Martina Bergmann mit (Lese-)Tipps zur Hitzeperiode

Wetter benötigt Öffentlichkeit

9. Juli 2026
Martina Bergmann

Die Hitze der vergangenen Tage macht den Menschen zu schaffen. Martina ­Bergmann plädiert sehr dafür, das Thema Wetter nicht aus den Regalen zu verbannen – und hat einige Lesetipps.

Farbige Cartoon-Zeichnung: Eine Buchhandlung steht knietief im Hochwasser; Bücher schwimmen im grünlichen Wasser, während eine Person im Wasser auf ihr Handy schaut. In einer Sprechblase steht: „Wer hat denn die Fachbücher über den Klimawandel bei ‚Fiktion‘ einsortiert?“

Fundstück aus der Cartoonserie, die Martin Perscheid 2019 für das Börsenblatt erstellte

Neulich habe ich mir "Gut bei Hitze" von Katharina Seiser gekauft (978-3-7106-0926-8). Die Kochbuchautorin ist eine liebe Bekannte aus der Zeit, als Twitter noch Spaß gemacht hat. Ich las ihre Rezepte dort, während die Kund:innen wärmefaul an den Postkarten herumtrödelten. Aber wir waren in Borgholzhausen, also am Wald. Die Hitze fiel uns sogar 2018 spät auf.

Zu warm und zu trocken

Die Kunden erzählten, dass sie nun auch Gemüse grillen. Und wenn Fleisch, dann nicht das billigste. Es gab allgemein etwas Verständnis dafür, dass man die Natur nicht immer nur benutzen soll. Dann kamen Corona, der Krieg und die Inflation. Die Menschen sind wahnsinnig nervös und wählen eigenartig. Im Gegensatz zu mir kann sich das Wetter keine Sorgen über den Rechtsruck machen. Es bleibt einfach zu trocken und zu warm.

Deswegen meine fünf Cent. Mir war das Pathos der Klima-Jugend fremd. Ich fand Greta Thunberg penetrant und über die Demonstrationen habe ich mich oft gewundert. Es gab allerdings sehr brauch­ba­re Handreichungen des Gesundheitsministeriums, wie man mit extremem Wetter umgehen soll. Offenbar sind sie mit der Tisch­tennisplatte ausgezogen. Da mir dazu wenig Zitierfähiges einfällt, hier einfach zwei weitere Buchempfehlungen.

Als erstes Nikolaj Schultz mit "Landkrank" (978-3-518-02988-6). Ein ­Essay darüber, wie es in Paris bei Hitze zugeht. Wer sich eine kühle Wohnung leisten kann, hat es besser. Aber die Benutzung der ­Natur verstärkt sich mit jeder Air Condition, mit all dem eingeflogenen Power Food. Der Ton ist elegisch, aber es gibt ein paar Fuß­noten im philosophischen Kanon wie Heringe am Zelt. Er hebt nicht ganz ab und macht große Lust, selbst zu denken.

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