Messe-Premiere in Leipzig

Perfekter Start: Wie der Lampe Verlag die Buchmesse erobert

20. März 2026
Kai-Uwe Vogt

Kaum gegründet, schon in aller Munde: Der Berliner Lampe Verlag erlebt auf der Leipziger Buchmesse einen Auftakt, von dem viele nur träumen. Dafür sorgt auch ein sehr prominenter Kritiker – mit direkten Folgen für den Messestand.

Viktor Hilgemann und Christiane Lahusen Arm in Arm am Messestand

Viktor Hilgemann und Christiane Lahusen Arm in Arm am Messestand

Ritterschlag zum Auftakt

Es ist ein Moment, der für einen neugegründeten Verlag wie ein Ritterschlag wirkt. Kaum 90 Sekunden spricht Literaturkritiker Denis Scheck auf der "druckfrisch"-Bühne der Leipziger Buchmesse, da hält er eine der handlichen Bücherkassetten des Lampe Verlags in die Kamera. Man solle die Messe nutzen, um Neues zu entdecken, anstatt wie "ein andalusischer Brunnenesel immer denselben Kreis abzuschreiten". Die Bücherkassetten des Verlags seien eine "geniale Idee". Als erste Empfehlung seiner Liste nennt er die Standnummer (Halle 5, K207) und adelt gleich zwei Schuber: die feministische Anthologie "Ihrer Zeit voraus" und die Sammlung "Im Bett". Mehr Lob zum Auftakt geht nicht.

Andrang am kleinen Stand

Schon vor Schecks Auftritt als ich den Stand besuche, drängen sich die Besucherinnen und Besucher am Tresen. Die Schuber, die auf Bildern größer wirken, entpuppen sich als handliche Schmuckstücke, die leicht in die Sakkotasche passen - oder in die Gesäßtasche einer Baggypants. Es wird viel gekauft, und wer mehr mitnimmt, bekommt als Geschenk schicke Espressotassen dazu. Besonders der in Rottönen gehaltene Schuber "Ihrer Zeit voraus" mit sechs Bänden von Autorinnen, findet großen Anklang.

Für die Verleger Christiane Lahusen und Viktor Hilgemann ist die Messepremiere mehr als nur eine Verkaufsplattform. "Wir bekommen hier auch direktes Feedback von unseren Leser:innen und aus dem Handel", erklärt Lahusen, während ihr Kollege Hilgemann per Kartenterminal den nächsten Schuber verkauft. Man tauscht sich aus, beantwortet Fragen zum Verlagslogo, das an einen Lichtschalter erinnert, und die beiden erhalten viel Lob für die verspielte und doch klare Gestaltung der Schuber.

Buchschuber mit je vier bis fünf kleinen Broschüren

Buchschuber mit je vier bis fünf kleinen Broschüren

Konzentration aufs Wesentliche

Die Absage der Buchhandlungspreis-Verleihung und der Skandal um Kulturminister Weimer nimmt sie mit Kopfschütteln hin "Klar ist das ein Thema, alle Aussteller hier reden darüber, Weimers Verhalten ist nicht nachvollziehbar" – das Messegeschäft und für den Messealltag sieht Lahusen aber keine großen Auswirkungen.

Ihr persönliches Highlight: "Ich habe hier schon viele unserer Autor:innen schon auf Bühnen gesehen – übrigens auch gemeinsam", kann sich die Verlegerin freuen. Kein Wunder: Bei sechs Schubern mit jeweils vier bis sechs Bänden ist der Autor:innen-Stamm schon heute ziemlich beachtlich.