Aber wie kommen Buchevents eigentlich zustande? Bisher so: Durch Kreativität der Zahlreichen. Durch gewollte Artenvielfalt. Durch Eigeninitiative der Marktteilnehmer, die sich in bewährten Event-Strukturen entfalten kann.
Buchereignisse, das gilt für die Lesung im Indie-Laden genauso wie für die größte Buchmesse der Welt, darf man sich nicht vorstellen als Branchenlösung, die jemand zusammenschraubt, (virtuell) hinstellt und dann zur Aneignung freigibt. Events und Hoffnungsimpulse, von denen dieser Tage die Rede ist, resultieren immer aus dem Mitwirken, Mithoffen, Mitriskieren. Das war noch nie anders, gilt aber aktuell in verschärfter Variante. Corona ist das Ende von so manchem Gewohnten, jedenfalls auch das Ende einer Versicherungsmentalität, der das Risiko am liebsten ein Risiko der anderen bleibt.
In diesen Sommerwochen trudeln, wie jedes Jahr, in den immer noch an Kultur interessierten Redaktionen die Nachrichten der Verlage ein, welche der eigenen Autor*innen im Oktober am Start sein werden. Es gibt diese Mitteilungen derzeit in zwei sprachlichen Ausführungen. Die eine: „Unsere Autorinnen und Autoren auf der Frankfurter Buchmesse 2020.“ Die andere, leider häufigere: „Unsere Autorinnen und Autoren zur Frankfurter Buchmesse 2020.“ A difference which makes a difference, würde der Informationstheoretiker Gregory Bateson das schöne Spiel mit den Präpositionen kommentiert haben. In der Tat, zwischen „auf der“ und „zur“ liegt gerade eine ganze Welt.
In dem Kommentar von Torsten Casimir steckt überraschend viel verquere Logik. Zu einem Zeitpunkt, da sich überall in der Welt Menschen bei Großveranstaltungen anstecken - ein Blick nach Mallorca, Texas, Florida und in die Wahlkampf-Arenen Donald Trumps könnte den verklärten Blick aufklaren - wird vom Autor ein Abgrund zwischen guter kultureller Solidarität und bösem Konzerngebaren konstruiert. Dabei zeugt schon die Ausgangsthese von entschlossen vorgetragener Verworrenheit:
"Die FBM20 im Oktober wäre nach der Pandemie (die nicht vorbei ist) die erste große Messe, die sich eine verantwortbare Kontrolle der Situation zutraut und die das auch dezidiert begründet."
Ja, wäre, hätte, könnte - manchmal sind Klammerbegriffe dann doch das Wesentliche. Aber im Konjunktiv ließe sich freilich vieles bewerkstelligen, sogar die "verantwortbare Kontrolle der Situation".
Kleinen Verlagen sei grundsätzlich jede Hilfe immer gegönnt, aber dass die Regierung nun ausgerechnet die Teilnahme an einem Großevent fördert, entbehrt nicht jeglichen Widersinns - immerhin bemüht sich dieselbe Regierung in ihrem sonstigen Tun darum, eine neuerliche Verbreitung im größeren Maßstab zu verhindern.
Daher in geschriebenem Wort: Den beiden Vorkommentatoren stimme ich gerne zu. Ich musste den Kommentar von Tostens Casimir mehrfach an verschiedenen Tagen lesen um es zu erfassen. Viellleicht habe ich es nicht erfasst, was damit gesagt sein soll. Jedenfalls könnte ich mich als Kleinstdienstleister, der seit gut 20 Jahren auf der #fbm zugegen ist jetzt auch als böse fühlen.
Ich hoffe und wünsche sehr, dass der gerade gelaufenen Pressekonferenz der Frankfurter Buchmesse zügig belastbare Taten folgen um eine online planbare Teilnahme der bunten Mischung der bisherigen Beiträger*innen zur #fbm Rechnung zu tragen.
Ein "Prämiensystem" zur physischen Teilnahme kann es nicht sein.
In diesem Sinne: Alles Gute uns allen! CU -)