Die Jury hat einstimmig entschieden: Der Rattenfänger-Literaturpreis 2026 geht an die Leipziger Comiczeichnerin und Grafikerin Anna Haifisch für ihr Bilderbuch "Die Grille in der Geige" (Rotopol Verlag, Kassel). Seit 1984 verleiht die Stadt Hameln alle zwei Jahre den mit 5.000 € dotierten Rattenfänger-Literaturpreis, in diesem Jahr würdigt sie eine Neuinterpretation der Fabel von der Ameise und der Heuschrecke.
Damit zeichnet die Jury ein Bilderbuch aus, das sich in die Tradition der Tierfabel stellt. Die Geschichte von der Grille, die den ganzen Sommer über musiziert und tanzt und sich zu keiner Zeit Gedanken um Vorsorge für den Winter macht, gehöre zu den bekanntesten Fabeln überhaupt, wie die Jury berichtet, und wurde bereits vielfach adaptiert.
Die Jury begründet ihre Entscheidung wie folgt: "Anna Haifischs Bilderbuch-Neuinterpretation holt den Ursprungstext in die Gegenwart und fügt der Fabel nun eine weitere Perspektive hinzu: Die Daseinsvorsorge einer Gesellschaft kann nicht mehr ausschließlich auf materielle Dinge reduziert werden. Kunst und Kultur sollten ebenso dazugezählt werden, sie sind ein fester Bestandteil unseres Lebens, Miteinanders und unserer Identität. Damit entwickelt die Künstlerin eine neue Lesart für die gegenwärtige Zeit und macht dies stilistisch vergleichbar zu ihrem famosen Kunst-Comic-Epos 'The Artist': Lakonisch in der Erzählweise, mit pointiertem Humor und graphisch fernab vom Mainstream."
Die Preisverleihung findet am 13. November im Theater Hameln statt. Zusätzlich wurden zehn weitere Kinder- und Jugendbücher in die Empfehlungsliste des 21. Rattenfänger-Literaturpreises aufgenommen und als besonders wertvoll ausgezeichnet.