Lesetipp: Interview mit Ingo Kretzschmar

"Omnichannel-Prinzip ist kein Buzzword, sondern Grundvoraussetzung"

11. Mai 2026
Redaktion Börsenblatt

Was Buchhandlungen heute brauchen, um bestehen zu bleiben, und warum viele kleinere Läden Schwierigkeiten haben, erklärt Thalia-Chef Ingo Kretzschmar im Interview mit dem Handelsblatt. Außerdem spricht er über die Rolle von Social Commerce und KI.

Ingo Kretzschmar im Porträt

Ingo Kretzschmar

Warum gehen Menschen heute überhaupt noch in Buchhandlungen, wenn sich jedes Buch mit wenigen Klicks online bestellen lässt? Genau darüber spricht Thalia-Chef Ingo Kretzschmar im Interview mit dem Handelsblatt, geführt von Florian Kolf.

Kretzschmar macht deutlich: Buchhandlungen müssten heute weit mehr sein als reine Verkaufsorte. Menschen suchten "Inspiration, sozialen Austausch und Erlebnisse" – und genau darin liege die Zukunft des stationären Handels. Entscheidend sei aus seiner Sicht das Zusammenspiel aus stationärem Geschäft und digitalem Angebot. Ein funktionierendes Omnichannel-Modell sei "Grundvoraussetzung dafür, heute überhaupt noch relevant zu sein".

Er analysiert, warum viele kleinere Buchhandlungen Schwierigkeiten haben: Oft fehle es an technischer Infrastruktur, gleichzeitig aber auch an Atmosphäre, Sortiment oder Beratung. Erfolgreich seien dagegen jene Buchhandlungen, die eine klare Nische besetzen und ihren Kundinnen und Kunden ein besonderes Erlebnis bieten.

Kretzschmar nennt zudem konkrete Zahlen zur Entwicklung von Thalia: Das Onlinegeschäft sei in den vergangenen Jahren um 20 Prozent gewachsen, gleichzeitig würden bis zu 30 Prozent der Onlinebestellungen in den Buchhandlungen abgeholt – was wiederum zusätzliche Kundschaft in die Läden bringe. Seine Einschätzung zur Rolle von TikTok und Social Commerce. Bücher würden heute oft digital entdeckt, aber weiterhin gern stationär gekauft.

Außerdem spricht Kretzschmar darüber, welche Chancen und Risiken er durch Künstliche Intelligenz sieht und weshalb der Konzern künftig verstärkt auf Spielwaren setzt.