Matthias Mayer kann auch gebucht werden

Originelle Lesungen mit dem "Mopsfisch"

30. April 2026
Matthias Mayer

Lustiger Abend mit viel Geist und Witz gewünscht? Dann buchen Sie unseren Kolumnisten Matthias Mayer. 

Matthias Mayer

Matthias Mayer ist Buchhändler in Langenselbold.

Man kann mich übrigens für literarische Satireabende buchen. "Herr ­Mayer stellt Bücher vor, blickt zurück ins Jahr und benimmt sich schlecht", heißt das dann. Und das geht so: Ich stelle Titel aus dem aktuellen Sortiment vor, spreche pointenreich über den Missbrauch von Sprache und blende lustige Dias ein, weil man manche Dinge selbst sehen muss. Zum Beispiel "Eingang der Praxis in zehn Meter". Das klingt falsch, aber wir wissen nicht sofort, warum. Dann lernt man bei mir, dass wir in Ermangelung eines Lokativs meistens den Dativ nehmen, also "in zehn Metern", und dann erst bilde ich Beispiele für den falschen Pseudolokativ im Genitiv: Ich habe mich neulich in zehn Meter Verband eingewickelt. Ich habe mich neulich in zehn Meter Penis verliebt. (Aber wahrscheinlich ist es lustiger, wenn ich das persönlich erzähle.)
 

Tomatenmark-Magd

Um das Publikum, das konventio­nelle Abende gewöhnt ist, aber zunächst in Sicherheit zu wiegen, bevor ich über zehn Meter Penis spreche, gebe ich mir in der ersten Dreiviertelstunde auch richtig Mühe. Stelle interessante Bücher vor, spreche über Literatur oder durchpflüge die Presse nach unmöglichen oder wenigstens fragwürdigen Formulierungen. Dieses Jahr stelle ich die Weltuntergangssatire Lukas Maisels vor, den realen Hanf-Sozialismus Jakob Heins oder den neuesten Max Goldt in all seiner halb widerborstigen Feinsinnigkeit. Aber in der zweiten Hälfte gönne ich uns auch schon mal Kalkofe und Wischmeyer, damit der Satireabend auch zu Recht so heißen darf. (Ich verkaufe an diesem Abend eigentlich zwar alles als Satire, aber tatsächlich auch einige lustige Bücher.)

In der Backlist hatte ich jetzt erst "Mopsfisch" von Clemens J. Setz entdeckt, ein aberwitzig simpel gereimtes Kinderbuch vom Mopsfisch, Mopsfisch. Dem Mopsfisch, Mopsfisch geschieht auf jeder Seite neues Ungemach. Bis man 103 Mal "Mopsfisch" gesagt hat, hat Mopsfisch, Mopsfisch einen zweiten Mopsfisch, Mopsfisch getroffen. Als hätte Ernst Jandl sich den Kopf an Marcus Pfister gestoßen. Sie ­ahnen, dass das vom Vortrag lebt. Und dann bin ich erst richtig warmgelaufen für Bodo Wartkes Rhabar­berbarbara. Allerdings bevorzuge ich den "Tomatenmark-Mark, der die Tomatenmarkt-Magd arg mag". Und ich bin gut in so etwas. Feste Rubriken sind auch Kundenzitate und "Produkte und Beschriftungen". So lang der Markt "Air-Fryer-Kartoffeln" anbietet, habe ich genügend Material. So lange die CDU "Glühwein für Kinder in Not" anregt, so lange in Redaktionen Kindsköpfe oder Volltrottel arbeiten, so lange habe ich Programm.

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