Kinder- und Jugendbuch

Bilderbuchpreis Huckepack 2026: Die nominierten Titel

1. April 2026
Redaktion Börsenblatt

Zum elften Mal wird am 12. Juni im mittelhessischen Wetzlar der Huckepack Bilderbuchpreis verliehen – und die Jury hat elf Titel auf die Nominierungsliste gesetzt. 

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Eines der nummerierten Bücher

 

Den Gewinnertitel des Huckepack Bilderbuchpreises 2026 verkünden in Wetzlar die Phantastische Bibliothek Wetzlar und ihr Kooperationspartner in Bremen, das Bremer Institut für Bilderbuchforschung gemeinsam. Der Preis zeichnet ein Bilderbuch aus, das im besonderen Maße dazu geeignet ist, ein Kind im Rahmen des Vorlesens zu stärken und zu ermutigen. Kinder erleben das Huckepacknehmen in der Regel als etwas Positives: Jemand nimmt sie auf den Rücken und schenkt ihnen so Halt und einen guten Überblick. Diese Attribute sieht die Jury auch in den elf Titeln der Nominierungsliste: Sie alle seien dazu geeignet Kindern Stabilität zu verleihen und ihnen zu helfen, mutig nach vorn zu schauen.

Bei den 433 Bilderbüchern, die im Lauf des vergangenen Jahres von Lese- und Literaturpädagogen, pädagogischen Fachkräften, Bibliothekaren, Buchhändlern und Geschichtenerzählern eingehend auf ihr resilienzförderndes Potenzial hin gelesen wurden, fiel der Jury auf, dass sich viele Titel um eher stille Heldinnen und Helden drehten. Schüchternheit, Selbstvergessenheit, Mutismus – warum es in diesen Geschichten eher ruhig vonstattenging, konnte sehr unterschiedliche Gründe haben. Diese Beobachtung führte dazu, dass es sich in diesem Jahr bei dem pädagogischen Fachtag, der die Verleihung des Bilderbuchpreises jeweils umrahmt, um stille Kinder drehen wird. "Gehört werden – die Kraft der kleinsten Stimme" lautet das Thema der elften Bilderbuchveranstaltung rund um Huckepack am 12. Juni 2026.

Die Nominierungsliste 2026 

  • Julie Douine (Text) & Noémie Favart (Illustration): "Hier kommt ein T-Rex vor". Aus dem Französischen von Anja Kootz. Stuttgart: Aladin, 2025.

Um dem Grau der Hochhaussiedlungen zu entkommen, erzählt Ediths Papa seinem kleinen 'Grashüpfer' von der Natur, die es vor Jahrhunderten hier gegeben haben könnte. Wo heute Autos parken, gab es vielleicht Wolfsrudel und Dinosaurier. Dadurch angeregt möchte Edith vor ihrem Haus eine Zeder pflanzen! Es ist der Beginn einer visionären Reise bis weit in die Zukunft, die sie als Bürgermeisterin der Stadt maßgeblich mitgestaltet. 

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  • Gilles Baum (Text) & Amadine Piu (Illustration): "Ich kann Rad fahren". Aus dem Französischen von Ulrich Störiko-Blume. Hamburg: von Hacht, 2025.

Ein Schweinemädchen besucht seine strenge Omi, die gern klare Ansagen macht: die Enkelin soll Radfahren lernen! Das ist ganz schön anstrengend, es braucht Durchhalte-vermögen, bis es endlich klappt – unter Omas strengem Blick. Aber ist der wirklich nur streng? Oder auch ein bisschen wehmütig? Fürsorglich schraubt die Enkelin Stützräder an ein altes Fahrrad, damit auch Omi das Radfahrglück erleben kann. Berührende gegenseitige Ermutigung – auch für die Leser:innen eine beflügelnde Erfahrung!

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  • Sonja Stangl: "Wenn der Wind vom Meer erzählt". Innsbruck: Tyrolia, 2025.

Bär sitzt einsam auf einer Bank, er reagiert auf niemanden – bis ein Mädchen herausfindet, wie es zu ihm Kontakt aufnehmen kann: durch ein Hörrohr! Denn Bär ist alt und schwer-hörig. Doch er weiß viel über Geräusche und andere Sinneswahrnehmungen. Er nimmt das Mädchen mit auf eine Erlebnisreise durch die Natur, die sie nie mehr vergessen wird. Ein zart illustriertes Buch darüber, wie wertvoll es sein kann, anderen aufmerksam zuzuhören. Empathie öffnet die Sinne – und das Tor zur Welt!

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  • Tini Malina: "Selma, du machst das falsch!" Zürich: NordSüd, 2025.

Die künstlerische Spinne Selma trägt eine rote Baskenmütze, und sie ist anders als all ihre Verwandten. Mit ihren Netzen will sie nicht etwa Fliegen fangen, sondern die Pracht des Universums! So klettert sie auf ein sehr hohes Gebäude, wo eine uralte Spinne sie zum 'Weiterspinnen' ermutigt. Der unerschrockenen Selma gelingt das Unmögliche – und vom Weltall aus gewinnt sie die Anerkennung ihrer Artgenossen.

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  • Sophie Schmid: "Der Bär braucht Trost". Wien: Edition Nilpferd, 2025.

Etwas stimmt nicht mit Bär! Er liegt zu Hause im Bett und steht gar nicht mehr auf. Die anderen Tiere wollen helfen, aber nur Tiger spürt Bärs tiefen Kummer: Der Freund braucht Zuwendung und Trost. Gemeinsam und geduldig versuchen die Tiere in der herrlich bunt illustrierten Savannenlandschaft herauszufinden, wie Bär wieder aufgemuntert werden kann. Ein einfühlsames Buch über depressive Verstimmung, wahre Freundschaft und Fürsorge.

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  • Ziggy Hanaor (Text) & Daisy Wynter (Illustration): "Keine Angst, Humpty". Aus dem Englischen von Rusalka Reh. Frankfurt a.M.: Rotfuchs, 2025.

Humptys Eltern sind wirklich übervorsichtig – und ist das nicht berechtigt in einer Familie, die aus Eiern besteht und mit dieser bestürzenden Vorgeschichte von seinem Onkel, der beim Fall von einer Mauer kaputtging ...? Im Park lernt Humpty die abenteuerlustige Prinzessin Jean kennen. Ehe er sich’s versieht, erlebt er am eigenen Leib, dass er viel robuster ist als gedacht. So gestärkt kann er auch seinen Eltern erklären, dass sie ihm und sich viel mehr zutrauen und sogar Spaß dabei haben dürfen!

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  • Aaron Becker: "Der letzte Hüter der Tiere". Hildesheim: Gerstenberg, 2025.

Der riesige Roboter Noa versorgt die letzten Tiere in einer größtenteils überfluteten Welt. Gibt es für sie noch bewohnbaren Raum? Noa baut eine Arche, doch sie werden schiffbrüchig – und wunderbarerweise von einem zweiten Roboter gerettet. Traumhaft schöne, phantasievolle Bilder entführen in eine Zukunft ohne Menschen, in der Roboter für Fürsorge und Lebenswillen stehen. Ein grandios bebildertes Buch ohne Worte, das zugleich nachdenklich und zuversichtlich stimmt.

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  • Sophy Henn: "Ich hasse alles!" Aus dem Amerikanischen von Corinna Scherr. München: EMF, 2025.

Das große Gespenst hat richtig schlechte Laune und behauptet, alles zu hassen – doch das kleinere fragt ganz lieb nach und findet heraus, dass sein großer Freund auch viele Dinge nicht hasst. Je mehr gute Gedanken auftauchen, desto besser wird ihre Laune. "Ich liebe alles!" ist der Höhepunkt dieser gemeinsamen Suche nach dem Positiven. Sophy Henn hat die Kommunikation der ungleichen Gespenster humorvoll und mit ausdrucksstarker Mimik illustriert und zeigt wunderbar, wie auch Kleine manchmal Große Huckepack nehmen können.

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  • Susanne Straßer: "Rutsch doch, Dachs!" Wuppertal: Peter Hammer, 2025.

Das Zögern oben auf der Rutsche ist bekannt – wie auch das maue Gefühl, wenn sich auf der Leiter schon bald eine drängende Schlange bildet ... Dachs sitzt das tapfer aus. Irgendwann rennt das Kind von unten aus die Rutschfläche hoch! Und dann sind alle Freunde unten und strecken ermutigend die Arme aus, um Dachs aufzufangen. Jetzt endlich traut er sich, und zwar ganz alleine! Eine tolle Alltagsermutigung für die Allerkleinsten, die sogar noch eine besondere Pointe hat ...

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  • Tom Percival (Text) & Richard Jones (Illustration): "Malie. Jede Stimme ist wichtig". Aus dem Englischen von Svenja Greifenberg. Bielefeld: Calme Mara, 2025.

Malie ist ein kleiner Vogel mit einer ganz leisen Stimme. Als sie eines Morgens als erste ein unheimliches Geräusch hört und entdeckt, dass ein Bagger ihren Wald abholzt, versucht sie verzweifelt, die anderen Tiere zu warnen. Erst hören sie ihr nicht zu und nehmen sie nicht ernst. Doch Malie nimmt all ihren Mut zusammen und zeigt so: Auch eine kleine Stimme kann einen riesengroßen Unterschied machen!

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  • Anne Booth (Text) & David Litchfield (Illustration): "Mut tut gut". Aus dem Englischen von Mechthild Schroeter-Rupieper. Stuttgart: Gabriel, 2025.

In einer Höhle verschanzt sich jemand… Die anderen Kinder lassen ihn in Ruhe und gehen woanders spielen. Nur ein Junge interessiert sich für den 'Grummel' und lockt ihn schließlich mit Malkreiden und viel Geduld aus dem Versteck. Erst jetzt wird klar, dass der Grummel ein Kind ist, das gern dazugehören möchte! Ein sehr schönes Beispiel dafür, dass auch Kinder mit ihrer Achtsamkeit andere Huckepack nehmen und die Gesellschaft verändern können. 

Zum Preis:

Der Huckepack Bilderbuchpreis wurde im Jahr 2016 gemeinsam vom Bremer Institut für  Bilderbuchforschung und der Phantastischen Bibliothek Wetzlar ins Leben gerufen und begleitete ursprünglich das Projekt "Vorlesen in Familien", das in Wetzlar seit mehr als 20 Jahren dazu beiträgt, Kindern aus sogenannten bildungsfernen Familien durch das Vorlesen von Bilderbüchern eine solidere soziale Teilhabe zu ermöglichen. Der pädagogische verlag das netz habe die Relevanz des Projekts schon früh erkannt und stiftet seit Anbeginn das jährliche Preisgeld in Höhe von 1.000 Euro.