Shortlist des IPA Prix Voltaire 2021

"Fünf außergewöhnlich starke Kandidaten"

15. Oktober 2021
von Börsenblatt

Die International Publishers Association (IPA) hat die Shortlist für den IPA Prix Voltaire 2021 bekannt gegeben. Mit dem Preis wird beispielhafter Mut beim Einsatz für die Publikationsfreiheit und die freie Meinungsäußerung gewürdigt.

Demonstrant*innen vor dem Justizpalast in Beirut erinnern an Lokman Slim

Kristenn Einarsson, Vorsitzende des IPA-Ausschusses für die Freiheit der Veröffentlichung (Freedom to Publish Committee, FtPC) sagt in der Mitteilung zur Shortlist: "Die Verlage, die wir mit dieser Shortlist auszeichnen, verdienen unsere internationale Unterstützung und erinnern uns daran, warum die Freiheit zu veröffentlichen so wertvoll ist. Diese fünf außergewöhnlich starken Kandidaten haben ihre Freiheit und ihr Leben riskiert, um die Freiheit des Publizierens zu fördern, und wir ziehen den Hut vor ihnen."
Der IPA-Ausschuss ist für die Auswahl der Shortlist und des Preisträgers oder der Preisträgerin verantwortlich. Dem Komitee gehören neben Mitgliedern des IPA-Sekretariats auch Verlagsexperten aus verschiedenen Ländern an. Die folgenden fünf Nominierten wurden für die diesjährige Auswahlliste ausgewählt:

Dar Al Jadeed Publishing House/Lokman Slim (Libanon)

Der im Jahr 2000 von den Geschwistern Lokman Slim und Rasha al Ameer in Beirut, Libanon, gegründete Verlag Dar Al Jadeed hat sich zum Ziel gesetzt, bedeutende kulturelle Werke frei von ideologischen Konflikten oder Parteinahme zu veröffentlichen. Im Februar 2021 wurde der Mitbegründer Lokman Slim ermordet, nachdem er wiederholt bedroht und eingeschüchtert worden war, weil er sich für mehr Meinungsfreiheit und einen offenen Dialog im Libanon einsetzte, so die IPA-Mitteilung. 

Unabhängige belarussische Verlage (Belarus)

Es wurden verschiedene unabhängige belarussische Verleger/Verlagshäuser nominiert, aufgrund der möglichen Risiken, denen sie ausgesetzt sind, mit Bitte um Anonymität für die einzelnen Verlage nominiert. Zu diesen Risiken gehören Schikanen in Form von Polizeibesuchen, die Beschlagnahme von Computern und Büchern, die Sperrung von Büchern für den Export, Untersuchungen durch Steuer- und Finanzbehörden, die Verhängung hoher Geldstrafen wegen angeblicher finanzieller Unregelmäßigkeiten und die Sperrung von Bankkonten. Diese Vorfälle ereignen sich insbesondere nach der Veröffentlichung regierungskritischer Bücher. 

  • Im Rahmen der Frankfurter Buchmesse rufen der Börsenverein und Partner am 23. Oktober zur Kundgebung "Meinungsfreiheit für Belarus! #freebelarus" auf (zur Meldung auf Börsenblatt online).

Mikado Verlag (Türkei)

Mikado Publishing wurde 2006 gegründet. Der Verlag wurde wegen der Veröffentlichung von "Woher kommen Babys?" wegen Obszönität angeklagt. Dem Verleger drohen 6-12 Jahre Gefängnis, der Fall ist beim Berufungsgericht anhängig. Mikado wurde 2020 mit dem Preis für Gedanken- und Meinungsfreiheit des türkischen Verlegerverbandes ausgezeichnet.

Samir Mansour Bookshop for Publishing (Palästina)

Der Samir Mansour Bookshop for Publishing in Palästina hatte über 20 Jahre lang seinen Sitz in Gaza, bevor er im Mai 2021 bei den israelischen Raketenangriffen auf Gaza zerstört wurde. Die Buchhandlung und das Verlagshaus waren ein wichtiger Bestandteil der lokalen Gemeinschaft und verfügten über Zehntausende von Büchern in verschiedenen Sprachen zu einer großen Bandbreite von Themen. Es wurde als "ein Weg zur Aufhebung der Belagerung des Gazastreifens durch Literatur" bezeichnet, so die IPA.

Raul Figueroa Sarti (Guatemala)

Sein politisches Engagement zwang Raul Figueroa Sarti ins Exil nach Costa Rica. 1993 kehrte er nach Guatemala zurück und gründete den Verlag F&G Editores, der im Laufe der Zeit mehr als 180 Titel veröffentlicht hat. Als Verleger förderte Figueroa Sarti die Organisation unabhängiger Verleger in Zentralamerika und führte zur Gründung der Unabhängigen Zentralamerikanischen Gruppe (GEICA), die zum Mittelpunkt für die Verbreitung zentralamerikanischer Literatur auf dem internationalen Markt wurde. Im Jahr 2009 sah sich Figueroa Sarti mit einem böswilligen Gerichtsverfahren konfrontiert, das darauf abzielte, seine verlegerische Arbeit zu lähmen, und das zunächst zu einer einjährigen Haftstrafe führte, die später zur Bewährung ausgesetzt wurde.

Über den Prix Voltaire

Der IPA Prix Voltaire würdigt die Freiheit der Veröffentlichung, ohne die viele Formen der freien Meinungsäußerung nicht möglich wären. Verleger, die Autoren die Mittel zur Verfügung stellen, um ihre schriftlichen Ideen zu verbreiten, gehen die gleichen Risiken ein wie die Autorinnen und Autoren selbst.

Die Nominierten haben in der Regel kontroverse Werke unter Druck, Drohungen, Einschüchterungen oder Schikanen veröffentlicht, sei es durch Regierungen, andere Behörden oder private Interessen. Es kann sich aber auch um Verleger handeln, die sich durch die Wahrung der Werte der Publikations- und Meinungsfreiheit ausgezeichnet haben. Für die Zwecke des IPA Prix Voltaire ist die Definition eines "Verlegers" eine Einzelperson, ein Kollektiv oder eine Organisation, die anderen die Möglichkeit bietet, ihre Ideen in schriftlicher Form, auch über digitale Plattformen, zu veröffentlichen.

Der mit 10.000 Schweizer Franken dotierte IPA Prix Voltaire wird durch grosszügige Beiträge von Sponsoren ermöglicht, die alle Verlage und Organisationen sind, welche die Werte teilen, die der IPA Prix Voltaire anerkennt.

Preisverleihung

Die Preisverleihung für den Prix Voltaire 2021 findet Ende November während der 35. Feria Internacional del Libro de Guadalajara in Mexiko statt.

Zu den bisherigen Preisträgern gehören der vietnamesische Verlag Liberal Publishing House (2020), der ägyptische Verleger Khaled Lotfy (2019), der schwedische Verleger Gui Minhai aus Hongkong (2018), der türkische Verleger Turhan Günay und der Verlag Evrensel (2017), der saudische Blogger Raif Badawi (2016) und der weißrussische Verleger Ihar Lohvinau (2014).