Deutscher Verlagspreis 2026: Das sind die Spitzenpreisträger!
Am 9. Oktober hat Kulturstaatsminister Wolfram Weimer den Deutschen Verlagspreis 2026 vergeben. Dabei wurden auch die Gewinner der Spitzenpreise bekannt gegeben.
Am 9. Oktober hat Kulturstaatsminister Wolfram Weimer den Deutschen Verlagspreis 2026 vergeben. Dabei wurden auch die Gewinner der Spitzenpreise bekannt gegeben.
"Unabhängige Verlage sorgen für eine vielstimmige und lebendige demokratische Öffentlichkeit", sagte Kulturstaatsminister Wolfram Weimer, als er am 9. Oktober im Rahmen der 78. Frankfurter Buchmesse die 85 Preisträger des Deutschen Verlagspreises 2026 ausgezeichnete.
Ilka Winkler und Leif Greinus
Die Jury sagt: "Voland & Quist hat früh verstanden, dass Literatur nicht still zwischen zwei Buchdeckeln sitzen muss. 2004 von Leif Greinus und Sebastian Wolter in Dresden gegründet, begann der Verlag mit Texten aus der Spoken-Word- und Lesebühnenszene und entwickelte daraus ein Programm, das bis heute von Lust am Experiment, großer Publikumsnähe und einem sicheren Gespür für eigenwillige Stimmen geprägt ist. Mit der Reihe SONAR öffnete der Verlag den Blick früh nach Süd-, Ost- und Mitteleuropa und machte Autor*innen wie Ivana Sajko und Ziemowit Szczerek einem deutschsprachigen Publikum zugänglich. Längst reicht das Programm weiter: von Lyrik und literarischer Prosa über Komik bis zu illustrierten Kinderbüchern und Graphic Novels. Die Integration der edition AZUR hat insbesondere der Lyrik noch einmal größeres Gewicht verliehen. Autor*innen wie Nora Gomringer, Ralph Tharayil, Frieda Paris, Kirsten Fuchs, Alisha Gamisch oder Barbi Marković zeigen, wie gut es Voland & Quist gelingt, unverwechselbare Stimmen zu entdecken und ihnen langfristig einen Ort zu geben. Ein Verlag, der seine ostdeutsche Herkunft mit einem konsequent europäischen Blick verbindet und sich dabei seine Beweglichkeit und Neugier bewahrt hat."
Die Jury meint: "Dieser Verlag ist eine Legende unter den unabhängigen deutschen Verlagen: 1970 von Peter Gente im damaligen West-Berlin zunächst als zeitgemäßes Kollektiv gegründet, wurde er zum Labor für neue Theorien – zuerst aus Frankreich, später von überall dort, wo das zunächst scheinbar Abseitige originell und bahnbrechend wird. Das markante, puristische Design mit der Raute und den wechselnden Farben, das kleine, ungewöhnliche Format der Taschenbücher, die billige Produktion wurde zum Markenzeichen - Merve-Bände wurden Kult in studentischen Regalen und überall dort, wo man intellektuell ganz vorne dabei sein wollte. Und das ist bis heute so geblieben.
In den 1970er Jahren machten die Merve-Bände von Gilles Deleuze und Félix Guattari „Tausend Plateaus“ und „Rhizom“ das neue französische Denken auch diesseits des Rheins bekannt, Foucault, Lyotard, Agamben und Baudrillard wurden hier publiziert. Aber auch viele deutsche Autoren wollten einmal bei Merve gedruckt werden – von Rainald Goetz über Dirk Baecker bis zu Heinz Bude. Das Programm wurde seit den 2000er Jahren vor allem in Richtung Kunst- und Architekturtheorie erweitert.
2006 verkaufte Gründer Peter Gente das Verlagsarchiv und übergab den Verlag an Tom Lamberty. Und West-Berlin ging irgendwann in den Osten: Seit 2017 dreht sich das Rad der Theorie von Leipzig aus weiter, im klassischen Design und Format, mit erweitertem Programm: viele amerikanische Denkerinnen und Denker sind jetzt dabei, aber auch die Aufsehen erregende Wiederentdeckungen der unorthodoxen französischen Feministin Monique Wittig oder der Start eines Megaprojekts, der 35bändigen Werkausgabe des Literaturwissenschaftlers Friedrich Kittler, einem modernen Klassiker der deutschen Geisteswissenschaften. Merke: Seit 56 Jahren funktioniert bei Merve das Denken auch im kleinen Format ganz groß."
v. l.: Nele Deutschmann, Peter Reichenbach, Daniel Beskos, Nefeli Kavouras, Rhoda Nickelsen.
"Seit 1999 bringt der Hamburger Mairisch-Verlag Jahr für Jahr anregende & aufregende, nachdenkliche & sinnliche Bücher für Literaturbegeisterte heraus: zeitgenössische Prosa, Sachbücher, Kinderbücher, Graphic Novels, Hörspiele und Musik. Zum besonderen Profil des Verlags gehört es, ganz eigene, innovative Formen der Literaturvermittlung zu erproben und voranzutreiben. Vor 13 Jahren riefen die beiden Gründer Daniel Beskos und Peter Reichenbach den INDIEBOOKDAY ins Leben, eine Initiative zur Wahrnehmung unabhängiger Verlage und Buchhandlungen. Gleich bei der Premiere kamen über 15.000 Leserinnen und Leser dem Aufruf nach, ihr Lieblingsbuch eines kleinen Verlages in der Buchhandlung um die Ecke zu kaufen, ein Foto vom Cover zu machen und es mit dem Hashtag #indiebookday in den sozialen Netzwerken zu posten. Inzwischen ist der INDIEBOOKDAY zu einem Feiertag des unabhängigen Verlegens geworden, an dem sich Jahr für Jahr mehrere hundert Verlage und Buchhandlungen im In- und im Ausland mit Lesungen und Podiumsdiskussionen beteiligen. Auch bei der Gründung der HOTLIST im Jahr 2009, einer jährlich ermittelten Bestenliste für Bücher unabhängiger Verlage, war der Mairisch-Verlag beteiligt. Mit diesen Impulsen stärkt der Verlag die Sichtbarkeit der Verlagsvielfalt, die Reichweite der unabhängigen Verlage und den digitalen Austausch mit den Leserinnen und Lesern. Ebenso innovativ sind die analogen Mairisch-Aktionen vor Ort und unterwegs: Verlagstrips in die jeweiligen Gastländer der Frankfurter Buchmesse, die HAM.LIT, die Lange Nacht junger deutschsprachiger Literatur und Musik („Hamburgs coolste Literatur-Party“) oder das kulinarische Lesefestival SORBET: sinnlicher geht es nicht.", so die Jury.
Die Jury begründet: "Seit 20 Jahren stiftet der Kunstanstifter-Verlag mit Sitz in Mannheim mit besonderen Bilderbüchern zum Lesen an. Die Idee hinter dem Verlag steckt dabei schon im Namen: Menschen, vor allem Kinder, sollen für Kunst und gute Geschichten begeistert werden. Bücher sollen also nicht nur gelesen, sondern gesehen, gefühlt und entdeckt werden.
Kunstanstifter macht besondere Bilderbücher: Sie sind nicht nur Träger von Geschichten und Bildern, sondern auch physische Objekte, die man haptisch erleben kann. Fühlen und riechen, vielleicht auch schmecken. Auf jeden Fall wird das Buch so zum ganzheitlichen Erlebnis. Darum setzt der Kunstanstifter Verlag auf bewusst ausgewählte, nachhaltige Naturmaterialien und produziert ausschließlich in Deutschland.
Das Verleger-Duo Suse und Niklas Thierfelder hat es sich zur Aufgabe gemacht, auf dem riesigen Kinderbuchmarkt Grenzgänger zu suchen, die besonderen Bilderbücher, in denen die Illustrationen zu einer eigenen Kategorie werden und für sich sprechen. Dass das gelingt, beweist die kunterbunte Website mit den Verlagsauszeichnungen.
Was als Garagenversand begann, ist heute ein kleiner Verlag mit drei Mitarbeiter*innen, der bewusst unabhängig und bewusst eigensinnig gute Bilderbücher macht, für alle, die starke, unkonventionelle Illustrationen mögen. Für Menschen, die Bücher lieben."
Helena Melikov und Christian Dettler leiten den Verlag. Die Jury lobt: "Wer Nachhaltigkeit mit Verzicht verbindet, wird von den elegant und einfallsreich gestalteten Büchern von Shift Books eines Besseren belehrt. Mit einer beachtlichen thematischen Bandbreite verknüpft das Programm Fotografie, Kunst und Literatur und schafft frische Perspektiven. Ob historische Spurensuchen, künstlerische Auseinandersetzungen mit der Umweltkrise, digital erweiterte Romane oder schlicht-schlanke Lyrikbände, kein Buch gleicht dem anderen – außer in der umweltbewussten Herstellung. Die Verleger*innen Helena Melikov und Christian Dettler setzen auf Cradle-to-Cradle-Produktion, verzichten auf schädliche Chemikalien und tierische Stoffe, arbeiten mit regionalen, zertifizierten Druckereien zusammen, und sorgen u.a. mit langlebiger Ausstattung und wohlgeplanten Auflagenhöhen für einen verantwortungsvollen Umgang mit Materialien. Dabei sind ihre mehrfach ausgezeichneten Bände erstaunlich erschwinglich – Nachhaltigkeit soll schließlich auch kein Luxus sein. So lässt sich der Name „Shift“ – Verschiebung – im Sinne eines dringend benötigten, aber auch lustvollen Umdenkens verstehen."
Weitere 79 Verlage wurden mit einem Gütesiegel ausgezeichnet, das jeweils mit 18.000 Euro Preisgeld verbunden ist.
Daneben können jährlich bis zu drei Verlage mit einem Jahresgesamtumsatz von mehr als drei Millionen Euro ein undotiertes Gütesiegel erhalten. In diesem Jahr ging dieses Siegel an den Verlag "Matthes & Seitz Berlin".
Insgesamt wurden Preisgelder in Höhe von 1,62 Millionen Euro vergeben. Staatsminister Weimer: "Unabhängige Verlage lassen sich auf das Wagnis des Verlegens ein: Weil sie an ihre Themen glauben, weil sie von ihren Autorinnen und Autoren überzeugt sind, und weil sie ungewöhnlichen Sichtweisen und einzigartigen literarischen Handschriften eine Leserschaft geben wollen. Sie sorgen dafür, dass unsere Öffentlichkeit vielstimmig, offen und wach bleibt. Ohne ihre Freude an Neuentdeckungen wäre unsere Diskurskultur ärmer. Und genau das ist es, was Demokratie braucht: den Wettstreit der Ideen, den Austausch der Argumente und die Auseinandersetzung mit neuen Konzepten."
Die diesjährige Jury wählte die Preisträger aus insgesamt 279 Bewerbungen aus. Jörg Thadeusz, Vorsitzender der Jury, sagt: "Die Zusammenarbeit in der Jury war inspirierend und von großem gegenseitigem Respekt geprägt – getragen von einer echten Entdeckerfreude. Die kreative Bandbreite der eingereichten Programme bringt einen immer wieder zum Staunen und zeigt, wie lebendig und eigensinnig die Verlagslandschaft ist."
Weitere Jury-Mitglieder sind Alexander Cammann, Isabel Fargo Cole, Ines Dettmann, Katharina Holzmann, Prof. Dr. Friedhelm Marx und Deniz Utlu.
Partner des Deutschen Verlagspreises sind die Kurt Wolff Stiftung und der Börsenverein des Deutschen Buchhandels e.V.
Die vollständige Liste der Preisträger und weitere Informationen ist hier verfügbar.
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