Wettbewerb Schönste Regionalbücher

Doppelt schön

18. Juni 2026
Nils Kahlefendt

Der Wettbewerb um Deutschlands schönste Regionalbücher will Verlage darin bestärken, auch bei ihren Regionaltiteln auf beste Qualität zu setzen. Dass man dabei nichts dem Zufall überlassen muss, beweist der Hamburger Wachholtz Verlag. Für die aktuelle Runde endet die Einreichfrist am 30. Juni.

Porträtfoto von Michael Kreuz

Michel Kreuz

Im letzten Herbst schien Michel Kreuz, verantwortlich für Herstellung und Grafik bei Murmann Publishers (Hamburg) und damit auch beim seit 2012 zum Haus gehörenden Wachholtz Verlag, ein Stück zu schweben: Beim von Börsenverein und Stiftung Buchkunst organisierten Wettbewerb ums schönste Regionalbuch gewann die von Heinrich Detering herausgegebene Lyrik-Anthologie "Meeresrauschen" 2025 in der Kategorie Belletristik, in der Kategorie Sachbuch/Ratgeber stand "Der Raub" von Cord Aschenbrenner auf der Shortlist. Der doppelte Erfolg ist für Michel Kreuz alles andere als Zufall – und ein Imprint mit Programm-Schwerpunkt in der Region alles andere als ein Aschenputtel, dass für eine alternde, platt schnackende Zielgruppe produziert. "Wir machen bei Wachholtz hochwertige Sachbücher zu populären aber auch 'nieschigen' Themen. Wir bemühen uns um zeitgemäße, moderne Gestaltung – wobei jedes Buch für sich steht und nicht in eine Reihen-Ästhetik gepresst wird."    

Das Cover von "Meeresleuchten"

Das Cover von "Meeresleuchten"

Der Wachholtz Verlag wurde 1924 in Neumünster gegründet, 2012 wurde der aus Kiel stammende Verleger Sven Murmann neuer Alleingesellschafter. 2024 gab Wachholtz seine Wissenschaftssparte an Nomos ab und konzentriert sich seitdem auf Sachbuch-Themen vor allem aus Schleswig-Holstein, Hamburg und Niedersachsen. Damit einhergehend erfolgte der Umzug des Murmann-Imprints nach Hamburg. Seit diesem Zeitpunkt verantwortet Michel Kreuz auch Herstellung und Gestaltung aller Wachholtz-Titel. "Optimaler Weise", erklärt er, "sind Herstellung und Gestaltung schon in einer sehr frühen Projektphase dabei." Im Fall von "Meeresleuchten", der Anthologie mit 100 Gedichten aus Schleswig-Holstein, war der Look im Verlag entstanden: Blaues Halbleinen kontrastiert mit unbezogener, rauer Graupappe, darauf heißfoliengeprägte Schrift in blau-metallic, passend zur nordisch-herben Küstenlandschaft. Die feine Innentypo übernahm die Hamburger Gestalterin Annalena Weber, keine Unbekannte beim Regionalbuch-Wettbewerb. Ein volumenhaltiges, warmes Werkdruckpapier komplettiert den gelungenen Gesamteindruck; gedruckt wurde in der Region, bei CPI in Leck. "Das ist zweifellos einer unserer engsten Partner, wobei wir die Zusammenarbeit von Fall zu Fall entscheiden", sagt Kreuz. "Manchmal bekommt eine gut aufgestellte Druckerei im Baltikum noch mal günstigere Konditionen von einem skandinavischen Papierhersteller."

Cover-Abbildung von "Der Raub"

Einband von "Der Raub"

 

"Der Raub" von Cord Aschenbrenner, ein eindrückliches Buch über die Enteignung und Vertreibung jüdischer Geschäftsleute am Neuen Wall in Hamburg, wurde ebenfalls bei CPI gedruckt, entstand jedoch komplett inhouse. Als Einbandmaterial fand hier ein Strukturpapier von Peyer Verwendung, das neben der handschmeichelnden Haptik auch nachhaltiger als eine Glanz- oder Mattfolienkaschierung – und trotz der Offenporigkeit exzellent bedruckbar ist. Vorsatz und Nachsatz sind mit Übersichtskarten bedruckt. "Der Raub", im Auftrag der Evangelischen Akademie der Nordkirche herausgegeben, sollte ursprünglich als kleine, 80-seitige Broschur erscheinen. Die historischen Fotos, die jetzt freigestellt auf schwarzem oder grauem Untergrund jeweils auf extra Seiten stehen, sollten ursprünglich in den Fließtext eingeklinkt werden. "Im Zug der Arbeit mit Manuskript und Bildmaterial haben wir entschieden, aus der Broschüre ein 'richtiges' Hardcover zu machen", erinnert sich Michel Kreuz. "Damals dachte noch keiner daran, dass wir das mal einreichen." Dieser Mut, das ist das Tolle an der Geschichte, wurde belohnt: Inzwischen liegt "Der Raub" – freilich ohne Lesebändchen – in zweiter Auflage vor. Das Buch wurde zusätzlich für Hamburg lesen, den Wettbewerb der Staatsbibliothek, nominiert – und avancierte im Buchhandel der Hansestadt zum Überraschungserfolg. "In vielen Läden liegt es, anderthalb Jahre nach Erschienen, noch immer am Stapel in Kassennähe." Dass es sich bei beiden Büchern um ausgesprochene Schmuckstücke handelt, dürfte nicht wenig zu diesem – im Wortsinn! – schönen Erfolg beigetragen haben.

Last Orders: Auch 2026 suchen Börsenverein und Stiftung Buchkunst Deutschlands schönstes Regionalbuch – bis zum 30. Juni können Sie Ihren Titel bei der Stiftung Buchkunst einreichen!

Ziel ist es, die Vielfalt regionaler Bücher ins Licht der Öffentlichkeit zu holen und Verlage darin zu bestärken, auch bei Regionaltiteln beste Qualität zu publizieren.

Verlage zahlen pro Titel eine Teilnahmegebühr von 60 Euro. Die Bücher müssen innerhalb der letzten 12 Monate erschienen, mit einer ISBN versehen und im Buchhandel erhältlich sein.