"Ein großes Antikriegsbuch"

Norbert Gstrein bekommt den Siegfried Lenz Preis

21. Mai 2026
Redaktion Börsenblatt

Der mit 50.000 Euro dotierte Siegfried Lenz Preis 2026 geht an den Schriftsteller Norbert Gstrein. Die Laudatio bei der Preisverleihung am 11. September wird Daniel Kehlmann halten.

Foto von Norbert Gstrein

Norbert Gstrein

Das teilte die Siegfried Lenz Stiftung mit. Mit dem Siegfried Lenz Preis, der mit 50.000 Euro dotiert ist, sollen internationale Schriftstellerinnen und Schriftsteller ausgezeichnet werden, die mit ihrem erzählerischen Werk Anerkennung erlangt haben und deren schöpferisches Wirken dem Geist von Siegfried Lenz nah ist. Die Jury des Siegfried Lenz Preises 2026 zeichnet mit dem 1961 in Österreich geborenen Schriftsteller Norbert Gstrein einen großen europäischen Erzähler aus. In der Begründung heißt es: "Schon in seinem Debüt, der Erzählung "Einer" (1988), erwies sich Norbert Gstrein als ein Autor, der eigenständig an die Literatur der klassischen Moderne anknüpft und deren Motive und Themen konsequent weiterentwickelt. Sein rund zwanzig Romane und Essays umfassen des Werk kreist um große erkenntnistheoretische und moralische Fragen. Es geht um 'Identität', 'Wahrheit' und 'Schuld'. Gstrein konfrontiert seine Leserinnen und Leser gleichzeitig damit, dass jedem Erzählten zu misstrauen ist, es keine Verlässlichkeiten gibt und einfache Kausalitäten nur scheinbare Kausalitäten sind."

"Gedankliche Klarheit und stilistische Brillanz"

Gstreins Prosa handele vom Nicht-Auslotbaren, Nicht-Fixierbaren des Lebens – im Kontext der historischen Zerwürfnisse und Katastrophen des 20. und 21. Jahrhunderts. Beispiel- und meisterhaft würden diese Erzählstränge in Gstreins aktuellem Roman "Im ersten Licht" (2026) zusammengebunden, "der als großes Antikriegsbuch und als Erörterung der Schuld, die Menschen willentlich oder unwillentlich auf sich laden, zu lesen ist". Nicht zuletzt gelte es, in Norbert Gstrein einen Autor zu ehren, dessen Texte von einer gedanklichen Klarheit und stilistischen Brillanz geprägt seien, wie man sie in der gegenwärtigen deutschsprachigen Literatur nur sehr selten finde.

Norbert Gstrein, 1961 in Tirol geboren, lebt in Hamburg. Er erhielt u.a. den Alfred-Döblin Preis, den Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung, den Uwe-Johnson-Preis, den Österreichischen Buchpreis 2019, den Düsseldorfer Literaturpreis und den Thomas-Mann-Preis. Bei Hanser erschienen "Die Winter im Süden" (Roman, 2008), "Die englischen Jahre" (Roman, Neuausgabe 2008), "Das Handwerk des Tötens" (Roman, Neuausgabe 2010), "Die ganze Wahrheit" (Roman, 2010), "In der Luft" (Erzählungen, Neuausgabe 2011), "Eine Ahnung vom Anfang" (Roman, 2013), "In der freien Welt" (Roman, 2016), "Die kommenden Jahre" (Roman, 2018), "Als ich jung war" (Roman, 2019), "Der zweite Jakob" (Roman, 2021), mit dem er für den Deutschen Buchpreis nominiert war, sowie zuletzt "Vier Tage, drei Nächte" (Roman, 2022) und "Mehr als nur ein Fremder" (2023). Im Frühjahr 2026 erschien sein neuester Roman "Im ersten Licht". 

Zusammensetzung der Jury:

  • Günter Berg, Vorstand der Siegfried Lenz Stiftung, Hamburg
  • Ulrich Greiner, Autor und Literaturkritiker, Hamburg
  • Rainer Moritz, Autor und Literaturkritiker, Hamburg
  • Annegret Schult, Buchhändlerin, Hamburg
  • Laura de Weck, Literaturkritikerin und Dramatikerin

Preisverleihung:

Die feierliche Preisübergabe findet im Hamburger Rathaus am 11. September statt. Der Preis wird vom Ersten Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg und von der Siegfried Lenz Stiftung überreicht. Die Laudatio hält Daniel Kehlmann. Als Auftakt wird Norbert Gstrein am Donnerstag, 10. September 2026 um 19.30 Uhr auf Einladung von NDR Kultur zu Gast sein im Rolf-Liebermann-Studio des Norddeutschen Rundfunks, Hamburg. Der Vorverkauf startet am 9. Juni.

Die bisherigen Preisträger des mit 50.000 Euro dotierten Siegfried Lenz Preises waren der Israeli Amos Oz, der Engländer Julian Barnes, der Amerikaner Richard Ford, die amerikanische Schriftstellerin Elizabeth Strout sowie die irische Erzählerin Claire Keegan. Da für Siegfried Lenz nicht allein die anglophone Welt von Bedeutung war, sondern auch die Welt seiner ostpreußischen Herkunft, zeichnete die Jury 2020 mit Ljudmilla Ulitzkaja eine Autorin aus dem osteuropäischen Kulturraum aus.