In ihrem Romandebüt entwirft Şeyda Kurt das Bild einer Gegenwart, in der Gewissheiten brüchig geworden sind und apokalyptische Szenarien den Alltag prägen. Prophezeiungen verbreiten sich mit rasender Geschwindigkeit, immer mehr Menschen glauben an das nahende Ende. Die junge Sanya lebt in einem wilden, beschädigten Viertel zwischen Erinnerungen, Sehnsüchten und offenen Fragen. Doch allein ist sie nicht: Zu ihrer Wahlfamilie gehören Mira, Familienoberhaupt und Mastermind ihrer Nachbarschaft, deren Sohn Yousip und seine Schwester Nabû, die nach einem Streit mit Mira verschwunden ist und deren Fehlen Sanya schmerzlich spürt.
Trotz aller Weltuntergangsszenarien ist "Zeit der Monster“ keine Dystopie. Mit atmosphärischer Dichte und großer Menschenkenntnis richtet Şeyda Kurt den Blick immer wieder auf das, was auch in Zeiten des Umbruchs Bestand hat – die Verbindungen zwischen ihren Protagonist*innen. So entsteht ein vielschichtiges Porträt einer Wahlfamilie und ihrer über Grenzen und Zeiten reichenden Geschichte.