Literaturpreise

Karl-Heinz Ott erhält Friedrich-Schiller-Preis

17. Juni 2026
Redaktion Börsenblatt

Der mit 40.000 Euro dotierte Friedrich-Schiller-Preis des Landes Baden-Württemberg geht in diesem Jahr an den Autor, Essayist, Dramatiker und Übersetzer Karl-Heinz Ott. Es ist der bedeutendste Literaturpreis des Landes und wird im Herbst in Marbach verliehen.

Foto von Karl-Heinz Ott, der vor einem Mikrofon sitzt

Karl-Heinz Ott

Karl-Heinz Ott erhält den Friedrich-Schiller-Preis 2026 des Landes Baden-Württemberg. Ausgezeichnet wird der bei Freiburg lebende Autor, Essayist, Dramatiker und Übersetzer für sein literarisches und essayistisches Werk.

Der Preis ist mit 40.000 Euro dotiert und wird alle zwei Jahre verliehen. Die Verleihung findet am 27. September im Deutschen Literaturarchiv Marbach in Schillers Geburtsstadt Marbach statt. Die Laudatio hält der Literaturwissenschaftler und Autor Jochen Hörisch.

"Mit Karl-Heinz Ott ehren wir einen Autor, der die großen Fragen unserer Zeit ebenso eindringlich beleuchtet wie die prägenden Gestalten unserer Kulturgeschichte. In seinen Werken setzt er sich unter anderem mit Persönlichkeiten wie Hölderlin und Händel auseinander und schafft einen Zugang aus heutiger Sicht. Seine Romane zeichnen ein ebenso präzises wie lebendiges Bild der bürgerlichen Gesellschaft der Gegenwart und knüpfen dabei an die große Erzähltradition des 19. Jahrhunderts an. Mit außergewöhnlicher intellektueller Tiefe und literarischer Kraft erkundet Karl-Heinz Ott die deutsche Kultur- und Mentalitätsgeschichte und macht ihre Spuren in unserer Gegenwart sichtbar. Zugleich richtet er seinen scharfen Blick aber auch auf demokratiefeindliche Entwicklungen, Radikalisierung und die Rückkehr autoritärer Denk- und Herrschaftsformen", so Kunstministerin Petra Olschowski.

Auszeichnung für Karl-Heinz Otts literarische Handschrift

Eine unabhängige Jury unter dem Vorsitz von Ministerin Petra Olschowski entschied über die Vergabe. Der Jury gehörten Iris Radisch (Die Zeit), Sandra Kegel (Frankfurter Allgemeine Zeitung), Lukas Bärfuss, Jan Bürger (Deutsches Literaturarchiv Marbach), Christian Holtzhauer (Nationaltheater Mannheim), Sigrid Köhler (Universität Tübingen), Stefanie Stegmann (Literaturhaus Stuttgart) und Frank Hertweck (Südwestrundfunk) an.

Das Preisgericht ehrt Karl-Heinz Ott als einen der originellsten Wahrnehmungskünstler der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Sein Sinn für groteske Komik und alltägliche Tragik verbinde sich mit tiefgründiger Analyse deutscher Wirklichkeit.

Als Höhepunkt seines bisherigen Werks hebt die Jury den 2025 bei Hanser erschienenen Beziehungs- und Reiseroman "Die Heilung von Luzon" hervor: Darin treffen drei deutsche Paare in einem philippinischen Strandhotel in existenzieller Not aufeinander, drei der sechs Personen gelten als unheilbar krank. Ott nutze dies für ein "psychologisch versiertes Generationenporträt"; die Jury bezeichnet das Buch als "meisterhafte Parabel über die Grenzen der Rationalität".

Otts literarische Prägung kommt aus dem Theater: Nach dem Studium arbeitete er zunächst als Schauspielmusiker und Dramaturg, hatte Stationen in Esslingen und Freiburg, war drei Jahre Chefdramaturg an der Oper in Basel und anschließend am Theater Neumarkt in Zürich. Seit 1997 lebt er als freier Schriftsteller in der Nähe von Freiburg.