Das Buchbranchen-Update

Buchladen im Winterschlaf? +++ Lila Logistik investiert in Blaufelden ++ Edel stärkt Audiobereich

26. Januar 2026
Redaktion Börsenblatt

Der Börsenblatt-Podcast "Die Nachlese" fasst zum Wochenanfang kompakt zusammen, was in der Buchbranche los war. Diese Woche mit den Themen "Buchladen im Winterschlaf?", "Lila Logistik investiert in Blaufelden" und "Edel stärkt Audiobereich".

Nachlese Podcast-Cover (Mock-up)

Die Nachlese erscheint jeden Montag

Wir haben euch gefragt, wie ihr ins neue Jahr startet – und ob eure Buchhandlung nach Weihnachten in den Winterschlaf geht. Die Antworten fallen erstaunlich breit aus. Rund zwei Drittel der Teilnehmenden sagen: Ja, diese Pause tut gut. Viele nutzen sie für Inventur, fürs Umräumen und für Gespräche, die im Dezember einfach keinen Platz finden. Hinter einer geschlossenen Tür passiert viel – nur eben ohne Kundschaft im Laden. 

Ein gutes Drittel sieht das ganz anders. Dort bleibt das Licht an, weil jeder Tag zählt. Einige berichten von starken Umsätzen Anfang Januar, andere fürchten den Konkurrenzdruck durch Supermärkte und Onlinehandel. Für viele Einzelstandorte gilt: Schließtage sind ein Risiko. Eine Buchhandlung bringt es pragmatisch auf den Punkt: "Wir ziehen durch – dafür machen wir an Karneval eine Pause." Dieser kleine Satz zeigt, wie unterschiedlich die Realität im Sortiment sein kann. 

Lila Logistik setzt währenddessen ein deutliches Signal. In Blaufelden entsteht eine AutoStoreAnlage, die die Verlagslogistik massiv beschleunigen soll. Rund 130 Roboter greifen ineinander und sorgen dafür, dass Bestellungen schneller rausgehen und Retouren rasch wieder im Bestand landen. Auch BookonDemand fließt ins System ein. Für Lila Logistik sind Bücher inzwischen ein Wachstumsfeld. Wer den Blick hinter die Kulissen mag: Das Interview auf boersenblatt.net lohnt sich. 

Edel baut sein Audioprogramm aus. Neben klassischen Hörbüchern veröffentlicht die Verlagsgruppe Inhalte jetzt auch kapitelweise auf einem eigenen YouTubeKanal von Edel Sports. Die AiltonBiografie macht den Anfang, weitere Titel folgen. Der Ansatz ist klar: Menschen dort abholen, wo sie schon hören – und neue Hörgewohnheiten aktiv bedienen. 

Rudolph Druck wagt den Schritt ins Verlegen. Das Unternehmen übernimmt das traditionsreiche Imprint Ph.C.W. Schmidt und startet gleichzeitig die Edition Wort & Wert. Parallel übernimmt Rudolph Druck die Herstellung der Druckprodukte der früheren Verlagsdruckerei Schmidt. Ein klares Zeichen dafür, verlegerische Kompetenz in der Region zu stärken. 

Kolibri360, die Logistikmarke von Zeitfracht Medien, will Buchhandlungen den Wochenstart erleichtern. Ab Februar gibt es eine kostenfreie Montagszustellung, zunächst für sechs Monate. Bestandskund:innen bekommen den Service automatisch, neue Nutzer:innen können testen. Die zusätzliche Belieferung soll dafür sorgen, dass Sortimente schneller reagieren – auf Neuheiten, Nachfrage und spontane Bewegungen im Regal. 

In Ebersberg sorgt der "BuchOtter" weiterhin für Gesprächsstoff. Ein Schaufensterplakat thematisiert dort offen das drohende Aus der Buchhandlung und kritisiert fehlende politische Unterstützung. Das Plakat hat es inzwischen bis in große Medien geschafft, darunter die Süddeutsche Zeitung. Jetzt bleibt die Frage: Kommt die Aufmerksamkeit auch im Laden an? 

Thalia eröffnet im Frühjahr eine neue Filiale in Eberswalde. Der Standort in den Rathauspassagen bietet mehr als 200 Quadratmeter Fläche. Geleitet wird die Filiale von Katja Giesecke, die bereits den Standort in Bernau führt. Für Thalia ist es der erste Laden in der Stadt. 

ROFU Kinderland kämpft ums Weiterbestehen. Das Unternehmen hat Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt, belastet durch steigende Kosten und starke Onlinekonkurrenz. Eine interne Reform, die im Dezember gestartet war, brachte nicht genug Entlastung. Jetzt sucht ROFU einen Investor. Thalia dürfte eher nicht infrage kommen: Die ROFUFlächen sind groß, die Standorte liegen oft am Stadtrand – beides passt nicht zum ThaliaProfil. 

Zum Welttag der Lyrik zeigt die Kurt Wolff Stiftung gemeinsam mit 26 unabhängigen Verlagen eine Auswahl aktueller Gedichtbände. Die Flyer können noch bis zum 7. Februar bestellt werden. Auf boersenblatt.net steht die komplette Liste – ein guter Anlass, Lyrik etwas sichtbarer zu machen. 

Auf der IGBellSaTagung in München haben der neue Vorsteher Sebastian Guggolz und Geschäftsführer Peter Kraus vom Cleff klare Botschaften gesetzt. Guggolz fordert, dass menschliche Intelligenz und intelligente Kunst im KIZeitalter nicht an den Rand gedrängt werden. Kraus vom Cleff betont den demokratiestärkenden Wert des Lesens. Beide rufen dazu auf, KI bewusst und mit klaren Grenzen einzusetzen. 

Das Sprecherinnentrio der IG BellSa – Grusche Juncker, Ulrike von Stenglin und Julia Eisele – blickt trotz aller Herausforderungen optimistisch aufs neue Programmjahr. Konsumzurückhaltung bleibt ein Thema, genauso wie Engpässe bei Druckereien und das hohe Innovationstempo durch KI. Wichtig bleiben Leseförderung, faire Regeln für Plattformen und die strukturelle Verlagsförderung. Auf boersenblatt.net gibt es das komplette Gespräch – sehr klar, sehr lesenswert. 

Jessica Sänger vom Börsenverein übernimmt den Vorsitz des Freedom to Publish Committee beim internationalen Verlegerverband IPA. Das Gremium setzt sich weltweit für Publikationsfreiheit ein und wacht über die Bedingungen, unter denen Autor:innen und Verlage arbeiten können. 

Die Übersetzerin Silvia Morawetz wird mit der "Rebekka" ausgezeichnet. Der Preis würdigt ihre präzisen Übertragungen aus dem Englischen und ihren langen Beitrag zur literarischen Vermittlung. 

Auch die Shortlist zum BuchcoverAward steht fest. Zehn Titel aus Belletristik, Kinder und Jugendbuch sowie Sachbuch haben es in die Endrunde geschafft. Die Entscheidung fällt auf der Frankfurter Buchmesse, und das Publikum kann mit abstimmen. 

Der W.-G.-SebaldPreis ist ausgeschrieben. Gesucht werden unveröffentlichte Essays. Eingereicht werden kann bis zum 15. März. Der Preis ist mit 10 000 Euro dotiert, verliehen wird er im Sommer in Kempten. 

Auch der KirstenBoiePreis nimmt Einreichungen entgegen. Gesucht werden unveröffentlichte KinderromanManuskripte. Einsendeschluss ist der 10. Februar. Der Preis ist mit 15 000 Euro dotiert. 

Zwei Buchhandlungen machen vor, wie Reisen und Lesen zusammenfinden. Die Buchhandlung Korn organisiert literarisch inspirierte Gruppenreisen, das Lesezeichen in Bayern setzt auf Touren mit Autor:innen. Beide Konzepte zeigen, wie gut gemeinsames Erleben funktioniert – und wie stark es die Bindung an Buchhandlungen vertiefen kann. Auf boersenblatt.net gibt es die ausführliche Gegenüberstellung. 

Der Deutsche Bibliotheksverband stellt seine Strategie 2030 vor. Im Mittelpunkt stehen drei Aufgaben: Bibliotheken als offene Orte stärken, digitale Angebote ausbauen und politische Rahmenbedingungen verbessern. Konkret fordert der Verband eine bundesweite Bibliotheksstrategie und eine verlässliche digitale Grundversorgung – unabhängig vom Bibliothekstyp. 

Wir kommen zu kurz notiert 

Der Winterschlussverkauf startet am 26. Januar. Viele Händler räumen für das Frühjahrssortiment, vor allem der Modehandel. Der Buchhandel bleibt außen vor, profitiert aber oft von der höheren Frequenz. Der WSV läuft zwei Wochen. 

X Filme Creative Pool hat die Filmrechte an Nelio Biedermanns Roman "Lázár" erworben. Das Projekt geht jetzt in die Entwicklung. 

Danke fürs Zuhören, das war die Nachlese für diese Woche. Empfehlt uns weiter! Wir hören uns nächste Woche wieder!