Diese Zwei erhalten den Anna Seghers-Preis 2026
Der Anna Seghers-Preis 2026 geht an die chilenische Schriftstellerin Daniela Cartileo und die deutsche Autorin Sonja M. Schultz. Der Preis ist mit jeweils 12.500 Euro dotiert.
Daniela Catrileo
Der Anna Seghers-Preis 2026 geht an die chilenische Schriftstellerin Daniela Cartileo und die deutsche Autorin Sonja M. Schultz. Der Preis ist mit jeweils 12.500 Euro dotiert.
Daniela Catrileo
Das teilte die Anna Seghers-Stiftung mit. Die 1987 in Santiago de Chile geborene Autorin und Philosophie-Dozentin Daniela Catrileo ist zweisprachig (Spanisch und Mapundungun) aufgewachsen. Ihre Erzählungen, Romane und Essays fokussieren Formen von rassistisch und sexistisch motivierter Gewalt. In der Begründung für die Vergabe des Preises betont die Jurorin Andrea Garcés, dass Catrileo sich aller Mittel und Gattungen der Literatur sowie der mündlichen Ausdrucksformen der Mapuche-Kultur bediene und darüber hinaus auch der Musik, der bildenden Künste und der Performance. Damit gemahne sie an die Existenz "verwundeter Sprachen" und lasse exilierte Erinnerung lebendig werden. Die chilenische Autorin habe ein Werk geschaffen, das mit jenem von Seghers darüber verbunden sei, dass es eine "fundamentale Sprache" schaffe, mit deren Hilfe die Gegenwart Chiles und Lateinamerikas auf neue Weise lesbar werde.
Daniela Catrileo hat an der Universidad Metropolitana de las Ciencias de la Educación ein Studium der Pädagogik und Philosophie absolviert. Sie organisiert literarische Workshops, ist aktives Mitglied des Mapuche-Kollektivs "Rangiñtulewfü" und war 2012, 2016 sowie 2020 Stipendiatin des chilenischen Ministeriums für Kultur, Kunst und Erbe. Catrileo engagiert sich für die Rechte der indigenen Bevölkerung Chiles. Als Schriftstellerin ist Catrileo bisher vor allem mit ihrem lyrischen Werk in Erscheinung getreten. Der Titel ihres ersten Gedichtbands "Río Herido" (2016) geht auf ihren eigenen Nachnamen zurück: "Catrileo" ist eine hispanisierte Form des Mapuche-Worts "katrü lewfü", das "verletzter Fluss" bedeutet. Ihre jüngste Publikation "Chilco" ist eine Fabel über Liebe, Leben und Freundschaft in einer Welt des Zerfalls.
Sonja M. Schultz
Die im Jahr 1975 im Umland von Hamburg geborene und in Berlin lebende Preisträgerin Sonja M. Schultz hat im Jahr 2019 ihr viel beachtetes Romandebüt "Hundesohn" vorgelegt. Ihr zweiter, 2025 im Aufbau Verlag erschienener Roman, "Mauerpogo", setzt junge rebellische Menschen ins erzählerische Zentrum, die in einem nicht mehr existierenden Land – der DDR – leben . Es geht um die Selbstbehauptung von Jugendlichen, "die in das normative Wertesystem einer Gesellschaft nicht passen wollen", sagt Juror Alexander Graeff. In Schultz` Prosa stelle das Poetische kein Gegensatz zum Politischen dar. "Es verbindet sich vielmehr Haltung mit einer sehr körperlichen, poetischen Schreibweise."
Sonja M. Schultz studierte Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte in Berlin. Sie promovierte 2012 mit einem Buch zum Thema Kino, Holocaust und deutsche Erinnerungskultur ("Der Nationalsozialismus im Film. Von Triumph des Willens bis Inglourious Basterds"), arbeitet als (Film)Journalistin, in Filmwissenschaft und Politischer Bildung, arbeitet nebenbei immer wieder an Dokumentar- und Kurzfilmprojekten aber auch anderswo schreibend und tritt hin und wieder mit Spoken Word und Songs auf alternativen Bühnen auf. 2019 erschien ihr Debütroman "Hundesohn" im Kampa Verlag. 2025 "Mauerpogo" im Aufbau Verlag, der mit dem Literaturstipendium des Berliner Senats gefördert wurde.
Andrea Garcés, geboren 1987 in Cali, Kolumbien, absolvierte ein Bachelor- und Masterstudium in Allgemeiner und Vergleichender Literaturwissenschaft an der Universidad de los Andes (Bogotá, Kolumbien) und der Freien Universität Berlin und hat zu Literaturen der Wüsten Amerikas promoviert. Neben ihrer Tätigkeit als Wissenschaftlerin arbeitet sie als Lektorin und Übersetzerin für das Gegensatz-Translation-Collective und Oreri—Iniziativa Editoriale und ist Mitglied des Literaturübersetzerkollektivs artiCHOKE.
Alexander Graeff, geboren 1976 in Bad Kreuznach, ist ein deutscher Schriftsteller und Philosoph. Er lebt und arbeitet auch als Dozent, Kurator und Literaturvermittler in Berlin und Greifswald. Graeff schreibt gleichermaßen philosophische und belletristische Texte. Er ist Mitgründer des PEN Berlin.
Der mit jeweils 12.500 Euro dotierte Anna Seghers-Preis wird von der Stiftung an junge Autorinnen und Autoren aus dem deutschen Sprachraum und aus Lateinamerika verliehen, die im Sinne von Anna Seghers eine Brücke zwischen den literarischen Welten des deutschen Sprachraums und Lateinamerikas schlagen und mit ihren Werken für eine gerechtere Welt eintreten. Die Auswahl übernehmen in jedem Jahr neu von der Stiftung beauftragte Persönlichkeiten aus dem literarischen Leben.
Die feierliche Verleihung des Anna Seghers-Preises 2026 findet am 6. Juni um 19 Uhr in der Akademie der Künste am Pariser Platz in Berlin statt. Die Verleihung findet im jährlichen Wechsel in Mainz und Berlin statt.