Laudatio in Märchenform

Kindermann Verlag erhält Wildweibchenpreis 2026

27. Oktober 2026
Redaktion Börsenblatt

Im Rahmen der 31. Reichelsheimer Märchen- und Sagentage wurde Anna Kindermann mit dem Wildweibchenpreis 2026 ausgezeichnet. Erstmals ging der Preis an einen Verlag. 

Gruppenfoto mit vier Personen, zwei davon in Mittelalter-Kostümen. Nach der Preisverleihung: Links Anna Kindermann, zweite von rechts ist Laudatorin Claudia Maria Pecher

Nach der Preisverleihung: Links Anna Kindermann, zweite von rechts ist Laudatorin Claudia Maria Pecher

Die Verleihung fand der Presseinformation zufolge am 24. Oktober als Märchenabend in Reichelsheim statt. Erstmals ging der Preis an einen Verlag. 

Rund 30 Jahre nach der Gründung durch Barbara Kindermann würdigt die Auszeichnung das Engagement des Berliner Kinderbuchverlags, literarische Klassiker, Märchen und Sagen bereits den Jüngsten zugänglich zu machen. Mit Reihen wie "Weltliteratur für Kinder", "Poesie für Kinder" und "Sagen für Kinder" begeistere der Verlag seit 1994 junge Leserinnen und Leser für die großen Geschichten der Literatur. 

Claudia Maria Pecher bei ihrer Laudatio

Claudia Maria Pecher bei ihrer Laudatio

Eine märchenhafte Laudatio

Für einen besonders bewegenden Moment sorgte Claudia Maria Pecher, Präsidentin der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur und Schirmherrin der Märchen- und Sagentage. Sie hielt ihre Laudatio nicht als klassische Rede, sondern erzählte die Geschichte des Verlags als Märchen – von der mutigen Idee der Gründerin Barbara Kindermann bis zur Weiterführung durch ihre Tochter Anna, die seit 2020 an der Spitze des Verlags steht. 

"Wer lesen kann, kann sich Wissen erschließen"

In ihrer Dankesrede schlug Anna Kindermann den Bogen von der Verlagsgeschichte zu einer der drängendsten bildungspolitischen Fragen unserer Zeit: der Leseförderung. Angesichts der alarmierenden Ergebnisse der PISA-Studie erinnerte sie daran, dass Lesen weit mehr bedeutet, als Buchstaben zu entziffern: "Wer lesen kann, kann sich Wissen erschließen, Informationen hinterfragen und sich eine eigene Meinung bilden. Lesekompetenz ist damit auch eine Grundlage demokratischer Teilhabe", betonte Anna Kindermann. 

Überreicht wurde der Wildweibchenpreis von Reichelsheims Bürgermeister Christian Hofmann. Die Musikgruppe YOYOSA begleitete den festlichen Abend im Regionalmuseum mit mittelalterlicher Musik und sorgte für eine stimmungsvolle Atmosphäre. Für Anna Kindermann, die selbst Klassiker und Sagen wie "Die zwölf Heldentaten des Herkules", "Siegfried der Drachentöter" und "Die Legende von Artus" für Kinder nacherzählt hat, ist die Auszeichnung zugleich eine Bestätigung des verlegerischen Lebenswerks ihrer Mutter: "Klassiker gehören nicht der Vergangenheit. Sie gehören auch den Kindern von heute – und denen von morgen."

Zum Preis:

Der Wildweibchenpreis ist ein Literaturpreis, der jährlich von der Gemeinde Reichelsheim (Odenwald) im Rahmen der Märchen- und Sagentage verliehen wird. Er würdigt Persönlichkeiten, die sich in besonderer Weise mit dem Thema Märchen und Sagen beschäftigt haben.

Die Auszeichnung umfasst neben einem Preisgeld von 1.500 Euro und einer Urkunde auch eine künstlerische Skulptur. Diese wird eigens für die Preisträgerin angefertigt und stellt somit ein Unikat dar, das die Tradition und die kulturelle Bedeutung des Preises in der Gemeinde Reichelsheim unterstreicht.