Paul-Celan-Preis 2026 geht an Stefan Moster
Der Deutsche Literaturfonds vergibt den Paul-Celan-Preis 2026 an Stefan Moster. Ausgezeichnet wird seine Übersetzung von Volter Kilpis Roman "Zur Kirche" (mare Verlag).
Stefan Moster
Der Deutsche Literaturfonds vergibt den Paul-Celan-Preis 2026 an Stefan Moster. Ausgezeichnet wird seine Übersetzung von Volter Kilpis Roman "Zur Kirche" (mare Verlag).
Stefan Moster
Wie der Deutsche Literaturfonds mitteilte, erhält der Übersetzer Stefan Moster den diesjährigen "Paul-Celan-Preis". Der Preis wird jährlich für herausragende Übersetzungen ins Deutsche vergeben und gilt als eine der bedeutendsten Auszeichnungen für literarische Übersetzungen im deutschen Sprachraum. Seit 2024 ist er mit 25.000 € dotiert. Verliehen wird er für ein Gesamtwerk, jedoch auf Grundlage einer besonders herausragenden Einzelleistung.
Laut Jurybegründung umfasst Stefan Mosters Übersetzungswerk finnische Prosa, Lyrik, Kinderliteratur und Dramen. Er habe damit Texte unter anderem von Mirkka Rekola, Jouni Inkala, Petri Tamminen, Hannu Raittila, Rosa Liksom, Sofi Oksanen, Pajtim Statovci und Daniel Katz "vom nordöstlichen Rand Europas in unseren Gesichtskreis" gerückt und sie "zu einer Bereicherung der deutschsprachigen Literatur" gemacht.
Besonders gewürdigt wird Mosters Übertragung des Werks von Volter Kilpi (1874–1939), das die Welt finnischer Bauern und Seefahrer in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts beschreibt. Nach dem Monumentalwerk "Im Saal von Alastalo" hat Moster mit "Zur Kirche" einen weiteren Band der Schärentrilogie übersetzt. Für diesen Roman spricht ihm die Jury den Preis zu.
Thema des Buches ist die dreistündige Fahrt von etwa hundert Schärenbewohnern zum Gottesdienst auf der Kirchinsel, die in der Mittsommersonne "zu einer Feier des Lebens" wird. Das traditionalistische Leben der Protagonisten werde dabei "mit literarischen Mitteln der Moderne inszeniert, von Multiperspektivität bis zum stream of consciousness".
Die Jury hebt vor allem die sprachliche Leistung hervor: Moster habe die "funkelnde, fantasiestrotzende, klangvolle Sprache" des Romans "mit fulminanter Erfindungsenergie übertragen". Sein Deutsch zeichne sich durch "barocke Üppigkeit" und "ausufernde, endlose, geschmeidige Sätze" aus. Auch dank präzise recherchierter Terminologie zu Fischerei, Bootsbau und Landwirtschaft lasse die Übersetzung Leser:innen am "längst vergangenen Kosmos der Schärenbewohner" teilhaben. Die Jury spricht von einer "meisterhaften, der sensationellen Übersetzungsleistung".
Der Jury gehören Svenja Becker, Uwe Englert, Stephan Kleiner, Patricia Klobusiczky und Christiane Körner an. Der Paul-Celan-Preis wird zusammen mit dem "Großen Preis des Deutschen Literaturfonds" und weiteren Auszeichnungen am 26. November im Literarischen Colloquium in Berlin überreicht. Die Laudatio hält Judith Weber, Verlegerin des Mare Verlags.