Das Buchbranchen-Update

Die Nachlese: Skandal beim Deutschen Buchhandlungspreis weitet sich aus

16. März 2026
Redaktion Börsenblatt

Der Börsenblatt-Podcast "Die Nachlese" fasst zum Wochenanfang kompakt zusammen, was in der Buchbranche los war. Diese Woche mit den Themen "Skandal beim Buchhandlungspreis weitet sich aus", "Bookwire übernimmt Zebralution" und "Woche der Meinungsfreiheit".

Nachlese Podcast-Cover (Mock-up)

Die Nachlese erscheint jeden Montag

Der Ausspähskandal um den Deutschen Buchhandlungspreis spitzt sich weiter zu. Denn laut einem Whistleblower sollen zwei der drei ausgeschlossenen Buchhandlungen sogar für Hauptpreise vorgesehen gewesen sein, verbunden mit je 15.000 Euro Preisgeld – nämlich die Buchläden The Golden Shop und Rote Straße.

Hat Kulturstaatsminister Weimer außerdem gelogen? Laut dem Anwalt, der den Buchladen "Zur schwankenden Weltkugel" vertritt, lautete die offizielle Absagemail, die Weimer verantwortete:
"Leider muss ich Ihnen mitteilen, dass Sie von der unabhängigen Jury nicht für eine Auszeichnung ausgewählt wurden."

Die Anwälte werfen der Behörde deshalb vor, den tatsächlichen Ablauf falsch dargestellt zu haben. Die Jury hat klargemacht, dass sie auf die Streichung keinen Einfluss hatte. Und die unabhängige Jury war auch nicht bereit, andere Buchläden nachzunominieren. Durch die so entstandene Lücke ist der ungeheuerliche Vorgang um die Ausspähaffäre ja überhaupt erst ans Licht gekommen.

Weimers Behörde lässt Medienanfragen – auch die des Börsenblatts – zur Sache größtenteils unbeantwortet. Ein Sprecher hat aber bestätigt, dass an die ausgeschlossenen Buchläden in täuschender Absicht Standard-Absagemails verschickt wurden. Begründung: Die Abfrage beim Verfassungsschutz sollte geheim bleiben.

Worin die Erkenntnisse der Behörde gegen die drei Buchläden genau bestehen, ist nach wie vor unklar. Die drei Buchhandlungen haben inzwischen Klage eingereicht. Vor den Verwaltungsgerichten in Berlin und Köln soll unter anderem geklärt werden, ob der Datenaustausch zwischen dem Kulturstaatsministerium und dem Bundesamt für Verfassungsschutz im Rahmen des umstrittenen Haberverfahrens rechtswidrig war. Das Verfahren soll eigentlich der Terrorabwehr dienen.

Noch blamabler: Die Preisverleihung, die am 19. März im Rahmen der Leipziger Buchmesse stattfinden sollte, wurde von Weimer kurzfristig abgeblasen. Das Kulturstaatsministerium begründete das damit, dass die Debatte um die drei gestrichenen Buchhandlungen den eigentlichen Zweck der Veranstaltung überlagere. Eine angemessene Würdigung der Preisträgerinnen und Preisträger halte er deshalb nicht für möglich.

Der Hanser Verlag hat alle ursprünglich nominierten Buchhandlungen zu einer alternativen Feier auf der Leipziger Buchmesse eingeladen. Ein weiteres Angebot gibt es vom Börsenverein. Die Branche reagiert mit scharfer Kritik auf die Entwicklungen.

Längst hat die Affäre es in alle großen Medien geschafft, und auch im Ausland wird berichtet. Viele Buchhandlungen solidarisieren sich mit den drei Betroffenen. Viele der ausgezeichneten Buchhandlungen erklärten in einem gemeinsamen Statement ihre Unterstützung, und einige von ihnen wollen sogar Geld sammeln, um den ausgeschlossenen Kolleginnen und Kollegen das Preisgeld zu ersetzen.

Auch Verbände und Einzelstimmen melden sich zu Wort. Der Landesverband Berlin-Brandenburg vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels rief mit der Rote-Karte-Aktion zum Protest auf. Auch im Vorfeld der Leipziger Buchmesse sind öffentliche Proteste angekündigt. Und der Essener Buchhändler Dennis Hasemann kündigt an, den ihm zugesprochenen Preis unter den gegenwärtigen Umständen nicht anzunehmen.

Damit bleibt der Konflikt um den Deutschen Buchhandlungspreis weiterhin eines der meistdiskutierten Themen der Branche und dürfte auch auf der Leipziger Buchmesse noch für Gesprächsstoff sorgen. Ob Minister Weimer tatsächlich wie geplant auf der Buchmesse auftreten wird, ist unklar. Eine entsprechende Anfrage des Börsenblatts blieb unbeantwortet.

Buchhandel

Der internationale Buchmarkt zeigte 2025 in 12 von 19 untersuchten Regionen ein Umsatzplus, getrieben vor allem von Belletristik. Das zeigt ein Report, der zur London Book Fair veröffentlicht wurde – und zwar von Nielsen IQ BookData und GfK Entertainment.

Besonders stark wuchsen Märkte wie Indien, Brasilien und Mexiko, während wichtige europäische Länder wie Italien, Frankreich und Großbritannien rückläufig waren. Auch Kinder- und Jugendbücher legten in vielen Regionen zu, während das Sachbuchsegment insgesamt nur in wenigen Märkten wuchs.

Die Durchschnittspreise stiegen in den meisten Ländern, wobei Neuseeland und Südafrika leichte Preisrückgänge verzeichneten.

Das digitale Treffen des unabhängigen Buchhandels "Frühlingserwachen" verzeichnete mit 394 Anmeldungen einen neuen Rekord. Organisator Roland Große-Holtfort berichtete von über 100.000 Minuten Teilnehmerzeit am ersten Tag. 35 Autorinnen und Autoren waren bei der Veranstaltung dabei.

Amazon zieht sich als Sponsor vom Paris Book Festival zurück, nachdem der französische Buchhändlerverband SLF zum Boykott aufgerufen hatte. Der Verband kritisierte, dass Amazon den Buchhandel destabilisiere und den Markt mit KI-generierten Büchern überschwemme.

Die Festivalveranstalter haben die Reißleine gezogen, um eine friedliche Durchführung für 450 Aussteller und rund 120.000 Besucherinnen und Besucher zu gewährleisten. Das Festival findet nun – wie geplant – im April ohne Amazons Präsenz statt.

Die Unternehmensgruppen Dr. Eckert und Schmidt & Hahn haben am 1. März ihre dritte gemeinsame Filiale unter der Marke Eckert & Schmidt im Bahnhof Pforzheim eröffnet. Während einer geplanten Renovierung bis Herbst ist die Buchhandlung zunächst auf einer provisorischen Fläche untergebracht. Das Joint Venture betreibt bereits Filialen in Offenburg und Neustadt an der Weinstraße.

Die Buchhandlung Jakobi übernimmt zum 1. Mai die Buchhandlung Jacobi in Frankenberg. Inhaberin Inge Jacobi zieht sich aus dem Geschäft zurück und konzentriert sich auf ihre Buchhandlung im nahegelegenen Marburg. Alle anderen Mitarbeiterinnen bleiben erhalten.

Und sonst?

Das EU-Parlament fordert klare Regeln und einen funktionierenden Lizenzmarkt für die Nutzung urheberrechtlich geschützter Werke durch KI. Ziel ist es, Rechteinhaber zu schützen, eine faire Vergütung sicherzustellen und Transparenz bei Trainingsdaten zu schaffen.

Der Börsenverein und andere Verbände begrüßen das Votum als wichtigen Schritt für die Kreativbranche und fordern nun die Europäische Kommission zum Handeln auf.

Bookwire übernimmt 100 Prozent der Anteile an Zebralution sowie deren Tochtergesellschaften. So will das Unternehmen seine Expertise im digitalen Vertrieb von E-Books, Hörbüchern und Podcasts erweitern. Die Integration soll Kundinnen und Kunden mehr Services bieten und die internationale Position im E-Book- und Audiosegment stärken. Ansprechpartner und Prozesse bleiben zunächst unverändert, Weiterentwicklungen erfolgen schrittweise.

Kurz notiert

Seit dem 9. März können Verlage aus Deutschland, Österreich und der Schweiz Titel für den NDR Sachbuchpreis einreichen.

Die Woche der Meinungsfreiheit findet vom 3. bis 10. Mai unter dem Motto "Was ist wahr?" statt. Geplant sind größere Events in Berlin, München, Stuttgart, Köln und Frankfurt sowie viele Aktionen in Buchläden, Kinos und Schulen.

Am 10. März wurden die Gewinnerinnen und Gewinner des Deutschen Hörbuchpreises bekannt gegeben, darunter Anja Herden als beste Interpretin und Fabian Busch als bester Interpret. Alle Preisträgerinnen und Preisträger findet ihr auf Börsenblatt.net.

Das Schweizer Comic-Magazin Strapazin hat eine Crowdfunding-Kampagne gestartet, um sein finanzielles Überleben zu sichern, unterstützt von über 120 Künstlerinnen und Künstlern. Ziel: 350 neue Abos.

Das war die Nachlese für diese Woche. Vielen Dank fürs Zuhören und bis zur nächsten Ausgabe.