Wuppertaler Literatur Biennale 2026

Literaturpreis für Nina Kiedrowicz

16. April 2026
Redaktion Börsenblatt

Nina Kiedrowicz wird für ihre Erzählung "Lloret de Mar" mit dem Preis der Wuppertaler Literatur Biennale 2026 ausgezeichnet. Der Wettbewerb fördert den literarischen Nachwuchs – diesmal wurden Texte zum Thema "Wut" eingereicht. 

Porträtfoto von Nina Kiedrowicz

Nina Kiedrowicz

Zum siebten Mal verleiht die Stadt Wuppertal den von der Kunststiftung NRW gestifteten, mit 7.000 Euro dotierten Preis der Wuppertaler Literatur Biennale. Für den Preis, mit dem der literarische Nachwuchs gefördert wird, hatten sich 714 Autor:innen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum mit einem Text zum diesjährigen Biennale-Thema "Die Wut" beworben, so die Pressemitteilung.

Aus der Begründung der Jury: "Mit 'Lloret de Mar' legt Nina Kiedrowicz einen ebenso schmerzhaften wie eindringlichen Text über ein Trauma und seine Nachwirkungen vor. Als besonders wirkungsvoll erweist sich dabei die spiralförmige Erzählweise: Behutsam tastet sie sich an das Geschehen heran, umkreist es, kehrt wieder, vertieft und reflektiert. So wird der Prozess der Traumaverarbeitung nicht nur thematisch verhandelt, sondern auch formal umgesetzt. Der Text selbst wird zu dem dringend nötigen Raum, in dem die eigene Erfahrung endlich einen Platz findet. Inhaltlich gelingt der Autorin eine vielschichtige Darstellung von Wut und Hilflosigkeit, die die Komplexität der Gefühle anerkennt. Präzise wird das Wegschauen als Teil eines Systems des Schweigens sichtbar gemacht, das individuelle Erfahrungen in größere gesellschaftliche Zusammenhänge einbettet. So entfaltet der Text seine besondere Stärke gerade im Spannungsfeld zwischen Sagbarem und Unsagbarem, zwischen Machtmissbrauch und Selbstermächtigung."

Zur Preisträgerin:

Nina Kiedrowicz, 1992 im Ruhrgebiet geboren und aufgewachsen, studierte Literaturwissenschaft (B.A.) sowie Stadtforschung (M.A.) an der Universität Duisburg-Essen. Seit 2021 arbeitet sie als freie Autorin. In ihrer Arbeit geht es ihr um Perspektiven, die in öffentlichen Diskursen wenig Raum und Gehör finden. Im Herbst 2025 begann sie ein Zweitstudium der Sozialen Arbeit. Sie lebt in Berlin und Essen.

Zum Wettbewerb:

"Die Anzahl an Einsendungen war überwältigend", so Julia Wessel, Projektleiterin der Wuppertaler Literatur Biennale im Kulturbüro der Stadt Wuppertal. "Angesichts des Themas 'Wut' waren diesmal viele emotional erschütternde Texte dabei, die Missbrauchs- und Gewalterfahrungen oder familiäre Traumata reflektieren. Das zeigt einmal mehr, wie wichtig Literatur als Medium ist, um, wie in unserem Fall, verschiedensten Wut-Erfahrungen eine Stimme zu geben."

Angesichts der hohen Anzahl starker Einsendungen hat die Jury entschieden, neben der Gewinnerin auch die Namen der Autor:innen zu veröffentlichen, die es mit ihren Texten auf die Shortlist geschafft haben (in alphabetischer Reihenfolge):

  • Helen Hermens: "Bewohnerinnen"
  • Carla Moschner: "Fragmente einer Ich-&-Du-Geschichte"
  • Kerstin Nethövel: "Hausbesuche"
  • Peter Thiers: "Der Anker"
  • Lea Wintterlin: "Medea spricht zu ihrem weinenden Kind"

Die Literaturzeitschrift KARUSSELL veröffentlicht diese Texte neben dem Siegertext ebenfalls in der zum Festival erscheinenden Ausgabe #4 WUT. (https://literaturzeitschrift-karussell.de/)

Jury 2026: Orhan Erdem (Preisträger Wuppertaler Literatur Biennale 2024), Emily Grunert (Leiterin Literaturbüro NRW), Thorsten Krämer (Schriftsteller), Avan Amir Weis (Kritiker, Dozent, Lyriker, Künstler) und Antonius Weixler (Literaturwissenschaftler, Germanistik, Bergische Universität Wuppertal).

Preisverleihung

Die Preisverleihung im Rahmen der achten Wuppertaler Literatur Biennale findet am Mittwoch, 13. Mai, 19:30 Uhr im entstehenden Pina Bausch Zentrum statt. Erstmals wird der Siegertext live zu hören sein. Podiumsgast wird auch die Schriftstellerin Helene Bukowski sein, die 2016 mit dem Förderpreis der Wuppertaler Literatur Biennale ausgezeichnet wurde. Ein Abend für neue Stimmen – mit Lesung, Talks und viel Mut zur Wut. Moderation: Thorsten Dönges.

Weitere Informationen
www.wlbiennale.de