"Verkauft Ihr auch Bücher?"
Queerfeministisch, antirassisstisch, dekolonial: Der Kwanzaa Book & Coffee Shop in Bremen ist ein vielfältiger Ort der Begegnung.
Innenstadtnah: der Kwanzaa Book & Coffee Shop findet sich Am Dobben 65
Queerfeministisch, antirassisstisch, dekolonial: Der Kwanzaa Book & Coffee Shop in Bremen ist ein vielfältiger Ort der Begegnung.
Innenstadtnah: der Kwanzaa Book & Coffee Shop findet sich Am Dobben 65
"The place in which Iʼll fit will not exist until I make it", steht unter dem Schwarz-Weiß-Foto von James Baldwin. Der Schriftsteller, der seit den 1950er Jahren Rassismus und Doppelmoral anprangerte, gilt als eine der wichtigsten Stimmen der afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegung. Unter seinem Bild sitzt Sheeko Ismail an einem kleinen Tresen, an dem es Kaffee und Chai gibt und der zugleich Kassenbereich ist. Das Gespräch mit einer Kundin ist angeregt, ein Buch im Schaufenster hat die ältere Dame in den Laden geführt. Schließlich fragt sie: "Was heißt das eigentlich: 'queer'?"
Seit einem Jahr bereichert der Kwanzaa Book & Coffee Shop die Bremer Kulturszene. Hier ist ein lebendiger Ort des Austauschs und der Begegnung entstanden – "aus queerfeministischer, antirassistischer und dekolonialer Perspektive".
Der Name Kwanzaa bezieht sich auf ein seit den 1960er Jahren in den USA entwickeltes kulturelles Fest, das die panafrikanische Einheit stärken soll. Gegründet wurde der Bremer Shop aus einem Kollektiv heraus, das einen Freiraum für Kunst, Kultur und Community schaffen wollte. Sheeko Ismail ist Teil dieser Gruppe, hat 2020 den "Black Story Month" in Bremen etabliert und zwei Jahre später die Schwarze Kinderbibliothek gegründet. "Darüber habe ich Zugang zu Verlagen und Autor:innen bekommen, bin seit 2024 feste:r Kooperationspartner:in der Frankfurter Buchmesse und konnte mich mit vielen inspirierenden Menschen vernetzen", erläutert Ismail – selbst somalisch-deutsch und Diplom-Projektmanager:in.
Die in der Schwarzen Kinderbibliothek häufig gestellte Frage "Verkauft ihr auch Bücher?" habe schließlich den Anstoß zur Gründung der Buchhandlung gegeben. Ein Glücksfall: Das bezahlbare Ladenlokal im sogenannten Viertel mit seiner inzwischen größtenteils akademisch-ökologisch orientierten und wirtschaftlich gut aufgestellten Bewohnerschaft. "Location, Konzept und Kapital kamen zusammen. Ich wollte schnell durchstarten, habe mein eigenes erspartes Geld investiert, ohne weitere Förderung", erklärt Ismail. "Ich will über die Literatur den Zugang zu Themen eröffnen. Kwanzaa ist ein Ort für alle. Hier kann man einfach ins Gespräch kommen."
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