Auszeichnung

Berman Literature Prize an Hélène Cixous

15. Mai 2026
Redaktion Börsenblatt

Die französische Schriftstellerin und Professorin Hélène Cixous erhält den schwedischen Berman Literature Prize 2026. Mit ihm werden Autor:innen ausgezeichnet, die im Geist der jüdischen Tradition schreiben. Die Dotierung wurde dieses Jahr erhöht. 

Foto von Hélène Cixous

Hélène Cixous

Die Begründung der Jury lautet der Mitteilung der Preisstifter zufolge: "Hélène Cixous erhält den Berman Literature Prize für ihren Roman 'Osnabrück Hauptbahnhof nach Jerusalem', in dem Cixous poetische Memoiren geschrieben hat, die anhand der Zeugnissen von vier Generationen die Leere nach den Vertriebenen erforscht, das Abwesende kartografiert und den zum Schweigen gebrachten, eine Stimme verleiht."

"Hélène Cixous zählt zu den bedeutendsten Schriftstellerinnen, Dramatikerinnen und Denkerinnen unserer Zeit", so sagt der Jury-Vorsitzende Anders Rydell. "Wir freuen uns sehr, ihr den Preis zu verleihen. Ihr Werk ist umfangreich und vielschichtig. Was 'Osnabrück Hauptbahnhof nach Jerusalem' zu einem so wichtigen Buch macht, ist ihre sprachliche und philosophische Auseinandersetzung mit der Erinnerungskultur des Holocaust. Was lässt sich von dem Verlorenen erinnern? Wie verleiht man den Toten eine Stimme?"

Die Jury des Berman Literature Prize besteht aus Anders Herdevall Rydell, Mats Almegård, Natalie Bloch, Jens Liljestrand, Hynek Pallas und Lizzie Scheja.

Auf Deutsch liegen "Osnabrück Hauptbahnhof nach Jerusalem", übersetzt durch Esther von der Osten, und weitere Werke von Cixous beim Passagen Verlag vor. 

Zur Preisträgerin:

Hélène Cixous wurde in Oran, Algerien 1937 in einer jüdischen Familie mit Wurzeln in Marokko und Deutschland geboren. Sie debütierte 1969 mit dem biografischen Roman "Dedans", der ihr den Durchbruch bescherte. Cixous gilt als eine der einflussreichsten Autorinnen und Philosophinnen unserer Zeit. Sie hat über fünfzig belletristische Titel geschrieben, die weltweit veröffentlicht wurden. Sie ist eine zentrale Figur des poststrukturalistischen Feminismus und seit über vierzig Jahren als Hausdramaturgin bei der französischen Avantgardegruppe Théâtre du Soleil tätig. Geprägt vom Schicksal ihrer Familie während des Holocaust und des Vichy-Regimes, erforscht Cixous Themen wie Exil, Erinnerung und Erfahrung in einer literarischen Praxis, die durch sprachliche Innovation etablierte Machtstrukturen umstürzt. Hélène Cixous hat vier Bücher geschrieben, in denen sie immer wieder auf Osnabrück zurückkommt. In dieser Stadt wurde ihre Mutter 1910 geboren.

Die Preisverleihung 2026 findet am 20 Oktober in Stockholm statt.

Zum Preis:

Der Berman Literature Prize wurde im Jahr 2020 gestiftet. Mit ihm werden Schriftstellerinnen und Schriftsteller ausgezeichnet, die im Geist der jüdischen Tradition schreiben, sich der reichen jüdischen Kultur stellen, wie es in den Statuten des Preises heißt, und zugleich "die Zeiten und Kulturen zu überschreiten" versuchen, im Sinne eines universell Menschlichen.

Der Berman Literature Prize wird während zehn Jahre verliehen und ist ab diesem Jahr mit jährlich 1.000.000 Schwedische Kronen (umgerechnet rund 91.500 Euro) dotiert, zuvor waren es 750.000 Kronen.

Frühere Preisträgerinnen und Preisträger sind David Grossman (2021), Péter Nádas (2022), Maria Stepanova (2023) und Eduardo Halfon (2024).

Über die Stifter: Thomas Berman wurde 1943 in Stockholm, Schweden geboren. Er wuchs in Norrköping auf. Catharina Berman (geb. Wranne) wurde 1949 geboren. Sie wuchs in Stockholm auf. Im Jahr 2019 begann man in der Familie Berman, Gespräche über eine Schenkung zu führen, auf deren Grundlage ein Literaturpreis gestiftet werden sollte. Er sollte der jüdischen Tradition gewidmet sein.