Das Buchbranchen-Update

Hörbuchmarkt-Entwicklung 2025 +++ Digital Detox zum Jahresbeginn +++ HarperCollins trennt sich von David Walliams

5. Januar 2026
Redaktion Börsenblatt

Der Börsenblatt-Podcast "Die Nachlese" fasst zum Wochenanfang kompakt zusammen, was in der Buchbranche los war. Diese Woche mit den Themen "Entwicklung des Hörbuchmarktes 2025", "Digital Detox zum Jahresbeginn" und "HarperCollins trennt sich von David Walliams".

Nachlese Podcast-Cover (Mock-up)

Die Nachlese erscheint jeden Montag

Nach Jahren des Booms scheint der Hörbuchmarkt jetzt ein Plateau erreicht zu haben – das zeigt der "Klangkantine Audio Report". Die Zahl der Hörer:innen bleibt stabil, Wachstum kommt vor allem durch intensivere Nutzung, serielle Formate und mehr Differenzierung. Streaming ist mit 43 % weiterhin der größte Umsatztreiber, Downloads machen 49 % aus, CDs nur noch 7 %. 

2025 sind rund 15.000 neue digitale Hörbücher in der DACH-Region erschienen. Serien-Hörbücher boomten vor allem in den Genres Romance, Spannung und Fantasy, bei Kinder- und Non-Fiction-Hörbüchern gab’s einen leicht Rückgang. Hörspiele dominieren weiterhin das Kindersegment, sie gewinnen aber auch in anderen Genres an Bedeutung, etwa bei Spannung und Fantasy

Die Zahlen des Reports basieren auf Daten von Börsenverein, GfK und der ARD/ZDF-Onlinestudie 2024. Mehr Details dazu gibt’s auf boersenblatt.net 

 

Viele Deutsche starten ins neue Jahr mit Digital Detox – bewusstem Verzicht auf Smartphone, Social Media oder Gaming für einige Tage. Eine aktuelle Bitkom-Umfrage zeigt, dass rund ein Viertel der Bevölkerung mit so einer digitalen Auszeit plant, meist drei Tage lang. Besonders beliebt sind Pausen von Social Media und Spielen, während auf Mails fast niemand verzichten möchte. Die Zahlen zeigen zwar einen leichten Rückgang gegenüber den Vorjahren, das Interesse an Offline-Zeiten bleibt aber spürbar. Für den Buchhandel eröffnet sich da eine Chance: Läden können passenden Lesestoff präsentieren oder sich als entspannte „Offline-Oase“ als Alternative zu digitalen Medien in Erinnerung rufen. 

Verlage  

HarperCollins UK beendet die Zusammenarbeit mit dem britischen Kinderbuchautor David Walliams. Der Verlag wird künftig keine neuen Titel mehr von ihm veröffentlichen. Die Entscheidung wurde unter neuer Geschäftsführung getroffen. Hintergrund sind Medienberichte über Vorwürfe unangemessenen Verhaltens gegenüber jungen Frauen, die Walliams jedoch zurückweist. HarperCollins betont, man nehme das Wohlergehen der Mitarbeitenden ernst und habe klare Verfahren zum Umgang mit entsprechenden Bedenken. 

Buchhandel 

Jahresrückblicke gibt es viele. Auch die Buchhandelsgenossenschaft eBuch hat Bilanz gezogen – und zeigt sich zufrieden. Rund 75 neue Mitgliedsbuchhandlungen kamen hinzu, außerdem wurden Services und digitale Angebote weiter ausgebaut – etwa das Nachfolge-Tool „Seitenwechsel“ und Neuerungen beim Kassensystem belami. Für 2026 plant eBuch unter anderem den Relaunch von buchmarkt.de und die Rückkehr des SPIEGEL-Bestseller-Archivs. 

Zum Jahresende haben mehrere Buchläden ihr Aus verkündet. 

Die Heidelberger Bücher-Truhe schließt nach fast 40 Jahren endgültig ihre Türen. Inhaber Heiko Weisner-Stippich nennt strukturelle Probleme, die Nachwirkungen der Corona-Pandemie und eine sinkende Nachfrage als Gründe. Auch ein Standortwechsel im vergangenen Jahr brachte nicht die erhoffte Wende. Denn, so Zitat Weisner-Stippich: "Eine Buchhandlung ist wie ein guter Freund: Den muss man ab und zu besuchen, dann ist er auch für einen da". 

Auch in Wien musste eine traditionsreiche Reisebuchhandlung schließen: Freytag & Berndt hat den Laden in der Wallnerstraße nach über 250 Jahren aufgegeben. Gestiegene Miet- und Personalkosten sowie rückläufige Umsätze haben den Betrieb unrentabel gemacht. Der Online-Shop bleibt bestehen, der stationäre Verkauf endete kurz vor Weihnachten. 

Auch die Geschichte der Buchhandlung Sattler in Bremen endete nach 28 Jahren zum Jahresende, weil keine Nachfolger gefunden wurden. Inhaberin Gretel Sattler geht in Rente. 

Eine Eröffnung gab’s aber auch. Die Diözese Linz hat gerade ihre Buchhandlung „Buch & Segen“ aufgemacht - als einzige christliche Buchhandlung der Stadt, mit Büchern, liturgischen Produkten und einem Webshop. 

Kurz notiert 

Barbi Marković erhält 2026 den Förderpreis Komische Literatur. Der mit 3.000 Euro dotierte Preis wird im März in Kassel verliehen – vorgeschlagen wurde die Autorin vom Verlag Rowohlt Hundert Augen. 

Eva Maria Buchholz gibt nach 23 Jahren die Leitung des Hinstorff Verlags an Andreas Meyer ab. Meyer will das Programm modernisieren und stärker auf E-Books und Hörbücher setzen. 

Bei der Krimibestenliste gibt es einen Wechsel: Nach knapp 21 Jahren gibt Tobias Gohlis den Sprecher-Posten der Jury ab. Kolja Mensing übernimmt künftig die Organisation und Sprecherrolle. 

Der Deutsche Kinderbuchpreis 2026 hat seine Ausschreibung gestartet, Kinderbücher für Sechs- bis Achtjährige können eingereicht werden. Neu ist ein Botschafter-Programm, bei dem Lesebotschafter:innen Kinder für die nominierten Titel begeistern sollen.  

Autorin Liza Grimm hat in einem zwölfstündigen Twitch-Stream 27.500 Euro für den Phantastikpreis Seraph gesammelt. Die Preisverleihung findet auf der Leipziger Buchmesse statt, erstmals mit der neuen Sonderkategorie „Bestes Jugendbuch“. 

Der Deutsche Krimipreis 2025 geht an Andreas Pflüger für „Kälter“ und Lavie Tidhar für „Adama“ – beide erschienen bei Suhrkamp.