Das Buchbranchen-Update

PISA-Studie ++ Shortlist zum Deutschen Buchpreis ++ Österreichischer und Schweizer Buchpreis

14. September 2026
Redaktion Börsenblatt

Neuer PISA-Schock: Die Lesekompetenz sinkt weiter – in Deutschland hat sich der Anteil leseschwacher 15‑Jähriger seit 2015 verdoppelt. Außerdem läuten die neuen Shortlists den Bücherherbst ein: Noch sechs Romane sind im Rennen um den Deutschen Buchpreis, auch in Österreich und der Schweiz stehen die Listen.

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PISA-Studie

Die neue PISA-Studie zeigt: Die Lesekompetenz in Deutschland sinkt weiter. 15-Jährige erreichen im Lesen 465 Punkte, 44 weniger als 2015. Damit liegt Deutschland nur noch im Durchschnitt der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, kurz OECD. Der Anteil leseschwacher Jugendlicher hat sich seit 2015 von 16 auf 32 Prozent verdoppelt. Fast jede:r Dritte hat Schwierigkeiten, Informationen aus längeren Texten zu verbinden, Zusammenhänge zu erkennen oder Schlussfolgerungen zu ziehen. Auch am oberen Ende wird es dünner: Der Anteil besonders lesestarker Jugendlicher sank von zwölf auf sieben Prozent. Der Rückgang betrifft also das gesamte Leistungsspektrum. In der Buchbranche schrillen da natürlich die Alarmglocken. Börsenvereinsvorsteher Sebastian Guggolz kritisierte, es fehle eine strukturelle Leseförderung. Lesekompetenz hänge zu stark von der sozialen Herkunft ab. Der Staat müsse endlich handeln. Auch Bildungsforscher Samuel Greiff fordert frühe Diagnostik, gezielte Förderung und mehr Unterstützung für Schulen mit besonderen Herausforderungen. Dass junge Menschen ohne nötige Kompetenzen die Schule verlassen, dürfe die Gesellschaft nicht hinnehmen. Die Ergebnisse seien aber kein Schicksal: Andere Bildungssysteme zeigen, dass Verbesserungen möglich sind. Und Deutschland hat das nach dem PISA-Schock vor 25 Jahren schon einmal geschafft.

Shortlist Deutscher Buchpreis

Kommt es uns nur so vor oder ist der Hype dieses Jahr besonders groß? Die Shortlist für den Deutschen Buchpreis steht. Sechs Romane haben es ins Finale geschafft, ausgewählt aus 205 gesichteten Titeln. Die Jury um Sprecherin Cornelia Geißler setzt dabei auf eine große thematische und formale Bandbreite.

Shida Bazyar erzählt in "Die Lücken" von jüdischen Familien, NS-Profiteur:innen sowie kurdischen und iranischen Menschen, die in Deutschland Schutz suchen. Der Roman blickt über rund hundert Jahre deutscher Geschichte und lotet laut Jury die Grenzen des Heimatromans neu aus.

In Franziska Gänslers "Orca" geht es um die Freundschaft zweier junger Frauen, um digitale Kommunikation, Klassenunterschiede und ein Radikalisierungsszenario.

Valeria Gordeevs "Die Zikade entschlüpft ihrer goldglänzenden Hülle" verbindet gleich mehrere Perspektiven und Handlungsstränge. Der Roman spielt in Deutschland, der Ukraine und Russland und begegnet Krieg und autoritären Strukturen mit grotesken und surrealen Mitteln.

Elias Hirschls "Schleifen" führt dagegen in eine überdrehte Welt aus Sprachwissenschaft, Mathematik, Philosophie und der Suche nach der absolut gerechten Sprache.

Peggy Mädler verbindet in "Selbstregulierung des Herzens" ostdeutsche Geschichte mit der Entwicklung der Kybernetik. Dana Vowinckels "Anton und Alma" schließlich erzählt eine Liebes- und Familiengeschichte zwischen Berlin und New York, verknüpft mit Religion, Judentum, Antisemitismus und dem israelisch-palästinensischen Konflikt.

Verliehen wird der Preis am 5. Oktober zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse.

Auch andere Preise haben schöne Listen:

Gerade wurden die Longlists zum Österreichischen Buchpreis bekannt gegeben. Insgesamt hat die Jury zehn Titel für den Buchpreis und sechs für den Debütpreis ausgewählt.

Und auch die Schweiz hat die Shortlist für den Schweizer Buchpreis verkündet: Lukas Bärfuss, Hayat Erdoğan, Yael Inokai, Sonja Sophie Kreis und Sarah Elena Müller sind noch im Rennen. Vergeben wird der Preis am 15. November im Rahmen der BuchBasel.

News aus Verlagen in KW 37

Sechs unabhängige Berliner Verlage stehen auf der Shortlist für den Berliner Verlagspreis: Assoziation A, Edition Rugerup, Neofelis, SUKULTUR, Verbrecher Verlag und Weissbooks. Aus 70 Bewerbungen ausgewählt, geht es insgesamt um 68.000 Euro. Erstmals werden die Programme bei einem eigenen Shortlist-Abend am 24. September vorgestellt; die Preisverleihung folgt am 15. November.

GeraNova Bruckmann startet die Wissenschaftsreihe "P.M. Power Minds" für Kinder ab zehn Jahren. Die ersten vier Bände zu Evolution, künstlicher Intelligenz, Erde und Klima sowie Weltall und Raumfahrt erscheinen am 29. Oktober als Hardcover mit 80 Seiten. Durch die Themen führen die Comicfiguren Volt und Luna. Die P.M.-Magazinfamilie ist seit drei Jahren Teil des Verlagshauses und hat die Entstehung der Buchreihe begleitet. Das Segment ist für GeraNova Bruckmann Neuland.

Der Buchcover Award wird erstmals auf der Münchner Bücherschau verliehen, und zwar am 25. November. Eingereicht werden können noch bis 31. Oktober Cover von Novitäten aus Belletristik, Kinder- und Jugendbuch sowie Sachbuch. Die Preisverleihung liegt jetzt auch näher am Erscheinungstermin der Bücher. So wollen die Veranstalter den Handel und Buchkäufer:innen besser erreichen.

 

News aus dem Buchhandel in KW 37

In Aichach eröffnet am 12. September "Spielzeit by Thalia". Die rund 190 Quadratmeter große Filiale war zuvor als Spielwaren Krömer bekannt und wurde umfassend modernisiert. Das Sortiment reicht von Babyartikeln über Outdoor-Produkte bis hin zu saisonalen Themenwelten.

Das Leseförderungsprojekt "Lesetüte" wird ausgebaut. Die Stiftung Buchkultur und Leseförderung des Börsenvereins will mit Unterstützung der Auridis Stiftung künftig gezielt Schulen in sozial schwieriger Lage erreichen. Außerdem soll die Aktion stärker mit dem "Leseband" verknüpft werden, das täglich 20 Minuten zusätzliche Lesezeit im Unterricht vorsieht.

Kurz notiert

Die IG Leseförderung lädt am 24. September zum kostenlosen 60-minütigen Online-Abendseminar ein. Thema sind zweisprachige Bilderbücher. Es geht um Sichtbarkeit, Zielgruppen und Verkauf.

Österreich und Deutschland vergeben erstmals den Österreichisch-Deutschen Lyrikpreis. Ausgezeichnet werden je eine Lyrikerin oder ein Lyriker aus beiden Ländern mit jeweils 15.000 Euro.

München schreibt erstmals ein Hanne-und-Hermann-Lenz-Aufenthaltsstipendium für Autor:innen aus. Die dreimonatige Residenz im ehemaligen Wohnhaus des Ehepaars beginnt im Frühjahr und umfasst 2.500 Euro monatlich.