Aficionado-Award 2026

Die Literatur-Ermöglicher

9. Oktober 2026
Nils Kahlefendt

Das großartige Übersetzungsprojekt Words Without Borders erhält den Aficionado-Award 2026. Die Preisverleihung fand auf der Frankfurter Buchmesse statt.

Gruppe v. l.: Ricky Stock, Erin Cox (Publishing Perspectives), Elisabeth Jaquette, Aleksi Siltala (Siltala Publishing, Finnland), Seid Serdarević (Mitglied der Vorjury, Verlag Fraktura, Kroatien) und Tom Kraushaar (Klett-Cotta)

Gruppe v. l.: Ricky Stock, Erin Cox (Publishing Perspectives), Elisabeth Jaquette, Aleksi Siltala (Siltala Publishing, Finnland), Seid Serdarević (Mitglied der Vorjury, Verlag Fraktura, Kroatien) und Tom Kraushaar (Klett-Cotta)

"Wir sind kein Verlag, wir bringen nicht das Buch heraus, das Sie am Ende in den Händen halten“, sagt Elisabeth Jaquette am Donnerstagmorgen auf der Global Stage der Frankfurter Buchmesse. "Wir leisten die Vermittlungsarbeit im Vorfeld. Wir bringen Autoren – ofmals Newcomer! – und Übersetzer mit Lektorinnen oder Literaturagenten zusammen. So kann es passieren, dass die Rechte eines isländischen Autors, von dem die Welt nichts wissen wollte, auf einmal in 18 Länder verkauft werden – und das Buch sogar auf der Longlist des Dublin International Prize auftaucht." 

Elisabeth Jaquette ist Übersetzerin aus dem Arabischen und Geschäftsführerin von Words Without Borders. Das Übersetzungsprojekt mit Sitz in Brooklyn, New York, veröffentlicht internationale Literatur in englischer Übersetzung. Es trägt damit dazu bei, literarische Stimmen aus aller Welt zugänglich zu machen, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf indigenen, vom Aussterben bedrohten und anderweitig vernachlässigten Sprachen liegt. Es wurde 2003 von Alane Mason, Programmleitung bei W. W. Norton, und der Spanisch-Englisch-Übersetzerin Samantha Schnee gegründet – nun erhält es den Aficionado-Award 2026. 

Über 20 Jahre Engagement

In der Begründung der Jury heißt es: "Words Without Borders widmet sich seit über zwanzig Jahren einer einfachen, aber wenig verbreiteten Aufgabe: dafür zu sorgen, dass Literatur, die nicht auf Englisch geschrieben ist, Leser:innen erreicht, die auf Englisch lesen. Das Magazin stellte Autor:innen wie Elena Ferrante, Olga Tokarczuk und Jon Fosse vor, lange bevor sie zu bekannten Namen wurden, ebenso wie Hunderte von Übersetzer:innen sowie Autor:innen, die in indigenen, vom Aussterben bedrohten und anderweitig übersehenen Sprachen arbeiten. Dieses Engagement ging stets über die Seiten des Magazins hinaus. Dieser Preis würdigt eine Organisation, die still und beständig den Kreis derer erweitert hat, deren Geschichten erzählt werden – und derer, die sie lesen dürfen." 

Elisabeth Jaquette mit der Urkunde zum Award

Elisabeth Jaquette mit der Urkunde zum Award

Zum Award:

Der Aficionado Award ehrt jährlich Personen, Organisationen und Initiativen, die die Publishing-Branche nachhaltig verändern. Nach der Präsentation einer Shortlist auf dem Salone Internazionale del Libro di Torino im Mai vor einem Fachpublikum wird er von einer internationalen Publishing-Community vergeben. 

Der in diesem Jahr zum vierten Mal vergebene Award ist eine Initiative von Tom Kraushaar (Klett-Cotta, Deutschland), Michael Gaeb (Gaeb & Eggers Agency, Berlin), Rebecca Servadio (London Literary Scouting, Großbritannien), Aleksi Siltala (Siltala Publishing, Finnland) und Camilla Cottafavi (Feltrinelli, Italien) und Claire Do Serro (Editions Planeta, France). Finanzielle unterstützt wird er von der Frankfurter Buchmesse und dem Salone Internazionale del Libro di Torino.