Michael Hockel über das Projekt

buchnah.de: "Bei Buchhandlungen kaufen"

8. Januar 2026
Susanna Wengeler

Wie können Verlage und Autor:innen ihre Bücher mit den Shops unabhängiger Buchhandlungen verknüpfen? Michael Hockel hat dafür das Projekt buchnah.de aufgesetzt.

Michael Hockel in seiner Albatros Buchhandlung

Michael Hockel in seiner Albatros Buchhandlung in Bremen

Entstanden ist die Idee rund um die Aktivitäten zur Woche unabhängiger Buchhandlungen. Auch im November 2025 hätten sich dankenswerterweise wieder viele Verlage für den unabhängigen Buchhandel starkgemacht, erzählt Michael Hockel, Inhaber der Buchhandlung Albatros in Bremen. "Wenn man auf den Verlagswebseiten nachsieht, findet man bei den einzelnen Büchern jedoch meist Verlinkungen zur Bestellmöglichkeit im eigenen Verlagsshop, bei Thalia, Hugendubel sowie genialokal." Der letztgenannte Anbieter steht zwar für den unabhängigen Buchhandel, kann ihn jedoch mit nach eigenen Angaben 750 angeschlossenen Läden nicht in seiner Vollständigkeit abbilden. Um bei genialokal mitzumachen, benötigt man einen Libri-Shop.

"Warum eigentlich nicht?"

Den Verlagen sei aus der entstehenden Lücke kein Vorwurf zu machen, so Hockel. "Was sollen sie denn machen? Es gibt keine zentrale Plattform, auf der alle Unabhängigen abgebildet werden." Die naheliegende Frage: "Warum eigentlich nicht?"

Michael Hockel ist Quereinsteiger. Bevor er vor vier Jahren die Buchhandlung Albatros übernahm, arbeitete er zehn Jahre lang in einer Software-Entwicklungsfirma als Product Owner. Schon in den 90er Jahren habe er als Autodidakt die ersten Webseiten gebaut. Insofern schreckte ihn die technische Seite wenig. "Es geht vor allem darum, die Funktionalität so einfach wie möglich zu gestalten, damit möglichst viele Verlage und Autor:innen mitmachen."

Für sein Projekt buchnah.de arbeitete er zunächst mit Daten der eigenen Buchhandlung sowie denen zwei weiterer, die er gut kennt. Als die Seite in ihren Grundfesten stand, postete er die Idee auf Instagram. Sowohl die Anzahl als auch die Art der Reaktionen sei überwältigend gewesen, erzählt der Buchhändler. Er erfuhr große Zustimmung für die Idee und erhielt zahlreiche Anfragen. Über einen Link konnten sich inzwischen die ersten Läden anmelden, die überwiegende Zahl verfügt über White Label-Shops, andere Modelle funktionierten aber auch.

Bei Buchhandlungen kaufen, nicht bei Milliardären.

Slogan von buchnah.de

Wie man mitmachen kann

Ein eigener Webshop, der weitestgehend das VLB abbildet, ist Grundvoraussetzung für die Teilnahme an buchnah.de. In ein Formular einzutragen sind der Standort und die URL des Online-Shops. Die Anbindung an buchnah.de wird dann von Michael Hockel programmiert. Mit dem mikrotext Verlag hat er bereits die Einbindung auf einer Verlagswebseite umgesetzt. Sie habe im Verlag etwa einen Arbeitstag in Anspruch genommen.

Für Kund:innen stellt sich die Oberfläche dann wie folgt dar: Durch einen Klick gelangen sie auf die buchnah-Seite, können dort ihren Standort per Browser freigeben oder ihre Postleitzahl eingeben und werden in einem neuen Fenster auf die Webseite der nächstgelegenen unabhängigen Buchhandlung weitergeleitet. Möchten sie sich das Buch zuschicken lassen, können sie den entsprechenden Button anklicken und werden nach dem Zufallsprinzip mit einer unabhängigen Buchhandlung verbunden. 

Von der Idee im zeitlichen Umfeld der WUB bis zur Umsetzung des Prototyps seien etwa drei Wochen vergangen, resümiert Hockel. Dann kam das Weihnachtsgeschäft. "Da war es nur noch möglich, neue Buchhandlungen aufzunehmen, wenn die Kinder abends im Bett waren."

buchnah.de: die nächsten Schritte

Mit Jahresbeginn kann es nun weitergehen, z.B. mit optischen Veränderungen, der technischen Weiterentwicklung, dem Einholen der Feedbacks der Nutzer:innen sowie einem  Refactoring, damit spätere Änderungen leichter möglich sind. Nicht zuletzt wolle man die Kompetenz der Buchhandlungen nutzen, z.B. durch Buchempfehlungen auf der Startseite. Es gelte, im ersten Schritt ein ausreichend großes Netz an Buchhandlungen aufzubauen, um in einem weiteren mehr Verlage an Bord zu holen.

Derzeit läuft das Modell noch kostenlos für alle teilnehmenden Buchhandlungen. Doch auf Dauer sei das nicht ehrenamtlich zu stemmen, weiß Hockel. Es kostet Geld für Technik, Speicherplatz und Arbeitszeit. Denkbar sei, dass Buchhandlungen später einen monatlichen Betrag zahlen, auch über Sponsoren könne man nachdenken.

Dass buchnah.de ein wichtiger Schritt für die Zukunft des unabhängigen Buchhandels sei, davon ist Michael Hockel überzeugt. Nicht zuletzt eine Meldung auf Börsenblatt online über die Schließung zahlreicher Independents https://www.boersenblatt.net/news/jede-vierte-buchhandlung-ist-verschwunden-393765 sei ein starker Antrieb gewesen, das Projekt genau jetzt zu beginnen. Der Slogan von buchnah.de lautet: "Bei Buchhandlungen kaufen, nicht bei Milliardären."