Messetagebuch I

"Umständlicher als sonst"

14. Oktober 2020
von Börsenblatt

Wie erlebt die Buchbranche diese so ganz andere Messezeit? Das Börsenblatt hat nachgefragt - heute bei Gunvor Schmidt, Projektleiterin des Deutschen Buchpreises.

Montag. Wie immer beginnt die Buchmesse für mich mit der Verleihung des Deutschen Buchpreises. Das ist der Tag, auf den seit Monaten alles zugelaufen ist. Nie mussten wir so sehr darum bangen, dass alles funktionieren kann wie geplant. Nie haben wir uns so ausführlich mit kleinsten Wegen und hygienischen Handgriffen beschäftigt, mit täglich neuen Regelungen und der Reiseplanung für die Beteiligten. Eine ganz neue Erfahrung: das Zittern auf ein Testergebnis derjenigen, die aus einem Risikogebiet nach Frankfurt kamen – obwohl Frankfurt selbst schon die Marke überschritten hatte. Aber auch: das Glück zu erfahren, dass alle Tests negativ ausgefallen sind. Also positiv für uns.

Und Glück haben wir bis zum Schluss an diesem Tag. Ja, wir hätten gerne ein richtiges Publikum dabeigehabt. Und anschließend mit allen gefeiert. Das ging dieses Jahr nicht. Gastfreundschaft wird einem durch Corona wirklich schwer gemacht. Aber der Kaisersaal ist hell erleuchtet, alle sind gut vorbereitet und sehr sorgfältig. So können wir unseren Preis eben doch vergeben, aller Unwahrscheinlichkeit zum Trotz, und der Jubel bei der Verkündung der Preisträgerin fühlt sich fast ein bisschen an wie Feiern.

Buchpreisverleihung 2020 im Kaisersaal

Dienstag. Relativ frisch, denn die Sperrstunde schützt ja jeden vor einem zu langen Abend. Normalerweise würden jetzt schnell noch die wichtigsten Nachbereitungen im Büro erledigt, bevor es zum Aufbau an den Stand geht. Ich sitze an meinem Computer. Wie war es eigentlich möglich, diese Dinge mit dem Handy zwischen Umzugskisten zu erledigen? Die Preisträgerin beginnt heute ihre Messetournee. Umständlicher als sonst, weil es durch ganz Frankfurt, später bis nach Berlin geht, anstatt nur von einer Messehalle zur anderen. Aber der Kalender ist voll wie immer.

Mittwoch. Auf dem Weg ins Büro denke ich an die vielen ersten Messetage, seit ich in Frankfurt wohne. Die Energie, die Spannung überall, die gab es so nur ein Mal im Jahr. Heute tritt die Preisträgerin auf der ARD-Bühne auf. Wie im letzten Jahr. Wie immer. Noch nie konnte ich die Veranstaltung sehen, ich war immer irgendwo anders in irgendeinem Gespräch. Die Liveübertragung fällt in meine Mittagspause. Ich kann mir etwas zu Essen holen und endlich einmal zuschauen.