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Zeit der Monster

2. Juli 2025
TONI HECHT

Wenn Gewissheiten brüchig werden und die Zukunft unübersichtlich erscheint – woran halten wir uns fest? Was trägt uns durch Zeiten des Umbruchs? Mit "Zeit der Monster“ entwirft Şeyda Kurt ein vielstimmiges Panorama zwischen Verlust und Hoffnung.

Blaues Cover zu: Zeit der Monster, von Seyda Kurt, mit einer Hand, an deren Fingerspitzen Eiswürfel stecken.

Zusammenhalt in unsicheren Zeiten

In ihrem Romandebüt entwirft Şeyda Kurt das Bild einer Gegenwart, in der Gewissheiten brüchig geworden sind und apokalyptische Szenarien den Alltag prägen. Prophezeiungen verbreiten sich mit rasender Geschwindigkeit, immer mehr Menschen glauben an das nahende Ende. Die junge Sanya lebt in einem wilden, beschädigten Viertel zwischen Erinnerungen, Sehnsüchten und offenen Fragen. Doch allein ist sie nicht: Zu ihrer Wahlfamilie gehören Mira, Familienoberhaupt und Mastermind ihrer Nachbarschaft, deren Sohn Yousip und seine Schwester Nabû, die nach einem Streit mit Mira verschwunden ist und deren Fehlen Sanya schmerzlich spürt.

Trotz aller Weltuntergangsszenarien ist "Zeit der Monster“ keine Dystopie. Mit atmosphärischer Dichte und großer Menschenkenntnis richtet Şeyda Kurt den Blick immer wieder auf das, was auch in Zeiten des Umbruchs Bestand hat – die Verbindungen zwischen ihren Protagonist*innen. So entsteht ein vielschichtiges Porträt einer Wahlfamilie und ihrer über Grenzen und Zeiten reichenden Geschichte.

Foto der Autorin Seyda Kurt vor einem Auto.

Şeyda Kurt

Von Monstern und Offenbarungen

Warum trägt der Roman den Titel "Zeit der Monster“? Für Şeyda Kurt sind Monster keine fremden, erschreckenden Wesen, die plötzlich auftauchen. Die Autorin verweist auf den lateinischen Ursprung des Wortes: monstrare – zeigen. Monster machen sichtbar, was lange übersehen, verdrängt oder verschwiegen wurde. Inmitten einer Gegenwart, die aus den Fugen geraten zu sein scheint, kreist der Roman immer wieder um die Frage, wie Zusammenleben gelingen kann, wenn vertraute Ordnungen ihre Gültigkeit verlieren. Hoffnung und Verzweiflung, Wut und Zärtlichkeit, Verlust und Zugehörigkeit bilden den Spannungsraum dieser vielstimmigen Erzählung. Die Schweizer Philosophin und "Sternstunde Philosophie“-Moderatorin Barbara Bleisch nennt "Zeit der Monster“ "ein Buch über Menschlichkeit in monströsen Zeiten – flirrend, bildstark, aberwitzig klug“.

Karte aus dem Vorsatz des Titels: Zeit der Monster, weiße Zeichnung auf blau.

Karte des Stadtviertels aus dem Buch

Die Frage nach einem anderen Leben

Bekannt wurde Şeyda Kurt mit den Bestsellern "Radikale Zärtlichkeit“ und "HASS“, in denen sie gesellschaftliche und emotionale Kräfte mit analytischer Schärfe auslotete. Als Autorin, Kulturjournalistin und Podcasterin beschäftigt sie sich seit Jahren mit Fragen von Zugehörigkeit, Konflikt und Zusammenleben. Mit „Zeit der Monster“ legt sie nun ihr Romandebüt vor und überführt diese Themen in eine große Erzählung über Gemeinschaft, Erinnerung und die Möglichkeit eines anderen Lebens. Dabei geht es auch um Menschen und Lebenswelten, die in der Literatur eher selten im Mittelpunkt stehen. Fatih Akin spricht von einer "Hommage an so viele Leben, die nie erzählt wurden“.

Über eine Welt im Ausnahmezustand

Ihr Roman erzählt von einer Welt im Ausnahmezustand und von Menschen, die sich nicht mit dem Zerfall abfinden. Vor allem aber kreist „Zeit der Monster“ um die Frage, wie Gemeinschaft entsteht – und welche Geschichten wir einander erzählen, wenn alles ins Wanken gerät. Vielleicht beginnt genau dort die Möglichkeit eines anderen Zusammenlebens.

 

Şeyda Kurt
Zeit der Monster
Roman
23,00 € (DE)
ISBN 978-3-446-28460-9
ET: 21.07.2026
Hanser

 

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