Göttingen

Filmregisseur Dominik Graf hält Lichtenberg-Poetikvorlesung

27. Januar 2026
Redaktion Börsenblatt

Mit Dominik Graf tritt einer der eigenwilligsten und prägendsten Drehbuchautoren und Regisseure des deutschen Films in diesem Jahr die Göttinger Lichtenberg-Poetikdozentur an – es geht dabei auch um sein Filmschaffen. Das Motto lautet: "Selbstbild und Systemzwang".

Porträtfoto von Dominik Graf

Dominik Graf

In den beiden öffentlichen Vorlesungen, die das Literarische Zentrum Göttingen gemeinsam mit dem Seminar für Deutsche Philologie veranstaltet, lässt Dominik Graf die Zuhörenden unmittelbar an seinen Ideen und poetologischen Überlegungen teilhaben. Die Laudatio hält der Filmwissenschaftler und Graf-Experte Felix Lenz, teilt das Literarische Zentrum Göttingen mit.

Kaum ein deutscher Regisseur habe das Spannungsfeld zwischen individuellem Erzählen und industriellen Bedingungen so beharrlich und listenreich ausgelotet wie Dominik Graf. Sein Werk zeichne sich aus durch erzählerische Präzision, kritische Selbstbefragung und ein feines Gespür für kulturelle Zusammenhänge. Seit den 1980er-Jahren hat er mit Arbeiten wie "Die Katze" (1988), "Der Felsen" (2002), "Die geliebten Schwestern" (2014), "Fabian oder der Gang vor die Hunde" (2021) oder der vielbeachteten Serie "Im Angesicht des Verbrechens" (2010) ein Werk geschaffen, das stilprägend für den deutschen Film wirkte. Auch seine legendären Beiträge zum "Tatort" und "Polizeiruf 110" würden sich weniger als Auftragsarbeiten denn als fortgesetzte Erkundungen filmischer Autorschaft verstehen. 

In seinen zwei Poetikvorlesungen am 4. und 5. Februar, jeweils um 20 Uhr im Adam-von-Trott-Saal in der Alten Mensa, fragt Dominik Graf – ausgehend von der eigenen Filmografie – wie viel individuelle Handschrift in einem System aus Zeitgeist, Förderlogiken und Produktionszwängen noch möglich ist, welche Spielräume ein ästhetisch wagemutiges Kino heute noch hat, und er zeigt auf, welche Leerstellen er in der Film- und Kinolandschaft ausmacht.

Veranstaltungsdetails:

Datum: Mittwoch, 4. Februar 2026 und Donnerstag, 5. Februar 2026
Uhrzeit: 20 Uhr
Einlass: 19:30 Uhr
Ort: Adam-von-Trott-Saal in der Alten Mensa der Universität, Wilhelmsplatz 3, 37073 Göttingen
Eintritt: Der Eintritt ist frei

Über die Lichtenberg-Poetikdozentur

Die Lichtenberg-Poetikdozentur wird seit 2005 vergeben und trägt seit 2014 offiziell ihren heutigen Namen – in Erinnerung an den Göttinger Gelehrten und Aphoristiker Georg Christoph Lichtenberg. Eine Kommission aus Mitgliedern des Literarischen Zentrums und des Seminars für Deutsche Philologie ehrt mit der Dozentur Kunstschaffende mit herausragendem Kopf, die sich durch einen innovativen Umgang mit Sprache und Erzählen auszeichnen.

In den vergangenen Jahren hatten unter anderem Ulrike Draesner, Antje Rávik Strubel, Dietmar Dath, Monika Rinck, Carolin Emcke, Marcel Beyer und Daniel Kehlmann die Dozentur inne.

Die Lichtenberg-Poetikdozentur versteht sich als Forum für die Reflexion künstlerischer Praxis – jenseits bloßer Werkstattberichte. In ihren Vorträgen setzen sich die Dozierenden mit dem eigenen Werk, ihren Schreib- und Denkprozessen sowie mit den kulturellen und institutionellen Bedingungen von Literatur und Kunst auseinander. Dergestalt schafft die Poetikdozentur einen offenen Rahmen, in dem Öffentlichkeit, Kunst und Wissenschaft miteinander ins Gespräch kommen können.

Die Poetikdozentur wird mit freundlicher Unterstützung der Stiftung der Georg-August-Universität Göttingen, Stiftung privaten Rechts, der Stiftung Niedersachsen und des Wallstein Verlags realisiert.