Freiheit in Hongkong ein. Wir setzen uns weiterhin entschlossen für das Recht ein, Bücher zu veröffentlichen, zu verkaufen und zu lesen, ohne Zensur oder Verfolgung fürchten zu müssen."
Die EIBF fordert die sofortige Freilassung der festgenommenen Buchhändler und ruft die internationale Gemeinschaft dazu auf, sich dieser Verurteilung anzuschließen und sich solidarisch mit Buchhändlern und Verlegern weltweit zu zeigen, die aufgrund ihrer unverzichtbaren Arbeit Repressionen ausgesetzt sind.
EIBF-Präsident Fabian Paagman sagt: "Buchhändlerinnen und Buchhändler sind unverzichtbare Säulen der Gesellschaft; sie gewährleisten die freie Verbreitung vielfältiger Ideen, Perspektiven und Debatten. Sie leisten einen entscheidenden Beitrag zu einer lebendigen Kulturlandschaft sowie zu einer informierten und engagierten Bürgerschaft. Buchhändlerinnen und Buchhändler zu verhaften, weil sie Zugang zu Wissen und Literatur ermöglichen, ist ein inakzeptabler Eingriff in die geistige Freiheit und ein Angriff auf den eigentlichen Sinn des Buchhandels. Die EIBF solidarisiert sich mit all jenen, die an vorderster Front für das Recht eintreten, Bücher ohne Angst zu lesen, zu veröffentlichen und zu verkaufen."