Spontan kauft Lea ein langes schwarzes Tüllkleid – für die Beerdigung ihres Vaters, der im Sterben liegt. Ein unendlich langsamer Abschied, der schon vor Jahren mit einem Schlaganfall begonnen hat. Der nahende Tod als Dauergast am Familientisch und der unbedingte Lebenswille eines Teenagers, der nach unbeschwerten Sommertagen und der ersten Liebe verlangt: Darum kreist Nefeli Kavouras’ Buch "Gelb, auch ein schöner Gedanke".
Ihr Romandebüt, im Februar bei KiWi erschienen, wirft einen schonungslosen Blick auf die Details in einem Sterbezimmer, besticht aber besonders durch raue Zärtlichkeit. Im Wechsel erzählen Lea und ihre Mutter Ruth von einem Leben im permanenten Ausnahmezustand und dem schmerzhaften Ablöseprozess der Pubertät: "Früher waren wir auch mal wie andere Familien. Und jetzt sind wir Halbleichen im Sterbezimmer und Halbleichen auf dem Sofa, plus Tochter", denkt Lea. Doch dann, zur Halbzeit der Geschichte, vollzieht sich eine kafkaeske Verwandlung, die allen eine neue Perspektive auf den Tod und die eigene Zukunft eröffnet. Und die zeigt: Nicht nur das Leben ist das, was wir daraus machen, sondern ebenso das Sterben. (cro)
Nefeli Kavouras: "Gelb, auch ein schöner Gedanke". Kiepenheuer & Witsch, 240 S., 23 Euro