Das Buchbranchen-Update

Neues Label "Von Menschen gemacht" ++ Frankfurter Buchmesse ++ Deutscher Verlagspreis

12. Oktober 2026
Redaktion Börsenblatt

In dieser Folge geht es um das neue Label der Kinder- und Jugendbuchverlage, ein positives Zwischenfazit zur Frankfurter Buchmesse und Shida Bazyars Auszeichnung mit dem Deutschen Buchpreis. Außerdem: der Literaturnobelpreis für Anne Carson, neue Verlagsinitiativen, Markttrends und wichtige Nachrichten aus Buchhandel und Verlagsbranche.

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Neue Label

18 deutschsprachige Kinder- und Jugendbuchverlage führen gemeinsam das Label "Von Menschen · geschrieben · gestaltet · geprüft" ein. Worum geht's? Das Label soll zeigen: Menschen schreiben die Texte, gestalten die Illustrationen und prüfen die Bücher redaktionell.

Das Label ist aber keine pauschale Absage an künstliche Intelligenz. Erlaubt ist der unterstützende Einsatz von KI weiterhin, etwa für Prozesse, Analysen oder Recherchen. Es soll vielmehr deutlich werden: Alle kreativen Inhalte stammen von Menschen, und die redaktionelle Verantwortung bleibt im Verlag. Damit wollen die Verlage menschliche Kreativität sichtbar machen und die Leistungen der Autor:innen, Illustrator:innen und Übersetzer:innen schützen.

Entwickelt wurde das Label von einer Arbeitsgruppe der Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlagen, kurz avj. "Gerade bei Büchern für Kinder und Jugendliche ist das für uns ein wesentliches Qualitätsversprechen", sagt Juliane Voorgang vom Kosmos Verlag.

Dass die Initiative gerade aus den Kinder- und Jugendbuchverlagen kommt, ist kein Wunder. Auf Onlineshops wie Amazon fluten minderwertige KI-Bücher ganze Warengruppen wie Bilderbücher. Bei Kindle Direct Publishing dürfen darum nur noch zwei Titel pro Woche und Genre hochgeladen werden. Transparenz fehlt den Kund:innen aber weiterhin. Das zeigten zwei voneinander unabhängige Befragungen von Bitkom und BoD im Vorfeld der Messe. Auch der Dienstleister BoD will mit einem freiwilligen Label Selfpublisher:innen dazu animieren, ihren Umgang mit KI offenzulegen.

Deutscher Buchpreis

Im voll besetzten Kaisersaal des Frankfurter Römers brandete am Montagabend der Applaus auf: Shida Bazyar erhielt für "Die Lücken" den Deutschen Buchpreis. Ihr Roman verbindet erfundene und historische Figuren und spannt den Bogen über fast hundert Jahre deutsches Leben. Die Jury nennt ihn "einen Roman gegen Gleichgültigkeit".

In ihrer Dankesrede sagte Bazyar unter anderem, dass es nicht leichtfalle, Freude zu empfinden, wenn man einen Roman über Menschen schreibe, die verfolgt, terrorisiert und ermordet werden. Sie erhält 25.000 Euro Preisgeld. Das Team von Kiepenheuer & Witsch habe sich "von ganzem Herzen über die Auszeichnung" gefreut, und der Verlag druckt 100.000 Exemplare in sechster Auflage nach.

Neues Hallenkonzept der Frankfurter Buchmesse

Der scheidende Messedirektor Juergen Boos hat ein positives Zwischenfazit gezogen. Das Feedback von Fachbesucher:innen und Publikum sei sehr gut. Zum Redaktionsschluss lag uns noch keine endgültige Bilanz vor, aber laut Messe besuchten am Mittwoch und Donnerstag insgesamt 65.000 Fachbesucher:innen aus 130 Ländern die Messe. 4.000 Aussteller:innen waren dabei und 3.800 Events wurden gefeiert – das entspricht alles dem Vorjahresniveau. Auch das Agentenzentrum war ähnlich stark gebucht wie im Vorjahr. Frische Zahlen gibt's Anfang der Woche auf boersenblatt.net.

Antrag der Grünen

Die Grüne Bundestagsfraktion hat einen Antrag zur Stärkung von Buchhandel und Verlagen beschlossen. Er fordert eine gesetzlich verankerte Förderung kleiner, unabhängiger Verlage, den Verzicht auf das Haber-Verfahren beim Deutschen Buchhandlungs- sowie Verlagspreis und eine transparente Ausgestaltung der Verfahren. Außerdem sollen Leseförderung, der Schutz von Urheber:innen gegenüber KI-Anbietern und ein Gewerbemietrecht zum Schutz lokaler Buchhandlungen gestärkt werden. Börsenvereinsvorsteher Sebastian Guggolz begrüßt das Konzept als "ermutigendes Signal aus der Politik".

News aus Verlagen in KW 41

Wolfram Weimer hat den Deutschen Verlagspreis auf der Frankfurter Buchmesse verliehen. Die Spitzenpreise, dotiert mit je 50.000 Euro, gingen an kunstanstifter, Merve und Voland & Quist. Der erstmals vergebene Innovationspreis ging an mairisch, der Nachhaltigkeitspreis an Shift Books. Insgesamt wurden 85 Verlage ausgezeichnet.

Der DK Verlag startet im Frühjahr 2027 mit DK flip ein Imprint für erzählende Kinderbücher. Das Auftaktprogramm umfasst elf Titel, vor allem für Leser:innen zwischen sechs und zwölf Jahren. Auf der Leipziger Buchmesse will DK das neue Programm vorstellen. Neben Lizenztiteln sollen auch Originalausgaben künftig eine Rolle spielen.

Herder ist im Oktober mit "Herder Inspirational Novels" in die Belletristik eingestiegen. Die ersten vier Romane richten sich an Leser:innen in der Lebensmitte und erzählen von Umbrüchen, Liebe und Neuanfängen. Sie sollen unterhalten, Orientierung geben und Ratgeberthemen erzählerisch vermitteln.

Rowohlt hat mit "Studio Pick" eine neue Initiative für Leser:innen in ihren Zwanzigern und Dreißigern gestartet. Das erste Programm bündelt 13 Titel aus verschiedenen Verlagsbereichen. Junge Mitarbeiter:innen wollen den Auftritt im Austausch mit der Community weiterentwickeln. Gestartet ist "Studio Pick" zur Frankfurter Buchmesse mit einem eigenen Instagram-Auftritt.

News aus dem Buchhandel in KW 41

Der Halbjahresreport von NielsenIQ BookData und GfK zeigt: In elf von 19 untersuchten Regionen wuchs der Buchumsatz, besonders stark in Indien und Brasilien. Belletristik legte in drei Vierteln der Märkte zu. Krimis und Thriller sowie Romantasy gehörten zu den stärksten Genres. Graphic Novels verzeichneten vielerorts Zuwächse von mehr als 30 Prozent. Sachbücher legten nur in vier Märkten zu.

Hugendubel baut die Betreuung unabhängiger Buchhandlungen aus: Claudia Ordelmans und Sabine Kuckuck werden neue Ansprechpartnerinnen. Die Partnerwelt reicht vom Lageranschluss und digitalen Services bis zur vollständigen Übernahme und Integration ins Hugendubel-Netzwerk. Ab November schließt sich Thomas Schröder mit seinen drei Buchhandlungen in Flörsheim, Marburg und Frankfurt-Höchst der Partnerwelt an.

Aktuelle Literaturpreise

Hannah Häfners Roman "Die Riesinnen" wurde zum "Lieblingsbuch der Unabhängigen" gewählt. Fünf Romane hatten es aus rund 210 Einreichungen ins Finale geschafft. In der Schlussabstimmung entschieden sich die unabhängigen Buchhändler:innen für Häfners Titel. Die Wahlbeteiligung war laut Organisationsteam so hoch wie nie. Auf der Shortlist standen erstmals nur Romane von Autorinnen.

Die kanadische Autorin und Lyrikerin Anne Carson hat den Literaturnobelpreis erhalten. Die Schwedische Akademie würdigt ihr "mutiges und innovatives Werk, das im spielerischen Dialog mit der klassischen Tradition neue Formen für die zeitgenössische Literatur geschaffen hat". Besonders hervorgehoben wurde Carsons Fähigkeit, unterschiedliche Zeiten, Stimmen und Perspektiven miteinander zu verbinden. Die letzten Bücher der Altphilologin in deutscher Sprache sind bei Matthes & Seitz, S. Fischer sowie bei Turia + Kant erschienen.

Der Deutsche Kinderbuchpreis wurde in Stuttgart verliehen. Die Kinderjury kürte Christian Wichmanns "Eine Oma für alle Fälle" zum Sieger. Sonderpreise gingen an Martin Fontanellaz und Anna Horak für "Ich seh in dir, was du nicht siehst" sowie an Leo Timmers für "Kiki und ich".

Vor 1.500 Zuschauer:innen wurden auf der Frankfurter Buchmesse die besten Kinder- und Jugendbücher ausgezeichnet. Außerdem wurde Jutta Richter für ihr schriftstellerisches Gesamtwerk geehrt. Hier die Preisträger:innen beim Deutschen Jugendliteraturpreis: Bestes Bilderbuch: "Hier kommt ein T-Rex vor" (Aladin Verlag); Bestes Kinderbuch: "Keine Party ist auch keine Lösung" (Klett Kinderbuch); Bestes Jugendbuch: "Das falsche Leben" (Gerstenberg); Bestes Sachbuch: "Schweigen" (Avant Verlag). Die Wahl der Jugendjury fiel auf "Badjens" (Orlanda Verlag).

In der Buchmesse-Woche wurden natürlich noch viele andere Preise vergeben. Das sind zu viele Namen für diese Folge – eine Übersicht findet ihr auf boersenblatt.net.

Young Professionals

Die Jungen Verlags- und Medienmenschen haben auf der Frankfurter Buchmesse vier Verlage mit dem Gütesiegel für Volontariate ausgezeichnet: Hueber, BW Bildung und Wissen, Ernst Klett und Kiepenheuer & Witsch. Das Gütesiegel steht für Standards wie Ausbildungspläne, feste Betreuung, regelmäßiges Feedback, Überstundenregelungen und Fortbildungsmöglichkeiten. Der Hueber Verlag wurde erstmals, die anderen drei bereits zum wiederholten Mal ausgezeichnet.

Kurz notiert

Vom 7. bis 10. November bringt das Queere Literaturfestival München Lesungen, Gespräche und Schreibworkshops in den Gasteig HP8. Zu Gast ist unter anderem Booker-Prize-Nominee Tash Aw.

Die Stuttgarter App ReadBee gewinnt den CONTENTshift Award. Sie bereitet Buchseiten für Kinder mit Leseschwierigkeiten auf, etwa mit Silbentrennung, angepasster Schrift und Verständnisfragen.

PocketBook gab auf der Buchmesse Einblicke in sein SRP-Tool für Suche und Empfehlungen in den Shops unabhängiger Buchhandlungen und kündigte neue E-Reader an.