Das Buchbranchen-Update

Die 100 größten Verlage ++ Fußball-WM und Handel ++ "Deutschland liest ein Buch"

15. Juni 2026
Redaktion Börsenblatt

In der Nachlese für KW 24 geht es um die Zahlen zum Ranking der 100 größten Verlage. Außerdem steht die Frage im Raum, wie sich die Fußball-WM auf den Buchhandel auswirken könnte – und was sonst in der Branche wichtig war.

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Die Nachlese erscheint jeden Montag

Die 100 größten Verlage

Das neue Ranking der 100 größten Verlage zeigt auf den ersten Blick ein leichtes Umsatzplus für die Branche. Doch bei genauerem Hinsehen wird eine deutliche Spaltung des Marktes sichtbar. Das Wachstum kommt nämlich vor allem von den Fachinformations- und Wissenschaftsverlagen. Mit ihren digitalen Angeboten gleichen sie die schwächere Entwicklung im Publikums- und Bildungsmarkt aus und erwirtschaften mit 54 Prozent den größten Umsatzanteil im Ranking. Besonders im Publikumsmarkt zeigt sich eine enorme Konzentration. Mehr als ein Drittel der 100 größten Verlage gehört zu einem der drei großen Konzerne: Penguin Random House, Bonnier und Holtzbrinck. Ihre deutschen Publikumsverlage allein kommen auf einen gemeinsamen Umsatz von fast einer Milliarde Euro. Dagegen wirken selbst die größten unabhängigen Verlage wie Bastei Lübbe und dtv deutlich kleiner. Das jährliche Ranking, erstellt vom Börsenblatt, erfasst Verlage ab einem Umsatz von acht Millionen Euro bis hin zur neuen Nummer eins, der Haufe Gruppe, mit fast 500 Millionen Euro. Die Zahlen belegen eine stabile, aber sich strukturell stark verändernde Branche, in der Fachinformation und Konzerne den Ton angeben. Eine Analyse mit vielen Zahlen und Details findet ihr im aktuellen Heft und online bei Börsenblatt Plus. Dort könnt ihr natürlich auch das Ranking downloaden.

Fußball-WM und Handel

Während die Fußball-Weltmeisterschaft für die FIFA ein Milliardengeschäft ist, blickt der deutsche Handel eher verhalten auf mögliche Umsatzeffekte. Eine Umfrage des Handelsverbands Deutschland zeigt: Nur wenige Branchen rechnen mit nennenswerten Impulsen, allen voran der Lebensmittel- und der Sporthandel. Für den Buchhandel gilt wohl: Nur wenn die deutsche Mannschaft weit kommt, könnte die gute Stimmung die Kauflaune heben. Denn, so HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth: "Konsum ist zu einem hohen Anteil Psychologie." Die Buchbranche wird aber trotzdem aktiv, vor allem in der Leseförderung. Die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendliteratur hat eine Liste mit Buchtipps rund um den Fußball veröffentlicht. Und auch die LitCam nutzt mit ihrem Projekt "Fußball trifft Kultur" das Sportereignis, um Kinder und Jugendliche für das Lesen zu begeistern. Ob am Ende also die Kassen klingeln, ist fraglich – die Chance, junge Lesende zu gewinnen, wird aber genutzt.

Verlagsnews in Kalenderwoche 24

Kiepenheuer & Witsch setzt seine Aktion "Deutschland liest ein Buch" fort. Nach dem Erfolg mit Rachel Khongs "Real Americans" steht nun der Roman "Ein ganz normales Wunder" von Woody Brown im Zentrum. Brown gilt als erster nicht-sprechender autistischer Absolvent der University of California.

Die Holtzbrinck-Gruppe ordnet ihre Geschäfte neu. Zum 1. Januar 2027 werden die Handelsblatt Media Group, der Tagesspiegel Verlag und die Dieter von Holtzbrinck Medien zur neuen "Holtzbrinck Media" zusammengefasst. Unter der Leitung von Andrea Wasmuth will man in Technologie und KI investieren. Gleichzeitig geht die ZEIT Verlagsgruppe komplett in die Hand der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck.

In der Verlagsszene gibt es eine neue Verbindung zwischen Zürich und Hamburg: Der Kommode Verlag wird ab Juli als Imprint "Edition Kommode" im Hamburger mairisch Verlag weitergeführt. Annette Beger leitet das Programm weiterhin, während mairisch Vertrieb, Herstellung und Pressearbeit übernimmt.

Nach ihrem Erfolg beim Deutschen Buchpreis 2024 legt Martina Hefter nach: Im Oktober erscheint ihr neuer Roman "Nach der Sonne schauen" bei Klett-Cotta.

Die Verlagsgruppe Oetinger zeigt auf der Frankfurter Buchmesse verstärkt Präsenz. Zusätzlich zum bekannten Branchentreffpunkt in Halle 3.0 wird es einen zweiten, 120 Quadratmeter großen Stand in der neuen Halle 1 geben. Dieses "Frankfurt Kids"-Areal ist speziell auf Kinder und Familien zugeschnitten. Mit eigener Bühne und starken Marken wie den "Olchis" sucht Oetinger dort die direkte Begegnung mit der Zielgruppe.

Neues aus dem Buchhandel in Kalenderwoche 24

In Müllheim ist eine Nachfolge geregelt: Die Buchhandlung Beidek gehört seit Anfang Juni zu Hugendubel. Die bisherigen Inhaber übergeben nach jahrzehntelangem Engagement. Alle Mitarbeitenden werden übernommen, die Filialleitung übernimmt die 23-jährige Judith Hunzinger.

Eine traurige Nachricht aus Freiberg in Sachsen: Die Buchhandlung Seitenweise hat nach 28 Jahren geschlossen. Inhaberin Ursula Steinborn verabschiedet sich in den Ruhestand; eine Nachfolge für ihren Laden konnte sie nicht finden.

Thalia expandiert weiter im Spielwarenhandel: In Salzgitter-Bad wurde die Traditions-Spielwarenhandlung Klaper zu "Spielzeit by Thalia". Die bisherige Inhaberin, Sabine Asmus, bleibt als Filialleiterin an Bord.

In der Schweiz stehen die Branchensieger fest: Die Luzerner Buchhandlung BUK ist Buchhandlung des Jahres 2026. Der Titel Verlag des Jahres geht an den Autismusverlag aus St. Gallen. Die Preise wurden vom Schweizer Buchhandels- und Verlags-Verband nach einer Online-Abstimmung des Publikums verliehen.

Börsenverein warnt vor Mehrwertsteuer-Erhöhung auf Bücher

Der Börsenverein positioniert sich klar gegen eine mögliche Erhöhung der Mehrwertsteuer auf Bücher. Hauptgeschäftsführer Peter Kraus vom Cleff warnt, dies wäre bildungspolitisch hochriskant. Stattdessen fordert der Verband, die EU-rechtliche Möglichkeit eines Nullsteuersatzes zu nutzen. Bücher, so Kraus vom Cleff, seien "geistige Grundnahrungsmittel" und dürften "nicht unter die Räder" geraten.

In Frankfurt am Main haben sich Branchenvertreter:innen und mehrere Arbeitsgruppen zu den Fokustagen getroffen. Die Börsenblatt-Redaktion war dabei. Ausführliche Berichte findet ihr online auf boersenblatt.net.

Was sonst in KW 24 in der Buchbranche passiert ist

Der Deutsche Sachbuchpreis 2026 geht an Konstantin Richter für sein Buch "Dreihundert Männer. Aufstieg und Fall der Deutschland AG", erschienen bei Suhrkamp. Die Preisverleihung fand in der Hamburger Elbphilharmonie statt.

Der Verleger und Buchkünstler Christian Ewald ist gestorben. Der Gründer der Katzengraben-Presse, die das letzte offizielle Buch der DDR verlegte, starb am 9. Mai im Alter von 76 Jahren. Auch die bekannte Comic-Autorin Marjane Satrapi ist gestorben. Die Schöpferin von "Persepolis" starb im Alter von 56 Jahren in Paris.

Das Literaturfestival LIT:potsdam findet vom 30. Juni bis 5. Juli unter dem Motto "Die Sprache der Sterne" statt. Angekündigt sind unter anderem Raoul Schrott, Judith Hermann und Frank Schätzing.

Vom 11. bis 25. September findet in Berlin das neue Literaturfestival "Übersetzen & Weltretten" statt, veranstaltet von der Weltlesebühne und dem TOLEDO-Programm.

Der Deutsche Bibliotheksverband hat einen Leitfaden zum Umgang mit kolonialen Kontexten in Bibliotheken veröffentlicht. Die Publikation steht kostenlos zum Download bereit.