Das Buchbranchen-Update

Die Nachlese: Claudia Häußermann spricht Klartext

6. Juli 2026
Redaktion Börsenblatt

Die Nachlese mit folgenden Themen: Holtzbrinck-CEO Claudia Häußermann spricht über ihre Strategie für die Buchverlage, KI-Unternehmen kaufen offenbar Antiquariate leer und ein Auto rast in einen Buchladen.

Nachlese Podcast-Cover (Mock-up)

Die Nachlese erscheint jeden Montag

Claudia Häußermann im Interview

Im Börsenblatt-Interview spricht Holtzbrinck-CEO Claudia Häußermann über ihre Strategie für die Buchverlage. Der Grundsatz: starke, dezentral agierende Häuser, aber mehr gemeinsame Standards bei Themen, die alle betreffen. Vor allem bei Datenanalyse, Digitalisierung und KI.

Die Holtzbrinck Buchverlage haben laut unserer Erhebung "Die 100 größten Verlage" im Vorjahr rund 270 Millionen Euro umgesetzt und leicht zugelegt. Die ersten Monate dieses Jahres seien aber "nicht so berauschend", sagt Häußermann. Der Markt werde herausfordernder. Dass Kiepenheuer & Witsch von Platz 43 auf Platz 57 abgerutscht ist, begründet sie mit dem "Merkel-Effekt". Droemer habe dagegen deutlich zugelegt, unter anderem mit Tahsim Durgun und natürlich Sebastian Fitzek. Und bei S. Fischer sagt sie klar: Der Verlag stehe "unter größerem Druck" und müsse sich in Teilen neu erfinden.

Den Umzug der S. Fischer Verlage begründet Häußermann mit dem gewachsenen Berliner Standort. Fast alle Programmleitungen sitzen schon dort. Fischer Sauerländer zieht nach München zu Droemer. Dort soll es eine Vertriebskooperation geben, und Häußermann betont: Auch der Spielwarenbereich spiele eine wichtige Rolle.

Romance beobachte man genau, halte den Markt aber für "ziemlich überhitzt" und in Teilen rückläufig. Die Verlagsgruppe setzt stattdessen verstärkt auf Audio. Die Backlist bekommt mehr Gewicht – mit einer Initiative, Performance-Marketing und besser gepflegten Metadaten. Und zum Handel sagt sie klar: Die Konzentration auf Thalia und Hugendubel macht ihr Sorgen. Wenn die Buchflächen weniger werden, sei das problematisch, auch mit Blick auf Lesekompetenz und Demokratiefähigkeit.

Das komplette Interview findet ihr auf boersenblatt.net. Wir verlinken es in den Shownotes.

Young Excellence Award: Wahlkabine ist geöffnet

Die Wahlkabine für den Börsenblatt Young Excellence Award ist geöffnet. Zehn junge Menschen aus der Buchbranche stehen zur Wahl, abgestimmt werden kann bis zum 15. Juli. Den Link zur Abstimmung findet ihr in den Shownotes.

Nominiert sind Harriet Dohmeyer, Monika Drummer, Ruben Höppner, Susann Hoffmann, Minitta Kandlbauer, Melina Kern, Larissa Ruf, Karolina Timoschadtschenko, Clara Trumpf und Josephine Wunderberg.

Und wer sich vor dem Abstimmen noch ein genaueres Bild machen will: Ich spreche in einer fünfteiligen Liveshow-Reihe jeweils mit zwei der Nominierten. Die Gespräche könnt ihr euch auf YouTube anschauen oder im Podcast "Jung & Exzellent" anhören.

News aus dem Buchhandel in KW 27

Lehmanns Media aus der Thalia-Gruppe hat wesentliche Assets des insolventen Fritz Knapp Verlags übernommen, mit wirtschaftlichem Stichtag zum 1. Juni. Fortgeführt werden fünf Fachzeitschriften für den Bankensektor, darunter "Zeitschrift für das gesamte Kreditwesen", "bank und markt" und "Immobilien & Finanzierung", jeweils inklusive Marken- und Veranstaltungsrechten. Laut Insolvenzverwalter Jan Markus Plathner konnten 90 Prozent der Arbeitsplätze gesichert werden. Für Thalia ist es ein weiterer Ausbau im Fachmediengeschäft.

In Pullach ist ein älterer Autofahrer mit seinem BMW ins Schaufenster der Buchhandlung Isartal gefahren. Verletzt wurde niemand, der Laden war zum Zeitpunkt des Unfalls geschlossen. Laut Polizei verwechselte der 87-Jährige bei seinem Automatikauto Rückwärts- und Vorwärtsgang. Die Scheibe zerbrach, das Mauerwerk wurde beschädigt. Der Schaden wird auf rund 20.000 Euro am Auto und etwa 50.000 Euro am Buchladen geschätzt.

News aus Verlagen in KW 27

US-amerikanische Unternehmen kaufen offenbar im deutschsprachigen Raum massenhaft antiquarische Bücher auf, um ihre KI-Modelle zu trainieren. Der SWR hat dazu mit dem Tübinger Antiquar Roger Sonnewald gesprochen. In Foren melden Antiquariate auffällige Großbestellungen, unter anderem vom Unternehmen Zoom Books. Die Bücher würden eingescannt und danach mutmaßlich entsorgt. Sonnewald warnt vor dem Verlust von Kulturgut.

Die Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlagen, kurz avj, kritisiert geplante Kürzungen beim Deutschlandfunk. In einem offenen Brief warnt sie davor, Formate wie "Bücher für junge Leser" und die Bestenliste "Die besten 7" zu streichen. Das seien keine Nischen, sondern Orientierung für Eltern, Schulen, Bibliotheken und Buchhandlungen. Kinder- und Jugendbücher machten rund 20 Prozent des Buchmarktumsatzes aus. Die avj fordert, die Einsparungen zu überdenken, und bietet Gespräche über neue Formate an.

Der K.-H.-Zillmer-Verlegerpreis geht an Sebastian Guggolz. Die Karl-Heinz-Zillmer-Stiftung unter dem Dach der Hamburgischen Kulturstiftung würdigt damit seinen verlegerischen Einsatz und seinen Blick abseits des Mainstreams. Guggolz, der auch Vorsteher des Börsenvereins ist, bringt mit dem Guggolz Verlag Neuübersetzungen und Neuausgaben aus Nord- und Osteuropa heraus und holt bewusst vergessene Stimmen auf den deutschen Buchmarkt zurück. Dotiert ist der Preis mit 20.000 Euro.

Reise Know-How ist zum 1. Juli als Partnerverlag der LG Buch beigetreten. Der Bielefelder Verlag ist Gesellschafter des forum independent und rückt damit näher an die Vertriebskooperation heran. Als entscheidenden Impuls nennt Reise Know-How vor allem das LG-Buch-Projekt "MitWirkung", bei dem Mitglieder Patenschaften für Verlage übernehmen. Ziel sei es, Zusammenarbeit und Austausch mit dem unabhängigen Buchhandel weiter zu vertiefen.

Kleiner Reminder an Berliner Verlage: Für den Berliner Verlagspreis können noch bis zum 10. Juli Bewerbungen eingereicht werden. Insgesamt sind 68.000 Euro ausgeschrieben. Bewerben können sich Berliner Verlage mit bis zu 2 Millionen Euro Jahresumsatz. Ausgeschlossen sind Verlage, die mehrheitlich zu einer größeren Verlagsgruppe gehören, wenn die Gruppe insgesamt über 2 Millionen Euro Umsatz macht.

Literaturpreise

Bei den Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt hat Lena Schätte den Ingeborg-Bachmann-Preis gewonnen. Ausgezeichnet wurde ihr Text "Was wir tragen". Der Preis ist mit 30.000 Euro dotiert. Schätte nahm außerdem den BKS-Bank-Publikumspreis und den Preis "Festivalschreiber" mit nach Hause und war damit dreifache Preisträgerin. Weitere Preise gingen an Kinga Tóth, Ozan Zakariya Keskinkılıç und Magdalena Schrefel.

Und sonst?

Beim Pitch "Book meets Film" auf dem Filmfest München wurden zwölf Buchvorlagen als potenzielle Filmstoffe präsentiert, ausgewählt aus über 100 Bewerbungen. Mit dabei waren zum Beispiel Mareike Fallwickls "Haltet euch fest", Florian Illies' "Träume aus Feuer" und Dana Vowinckels "Anton und Alma". Rund 200 Filmschaffende nutzten das Treffen, um mit Verlagen über Lizenzen und Optionen zu sprechen.

Kurz notiert

Die finale Staffel von "Maxton Hall – Die Welt zwischen uns" startet im Dezember bei Prime Video. Die sechs Folgen basieren auf "Save Us" von Mona Kasten (erschienen bei LYX).

Donald-Duck-Zeichner Don Rosa ist 75 geworden und kommt im Juli für eine Signiertour in den deutschsprachigen Raum. Stationen sind Luxemburg, Leipzig und Heilbronn.

Der Bilderbuchklassiker "Der Regenbogenfisch" von Marcus Pfister kommt als Film mit der Augsburger Puppenkiste ins Kino. Kinostart ist am 19. November.

Das Internationale Literaturfestival Berlin läuft vom 3. bis 12. September. Auf dem Programm stehen unter anderem Han Kang, Christian Kracht, Cornelia Funke, Christopher Clark und Dave Eggers. Tickets sind ab sofort erhältlich.

BoD sucht wieder den "Buchcoach des Jahres". Bis zum 15. Juli kann die Community Coaches nominieren, anschließend stimmen Autor vom 21. Juli bis 21. August ab.