Algerien

PEN Deutschland kritisiert Haftstrafe gegen Prix-Goncourt-Gewinner

23. April 2026
Redaktion Börsenblatt

Ein algerisches Gericht hat den in Paris lebenden Schriftsteller Kamel Daoud, der 2024 für "Huris" den Prix Goncourt erhielt, in Abwesenheit zu einer dreijährigen Haftstrafe ohne Bewährung verurteilt. Das kritisiert PEN Deutschland scharf.

Cover der deutschen Ausgabe

Cover der deutschen Ausgabe

Hinzu kommt eine hohe Geldbuße. PEN Deutschland kritisiert dieses Urteil als massiven Angriff auf die Meinungs- und Kunstfreiheit. Grundlage der Gerichtsentscheidung ist der Roman "Houris", mit dem Kamel Daoud das gesetzliche Sprechverbot über das "Schwarze Jahrzehnt" im auslaufenden 20. Jahrhundert brach, als in Algerien ein blutiger Bürgerkrieg zwischen dem Militärregime und islamistischen Gruppen tobte. Während das Versöhnungsgesetz die Täter schützt, kriminalisiert Artikel 46 jeden, der die Grausamkeiten des Bürgerkriegs literarisch aufarbeitet. "Damit erklärt das Gericht nicht den Mord zum Verbrechen, sondern dessen literarische Protokollierung", so PEN Deutschland.

Tabu des Schweigens gebrochen

Najem Wali, Vizepräsident und Writers-in-Prison-Beauftragter des PEN Deutschland, sagt: "Daouds 'Verbrechen' besteht also offenbar darin, dass er das Tabu des Schweigens gebrochen hat. Durch dieses Schweige-Gesetz wurden in der Praxis groteskerweise Tausende Terroristen straffrei gestellt – und nun wurde ein Schriftsteller verurteilt. Die Feder wird in Algerien offiziell als eine Waffe anerkannt, die mächtiger ist als eine Bombe."

Für "Houris" wurde Kamel Daoud 2024 mit dem französischen Prix Goncourt ausgezeichnet. Die deutsche Ausgabe, übersetzt von Holger Fock und Sabine Müller, ist im August 2025 bei Matthes & Seitz Berlin erschienen.