Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung

Georg-Büchner-Preis 2026 für Christine Wunnicke

9. Juli 2026
Redaktion Börsenblatt

Die Schriftstellerin Christine Wunnicke erhält den Georg-Büchner-Preis 2026. Das teilte die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung mit. Der mit 50.000 Euro dotierte Preis wird am 24. Oktober in Darmstadt überreicht.

CHristine Wunnicke sitzt auf einer Treppe

Christine Wunnicke beim Deutschen Buchpreis 2025, für den sie mit "Wachs" nominiert war

Jury lobt "Verblüffungskraft" und "subtilen Sprachwitz"

"Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung verleiht den Georg-Büchner-Preis 2026 Christine Wunnicke für ihr stets überraschendes und souverän konzipiertes Erzählwerk, das an so unterschiedlichen Schauplätzen wie Hollywood, Nagasaki oder Paris angesiedelt ist. Die Verblüffungskraft dieses Œuvres, sein unbekümmerter Eigensinn, die unbeirrbare Arbeit eines Vierteljahrhunderts beeindrucken die Leserinnen und Leser, die mit jedem Buch in eine neue faszinierende Auseinandersetzung zwischen Fakt und Erfindung verwickelt werden. Christine Wunnickes brillante Kunst macht im vermeintlich Historischen das Fiktionale sichtbar und ermöglicht so einen entlarvenden Blick auf die europäische Wissenschafts- und Kolonialgeschichte, ohne dabei die Empathie für ihre Figuren zu verleugnen. Wie nur selten vereinen sich in diesen Romanen, getragen von subtilem Sprachwitz und dem Verzicht auf Selbstreferenz, das Unterhaltende und die anspruchsvolle Reflexion auf so großartige wie diskrete Weise."

Über die Preisträgerin

Christine Wunnicke, geboren 1966 in München, studierte Linguistik, Altgermanistik und Psychologie in Berlin und Glasgow. Nach dem Studium arbeitete sie in der Wissenschaftsverwaltung der Max-Planck-Gesellschaft in München. Anfang der 1990er Jahre erschienen erste Hörspiele und Radiofeatures; ihre ersten Romane veröffentlichte sie mit "Fortescues Fabrik" (1998) und "Jetlag" (2000).

In ihren vielfach ausgezeichneten Büchern erzählt Wunnicke von außergewöhnlichen, historisch verbürgten Figuren und Wissenswelten, häufig angesiedelt in der ferneren Vergangenheit (17. bis 19. Jahrhundert). Dazu zählen etwa die bei Berenberg erschienenen "Der Fuchs und Dr. Shimamura" (2015) und "Katie" (2017), ein Roman über den Grenzbereich zwischen Wissenschaft und Spiritismus im London der 1870er-Jahre.

2020 erschien "Die Dame mit der bemalten Hand", ebenfalls bei Berenberg, ausgezeichnet mit dem Wilhelm Raabe-Literaturpreis und nominiert für die Shortlist des Deutschen Buchpreises. Ihr jüngster Roman "Wachs" (Berenberg 2025), angesiedelt im Frankreich des 18. Jahrhunderts, stand erneut auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises. 2025 wurde Wunnicke mit dem Jean-Paul-Preis für ihr Gesamtwerk geehrt, 2026 erhielt sie den Literaturpreis der Darmstädter Jury "Buch des Monats" für "Wachs". Am 22. Juli erscheint "Wachs" als Taschenbuch im Diogenes Verlag. Bei Matthes & Seitz Berlin kommt am 1. Oktober in der Reihe der "Naturkunden" ihr Band "Papageien. Ein Portrait".